{"id":2639,"date":"2021-06-02T15:33:00","date_gmt":"2021-06-02T13:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/thefemaleexplorer.de\/?p=2639"},"modified":"2023-06-07T11:11:09","modified_gmt":"2023-06-07T09:11:09","slug":"bikepacking-ana-female-explorer-magazine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thefemaleexplorer.de\/blog\/bikepacking-ana-female-explorer-magazine\/","title":{"rendered":"\u00bbBasically, bikepacking opens doors and hearts!\u00ab"},"content":{"rendered":"\n
Ana Zamorano<\/a> ist Filmemacherin und Fotografin aus Nordspanien. In den letzten zwei Jahren hat sie sowohl S\u00fcdamerika als auch den S\u00fcdkaukasus allein auf dem Fahrrad durchquert und auf dem Weg besondere Kultur-Begegnungen, aber auch Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr ihre Art zu Reisen erlebt. Im Interview erz\u00e4hlt sie uns, was Bikepacking f\u00fcr sie so besonders macht und warum ihrer Meinung nach viel mehr Frauen einfach solo losradeln sollten.<\/p>\n\n\n\n *Dieses Interview wurde auf Englisch gef\u00fchrt. Die Original-Version findet ihr in unserem Magazin, Ausgabe <\/a>02<\/a>.<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n Ana, du reist jetzt schon seit zwei Jahren mit deinem Fahrrad um die Welt \u2013 wann hast du entschieden, dass es Zeit war deine Sachen zu packen und loszuradeln?<\/strong> Die Vielfalt Lateinamerikas hat mich immer motiviert. Dort gibt es immer noch ein paar abgeschiedene und unber\u00fchrte Gebiete, wo dich nur der Wind und die Landschaft umgeben. Ich habe mich wie ein winziger Punkt auf der Erde gef\u00fchlt.<\/p>\nAna Zamorano<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n Mir fehlen immer noch die Worte, um die Vielfalt und den Reichtum zu beschreiben, der sich f\u00fcr mich hinter jedem geradelten Kilometer fand. Angefangen beim Wind und den wilden Landschaften Patagoniens, zu den W\u00fcsten im n\u00f6rdlichen Chile und Argentinien, die Hochebene in Bolivien und die Gebirgsp\u00e4sse in Peru, eines der gr\u00f6\u00dften Eisfelder der Welt und, nat\u00fcrlich, der Amazonas!<\/p>\n\n\n Warum hast du dich f\u00fcrs Bikepacking entschieden?<\/strong> Fahrr\u00e4der gibt es in jeder Community auf der Welt und oft sind sie die einzige Transportm\u00f6glichkeit neben dem Weg zu Fu\u00df. F\u00fcr mich ist das Fahrrad ein Schl\u00fcssel, um mich bei einer l\u00e4ndlichen Gemeinschaft vorzustellen. So habe ich es auch in den Anden, Iran und im Kaukasus getan. Die Menschen sehen mich dann nicht als reiche Ausl\u00e4nderin, sondern einfach als Reisende \u2013 also haben sie ihre T\u00fcren und Herzen f\u00fcr mich ge\u00f6ffnet!<\/p>\n\n\n\n Worin besteht f\u00fcr dich die Magie, solo zu reisen?<\/strong> Auf meinen Reisen wurde ich von so vielen Familien aufgenommen und besonders in muslimischen L\u00e4ndern wird man besonders schnell ins Haus eingeladen: es beginnt immer mit einem gemeinsamen Tee, dann etwas Essen und danach wird ein Schlafplatz angeboten. Und so lernt man diese beiden Bereiche unter einem Haus besonders gut kennen: die R\u00e4ume der M\u00e4nner, wo ich Tee mit ihnen getrunken haben und die K\u00fcche, wo nur Frauen und Kinder erlaubt sind. F\u00fcr mich war es immer etwas ganz besonderes, die Frauen zu treffen, denn sie wussten ja, dass ich aus einem anderen Land und einer anderen Realit\u00e4t kam und hatten so viele Fragen, Zweifel und Geschichten zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n Eine Solo-Reise erlaubt dir, genau das zu machen, was du gerade tun m\u00f6chtest. Nicht jeder hat Lust, so oft anzuhalten und so viele Einladungen von Einheimischen anzunehmen. F\u00fcr mich sind diese Momente aber die Highlights meiner Reise und der Grund, warum ich abgelegene Tracks aussuche.