Te Araroa Solo Wanderung zu Fuß durch Neuseeland Blue Lake Ausblick quer

Community Story

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3.029 km zu Fuß durch Neuseeland: Te Araroa – Südinsel


Melina KeilText / Fotos

In der Fortsetzung des Artikels „3.029 km zu Fuß durch Neuseeland: Te Araroa – Nordinsel“ führt der Te Araroa über Neuseelands Südinsel von Picton bis Bluff: über beeindruckende Bergketten, durch verwunschene Wälder und knietiefe Schlammlöcher. Was wartet abseits der Zivilisation und welche Herausforderungen bringen Gewitter und Hitze mit sich?

Anfang verpasst? Hier geht es zu Teil 1, der Wanderung über die Nordinsel

Wir nahmen die erste Fähre am Morgen nach Picton. Dort hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, bevor uns ein Boot zur Ship Cove, dem Beginn des Trails auf der Südinsel, brachte. Von dort aus liefen wir die nächsten Tage entlang des Queen Charlotte Tracks. Immer wieder bekamen wir schöne Aussichten auf den Queen Charlotte Sound und seine vielen kleinen Buchten. Die Buchten eigneten sich auch prima für eine kleine Abkühlung zwischendurch, denn mittlerweile drückten tagsüber hochsommerlich heiße Temperaturen.

Herausforderungen der Richmond Range

Das Wetterglück schien auf unserer Seite zu sein und so wollten wir keine Zeit verschwenden, um in die Richmond Range zu starten. Sie zählt zu den anspruchsvollsten Etappen des Trails, mit vielen Höhenmetern aber auch einigen Flussdurchquerungen. Unsere Rucksäcke waren schwer bepackt mit Essen für bis zu neun Tagen, aber mittlerweile machte sich unsere Trail-Fitness bemerkbar. Belohnt wurden wir zwischendrin immer wieder mit wunderschönen Aussichten oder kleinen natürlichen Pools entlang der Flüsse. Auch die Flussdurchquerungen waren nicht weiter schwer, durch die niedrigen Wasserstände und die wenige Strömung. Dass sich das innerhalb von wenigen Stunden jedoch rapide ändern kann, durften wir nur wenige Tage später selbst erleben. Erst am letzten Tag in der Richmond Range verließ uns das Wetterglück und wir waren stolz, diesen Teil ebenfalls erfolgreich hinter uns gebracht zu haben.

Nelson Lake National Park

Das Wetterglück hatte uns verlassen und schien auch so schnell nicht wiederzukommen. Nur ein einziger Tag schien in der nächsten Woche trocken zu sein und wenn wir direkt weiter liefen, würden wir diesen genau mit dem schwierigsten Teil der Etappe, dem Waiau Pass, timen können. Somit war die Entscheidung gefallen und ohne Pausentag machten wir uns direkt auf in die nächste Etappe. Ich hatte mich auf diese mit am meisten gefreut, da sie eine der schönsten des ganzen Trails sein soll. Glücklicherweise war es auch trotz des Regens sehr eindrucksvoll, wenn die Wolken die Sicht frei gaben. Jeden Abend konnten wir am Feuer in den Backcountryhütten, welche wir bei dem Wetter unserem Zelt vorzogen, unsere nasse Kleidung trocknen und uns aufwärmen. Wie angekündigt bekamen wir bestes Wetter für den Tag, an dem wir den Waiau Pass überqueren mussten. Doch zuerst führte uns der Weg am Blue Lake vorbei, einem der klarsten Seen der Welt. Hier ist es wichtig, genügend Abstand zum See zu halten, um ihn zu schützen und die Maori Kultur zu bewahren, denn für diese ist dieser ein heiliger Ort.

Weiche Knie und starke Strömung

Ganz beseelt von dieser wunderschönen Landschaft war der steile Anstieg auf den Waiau Pass nur halb so schlimm. Als wir abends auf der anderen Seite unser Camp erreichten, schafften wir es noch vor dem Gewitter, die Zelte aufzubauen. Leider hörte der Regen nicht mehr auf und als ich dachte, mein Zelt am nächsten Morgen im Regen abzubauen wäre das schlimmste, ahnte ich noch nicht, was uns durch den anhaltenden Regen noch erwartete. Direkt hinter unserem Camp war ein großer Fluss. Dieser war am Abend noch recht ruhig gewesen. Jetzt drückten sich die Wassermassen nur so durch den Fluss und wir suchten eine lange Zeit, bis wir eine Stelle fanden, an der wir zu dritt, ineinander verkettet, den Fluss queren konnten. Keineswegs sicher, denn die starke Strömung machte es uns nicht leicht, überhaupt stehen zu können. Nur vereint schafften wir es auf die andere Uferseite. Mit noch weichen Knien nahmen wir den Weg wieder auf, um wenig später den nächsten reißenden Fluss vor uns zu haben. Ohne die gegenseitige Unterstützung und Anwendung von bestimmten Techniken wäre es nicht möglich gewesen, diese überhaupt zu queren. Als wir nach sechs Tagen diese Etappe hinter uns ließen, hatten wir uns einen Pausentag mehr als verdient!

Canterburys Backcountry

Die nächsten Etappen waren weiterhin geprägt durch Flussquerungen und wir mussten einige trockene Tage abwarten, um diese sicher meistern zu können. Zudem wurden die Sandflies immer aufdringlicher und die meiste Zeit suchten wir am Abend Schutz in unseren Zelten, um nicht gänzlich von ihnen zerstochen zu werden. Es folgte eine schöne Landschaft nach der anderen und so tief im Backcountry stieß man nur selten auf andere Menschen. Meist waren es andere TA Hiker, die von Süd nach Nord liefen oder Jäger. Die Landschaft war geprägt von goldenen Tussock Hügeln, glasklaren Flüssen und endlosen Weiten. Genau so hatte ich es mir vorgestellt. Mit dem höchsten Punkt des Trails, dem Stag Saddle auf 1.925 m, erreichten wir ein weiteres Highlight. Wir hatten bestes Wetter und die Aussicht auf den in der Ferne liegenden blau leuchtenden Lake Tekapo war einfach nur atemberaubend. Einzig Mt. Aoraki, der höchste Berg Neuseelands, versteckte sich hinter ein paar Wolken. Dieser zeigte sich dann zum Glück noch in den nächsten Tagen, als wir entlang des Lake Pukakis eine weitere Fahrrad-Etappe auf dem Trail radelten.

Te Araroa Solo Wanderung zu Fuß durch Neuseeland Trail Family Camp Dinner

Von Otago bis Southland

Nach so viel Zeit im Backcountry und nur kleinen Orten zwischendrin erschlugen mich die vielen Menschen in Wanaka und Queenstown förmlich. Wir konnten es kaum erwarten, die Städte wieder hinter uns zu lassen und ins Backcountry zu verschwinden. Mittlerweile war uns aber egal, dass wir in unseren durchlöcherten Trailklamotten durch die Stadt liefen: Wir hatten sowieso keine anderen dabei und man erkannte uns Hiker immer sofort daran. Als wir Queenstown hinter uns ließen, schwang etwas Wehmut mit: Die letzten 300 km lagen vor uns und angeblich war nun der schönste Teil vorbei. Glücklicherweise liefen wir auch in den nächsten Tagen weiterhin durch schöne Natur, aber auch nervige Farmabschnitte und schlechte Trails kamen wieder dazu. Diese Abschnitte machten es uns besonders schwer, weiter zu laufen – an diesem Punkt waren wir alle müde. Die letzten Monate hatten uns viel abverlangt und auch mein Körper sagte mir, dass er nicht mehr wollte. Auf der anderen Seite wollte keiner von uns, dass dieses Abenteuer zu Ende geht. Irgendwie liebten wir dieses einfache Leben auf dem Trail, auf dem Rücken alles dabei, was wir zum Leben brauchten, die Zeit mit der Trail Family und den anderen Hikern. Wieder in unseren alten Alltag zurückzukehren war für uns noch unvorstellbar.