<\/p>\nAna Zamorano<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n Es erlaubt mir au\u00dferdem, den Weg mit anderen Radfahrer:innen zu teilen, die ich unterwegs treffe. Es ist die absolute Freiheit. Nat\u00fcrlich vermisse ich es manchmal, bestimmte Momente mit Freunden zu teilen, aber allein unterwegs zu sein gibt mir die M\u00f6glichkeit, neue Menschen \u00fcberhaupt kennenzulernen. Auf meiner Reise hat mich ein Schweizer f\u00fcr fast vier Monate begleitet, ein paar Wochen waren ein Australier und ein Brite meine Gef\u00e4hrten, ein paar Tage war ich mit Mexikanern und Argentiniern unterwegs… es ist einfach unglaublich, wieviel man voneinander lernt, wenn man eine gemeinsame Leidenschaft hat: das Fahrradfahren!<\/p>\n\n\n\n Hast du jemals deine Entscheidung, allein unterwegs zu sein, hinterfragt oder warst unsicher, ob du weiterhin solo reisen m\u00f6chtest? Wie gehst du mit solchen Gedanken und Gef\u00fchlen um?<\/strong> Ich habe gelernt, mein Zelt immer fernab von Stra\u00dfen oder D\u00f6rfern aufzubauen oder auch, wie ich mich anziehen sollte \u2013 ich trage zum Beispiel keine Shorts mit kurzem Top, auch wenn es sehr hei\u00df ist. Ich wei\u00df auch, dass ich betrunkenen Leuten lieber aus dem Weg gehe und wie ich unangenehmen Situationen entweiche. Man sollte sich selbst vertrauen, immer auf seine Gedanken und Gef\u00fchle h\u00f6ren und aufmerksam sein, wenn man sich allein in einer M\u00e4nnergruppe befindet. Ich suche immer den Kontakt zu den Frauen vor Ort und recherchiere schon im Voraus, wie ich mich in einem bestimmten Land verhalten sollte. Es ist ein enormer Unterschied, ob ich als Frau durch Zentralasien oder Lateinamerika reise, oder ob ich in Australien oder Europa unterwegs bin.<\/p>\n\n\n\n Hast du dich jemals in gef\u00e4hrlichen Situationen wiedergefunden? Wie gibst du dir ein sicheres Gef\u00fchl, wenn du allein in der Wildnis campst?<\/strong> Allein in der Wildnis zu campen ben\u00f6tigt ein paar Wochen Zeit, um sich daran zu gew\u00f6hnen. Man stellt sich immer die gef\u00e4hrlichen Ger\u00e4usche und Situationen vor, die da entstehen k\u00f6nnten, aber schlussendlich ist man doch in der Natur und die Wahrscheinlichkeit, dass wirklich etwas passiert, ist nicht besonders hoch. Halte dich einfach versteckt und bleib entspannt. Nach einer Weile wird es sich gro\u00dfartig anf\u00fchlen!<\/p>\nAna Zamorano<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n Was denkst du, woher kommen unsere \u00c4ngste, solo zu reisen? Wie w\u00fcrdest du andere Frauen dazu ermutigen, ihre Tr\u00e4ume zu verwirklichen, auch allein?<\/strong> Mein Tipp f\u00fcr Frauen, die solo reisen m\u00f6chten, ist, einfach das Rad zu nehmen und loszuziehen! Lasst euch nicht von den negativen Schlagzeilen in den Medien beeindrucken, folgt einfach eurem Traum und macht, worauf ihr Lust habt! Und wenn noch ein bisschen Selbstbewusstsein dazu fehlt, k\u00f6nnt ihr immer mit einem Mikroabenteuer starten. Beginnt doch einfach mit einer \u00dcbernachtung oder einem Wochenende an einem Platz, den ihr gut kennt oder in einem Land, dem ihr vertraut.<\/p>\nAna Zamorano<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n Es gibt Facebook Gruppen f\u00fcr Bikepacker:innen, wo wir unsere Meinungen und \u00c4ngste teilen oder auch die Routen, die wir gemacht haben, Menstruationsbelange w\u00e4hrend der Radreise usw. Es ist nicht nur interessant, sondern man kann sich auch mit anderen Frauen vernetzen und Unterst\u00fctzung erhalten.<\/p>\n\n\n\n Viele Female Travelers werden nach ihrem romantischen und privaten Leben gefragt \u2013 warum sie keine Kinder haben oder was ihre Partner davon halten, dass sie allein unterwegs sind. Hast du diese Erfahrung auch gemacht?<\/strong> Kannst du uns die Geschichte hinter dem Foto von der kletternden, indigenen Frau erz\u00e4hlen?<\/strong> So habe ich Dorita getroffen, die kletternde Cholita auf dem Foto. Ein paar Jahre vor meiner Reise las ich von dieser Klettergruppe indigener Frauen in einer Zeitung und dachte, es w\u00e4re eine gute Sache, mich mit ihnen in Verbindung zu setzen und sie vielleicht irgendwann in Bolivien zu treffen.<\/p>\n\n\n\n „Cholitas“<\/em> sind indigene Frauen in Per\u00fa und Bolivien, die eine typische Kleidung tragen, welche von der spanischen Mode von 1920 inspiriert ist, welche damals nach S\u00fcdamerika gebracht wurde. Der Rock „Pollera“<\/em> kann bis zu 10 Lagen haben. Der „Melonenhut“<\/em> war urspr\u00fcnglich ein Accessoire f\u00fcr M\u00e4nner, komplettiert mit einem Schulterschal „Manta“<\/em> jetzt aber das Outfit.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n Drei Jahre sp\u00e4ter war ich dann unterwegs mit Dorita auf den Huayna Potosi Mountain. Zu sehen, wie diese Frauen mit ihren traditionellen R\u00f6cken und sehr einfacher Ausr\u00fcstung klettern, war eines meiner Highlights, welches ich nie vergessen werde! <\/p>\n\n\n\n Die Aymara Frauen arbeiten als K\u00f6chinnen und Helferinnen f\u00fcr Bergsteiger aus aller Welt. Seit sie 16 Jahre alt sind, k\u00fcmmern sie sich um die Crews, die die h\u00f6chsten Gipfel Boliviens besteigen wollen. Eines Tages entschieden sie sich dazu, auch auf Spitze zu klettern, jedoch nicht ohne ihre traditionellen R\u00f6cke. Denn so wie sie sagen: „Wir sind nichts ohne unsere R\u00f6cke!“<\/p>\n\n\n\n Wo geht deine Reise als n\u00e4chstes hin?<\/strong> \u00bbBasically, bikepacking opens doors and hearts!\u00ab Ana Zamorano \u00fcber ihre Solo-Reise auf zwei R\u00e4dern Ana Zamorano ist Filmemacherin und Fotografin aus Nordspanien. In den letzten zwei Jahren hat sie sowohl S\u00fcdamerika als auch den S\u00fcdkaukasus allein auf dem Fahrrad durchquert und auf dem Weg besondere Kultur-Begegnungen, aber auch Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr ihre Art zu Reisen erlebt. […]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":2702,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[547,93,91],"tags":[44,48,45,46,47,49],"tfe-label":[],"acf":[],"yoast_head":"\n
A Es ging los, als ich 2018 meinen Job gek\u00fcndigt und mich endlich auf die Reise nach S\u00fcdamerika begeben habe. Am Anfang war es sehr anstrengend, aber mein K\u00f6rper gew\u00f6hnte sich schnell an die Routine und das Gewicht, welches ich jetzt jeden Tag bewegen musste. In den ersten Tagen war mein Adrenalin so hoch und ich so euphorisch, dass ich immer ein L\u00e4cheln im Gesicht hatte \u2013 auch wenn es weh tat! Ich freute mich so sehr darauf, die verschiedenen L\u00e4nder besser kennenzulernen und die Welt ganz neu wahrzunehmen.<\/p>\n\n\n
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A Ich liebe es, mit dem Fahrrad zu reisen! Es ist langsamer als der \u00f6ffentliche Nahverkehr, aber schneller als zu Fu\u00df unterwegs zu sein. Auf dem Rad habe ich den perfekten Rhythmus, um alles was ich sehe auch wahrzunehmen. Seit ich das Bikepacking angefangen habe, begannen auch die Menschen vor Ort mich anders zu behandeln, als auf meinen Backpacking-Reisen. Vom ersten Moment an haben sie mich wie einen Teil ihrer Familie behandelt, und ich denke, ich wei\u00df warum: es geht um das Fahrrad an sich!<\/p>\n\n\n\n