Es endet, wie es begann

Mit der Mt. Lintol Station, einer der größten Farmen der Südinsel, brachten wir den letzten großen Farmabschnitt hinter uns. Dann erreichten wir den berüchtigten Longwood Forest: Ein wunderschöner, mystisch wirkender Wald, mit moosbewachsenen Bäumen. Doch hier erreichte der Matsch noch einmal ein ganz neues Level: In den tiefsten Pools reichte er mir bis zur Hälfte des Oberschenkels und ich hatte Mühe, meine Schuhe nicht zu verlieren. Wir nahmen es mit Humor und freuten uns, schon ganz bald endlich mit dem Matsch abschließen zu können. Als wir in Colac Bay aufs Meer stießen, schien das Ende zum Greifen nah. Die nächsten beiden Tage führten uns am Strand entlang und wir fühlten uns an den Anfang, den Nintey Miles Beach, zurückversetzt. In Oreti Beach schlugen wir dann ein letztes Mal unser Zelt auf – unser letzter Abend auf dem Te Araroa. Nur noch 41 km trennten uns vom Stirling Point in Bluff.

Der letzte Tag

Auch der Regen am Morgen konnte uns die Laune nicht verderben. So nah am Ziel liefen sich die letzten Kilometer fast wie von selbst, auch wenn diese zum Großteil unspektakulär neben der Straße verliefen. Wir versuchten, jeden Moment zu genießen und als wir die Treppen vom Bluff Hill in Richtung Stirling Point abstiegen, fing mein Herz an zu pochen. Ein paar Freudentränen kullerten mir über die Wange und als ich dann das Schild erblickte, konnte ich nicht anders, als darauf los zu rennen. Einige der anderen Hiker, die an diesem Tag den Trail beendet hatten, sowie mein Partner und Freunde von mir erwarteten uns freudig am Schild. Zusammen mit meiner kleinen Trail Family Matt, Jono und Olli, mit denen ich die ganze Südinsel über zusammen war und auch einige Teil der Nordinsel bewältigt hatte, hatte ich es bis hierher geschafft. In 128 Tagen war ich 3.029 km von Cape Reinga bis nach Bluff gelaufen und konnten diesen Moment mit den Menschen teilen und zelebrieren, die mich einen großen Teil auf diesem Abenteuer begleitet hatten. Wir ließen die Champagnerkorken fliegen und fielen uns in die Arme. Das konnte uns jetzt keiner mehr nehmen.

Nachwort

Neuseeland der Länge nach auf dem Te Araroa entlang zu laufen war ein großes Abenteuer. Es hat viel Willenskraft gebraucht, um es bis zum Ende zu schaffen. Ich bin an viele Orte gekommen, die ich auf vorherigen Neuseelandreisen noch nie gesehen hatte. Ich war die meiste Zeit umgeben von wunderschöner Natur. Habe mich durch hunderte Flüsse und durch oft knietiefen Matsch gekämpft. Bin viele Kilometer an langweiligen Straßen entlang gelaufen oder habe mich durch zugewachsene Wege geschlagen. Doch was diesen Weg besonders gemacht hat, waren die Menschen. Die Menschen, die ebenfalls den Te Araroa oder Teile davon gelaufen sind und die tollen Begegnungen mit den Trail Angels und Menschen, die man entlang des Weges getroffen hat. Fremde Menschen, die ihr Zuhause für Wildfremde geöffnet haben. Menschen, die uns mit kleinen Gesten oder einem leckeren Essen den Tag versüßt haben. Genau diese Menschen haben Te Araroa so besonders gemacht.

Ihr wollt den Trail durch Melinas Augen sehen? Dann schaut euch ihren Film „The long pathway“ kostenfrei auf Youtube an!

Te Araroa Solo Wanderung zu Fuß durch Neuseeland Backpack

Habt ihr schon mal eine Fernwanderung gemeistert? Was waren eure größten Herausforderungen? Schreibt es in die Kommentare!

Über die Autor:in

Melina Keil

Melina ist selbständige Fotografin und liebt das Reisen. Am liebsten ist sie in der Natur auf mehrtägigen Wanderungen in Australien oder Neuseeland unterwegs.

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