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A Als Frau allein zu reisen ist immer noch sehr besonders und wird einfach noch nicht so h\u00e4ufig gesehen. Die M\u00e4nner auf meinen Reisen haben mich immer willkommen gehei\u00dfen, aber die gemeinsame Zeit mit den einheimischen Frauen gab mir die M\u00f6glichkeit, auf meine Art zu reisen. Ich habe jetzt \u00fcberall eine „Mama“ und ich habe wirklich auch das Gef\u00fchl, sie haben mich als ihre Tochter angesehen. Leider gibt es noch sehr viele L\u00e4nder, in denen Frauen und M\u00e4nner in der gleichen Gemeinschaft und im gleichen Haus leben, jedoch separate Regeln, eigene Bereiche und unterschiedliche Pflichten haben. Als bikepackende Europ\u00e4erin hatte ich immer die M\u00f6glichkeit, beide Welten kennenzulernen. <\/p>\n\n\n\n
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A Achtsamkeit und der Glaube an dich selbst sind der Schl\u00fcssel, aber du brauchst auch einen starken Charakter und Pers\u00f6nlichkeit. Auch wenn die Angst immer da ist, denke ich immer auch realistisch. Ich habe niemals meine Solo-Trips hinterfragt, aber nat\u00fcrlich waren da Momente in denen ich mich gefragt habe, warum ich das mache. Zum Beispiel w\u00e4hrend eines Sturms in den armenischen Bergen, im Schneesturm in Per\u00fa oder an einigen nebligen und super kalten Tagen in Ecuador. Aber die Sonne kommt immer wieder raus und man schaut zur\u00fcck und denkt: „Ja, das habe ich geschafft!“<\/p>\n\n\n
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A Es gab ein paar Situationen, aus denen ich mich rechtzeitig wieder befreien konnte. Ich denke, als alleinreisende Frau sollte man sich immer bewusst sein, in welcher Situation man sich gerade befindet und besonders aufpassen, wenn Alkohol im Spiel ist. Alles in allem denke ich aber, dass 95 % der Menschen gut und liebensw\u00fcrdig sind und meine Erfahrungen geben mir allen Grund, das weiterhin zu glauben. <\/p>\n\n\n\n
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A Auf jeden Fall ist es durch unsere Bildung bedingt! Wir Frauen wurden immer mit Angst und viel mehr Sorge herangezogen, als es bei M\u00e4nnern der Fall ist. Das bemerkt man ja auch im Alltag, nicht nur auf Reisen.<\/p>\n\n\n\n
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A Das ist die h\u00e4ufigste Frage von den Locals auf meinen Reisen! „Wo sind deine Kinder? Und dein Mann?“ Es ist irgendwie schade, dass sie denken, ich k\u00f6nnte nicht allein reisen. Ich scherze dann, dass mein Fahrrad mein Ehemann ist und sich gut benimmt. Die Frauen m\u00fcssen dann immer lachen!
Ich habe mal eine Visa-Verl\u00e4ngerung in Kurdistan nicht bekommen, weil ich solo in einem „gef\u00e4hrlichen Gebiet“ unterwegs war. Der Polizist sagte: „Ich gebe dir die Monate, die du haben m\u00f6chtest, wenn du mit deinen Kindern und deiner Familie wiederkommst.“ Das war einer der schlimmsten Tage auf der ganzen Reise f\u00fcr mich, denn ich konnte mich nun in die Frauen hineinversetzen und in die Situationen, von denen sie mir berichtet hatten. Dass sie oft keine Rechte besitzen und nicht einmal lernen d\u00fcrfen, wie man Fahrrad f\u00e4hrt!<\/p>\n\n\n
A Ich bin Filmemacherin und Fotografin und empfinde diesen Job als M\u00f6glichkeit, etwas zu ver\u00e4ndern. Storytelling ist immer ein Teil davon. Eines meiner Ziele beim Bikepacking ist es, eine tiefere Verbindung mit den Einheimischen aufzubauen \u2013 und als Konsequenz daraus zu lernen und festzuhalten, was ich sehe und empfinde. Ich glaube, dass wir alle unsere eigenen Geschichten auf dem R\u00fccken tragen und in diesen L\u00e4ndern, wo die Menschen weniger M\u00f6glichkeiten haben, ihre eigene Geschichte zu erz\u00e4hlen, gibt es besonders viele erz\u00e4hlenswerte!<\/p>\n\n\n\n
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A Ich m\u00f6chte Asien ausgehend von Kirgisistan durchqueren. Beginnend an der Tien Shan Kette, dem Pamir Highway und Karakorum bis zum s\u00fcdlichen Teil von Indien bis nach Vietnam. Ich kann’s kaum erwarten!<\/p>\n\n\n\n
Route-Facts:<\/h2>\n\n\n\n
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