
Mein Glück hat vier Pfoten – wie ich mit Tierschutzhund Ralfi über die Alpen wanderte
Ralfi und ich sind nun schon seit bald fünf Jahren ein eingespieltes Team – ob im Campervan, zu Fuß oder auf Ski in der Natur. 2023 wanderten wir in 50 Tagen über die Alpen, von München nach Verona, auf einer selbst geplanten Route durch meine Lieblingsgebirge. Diese Erfahrung war so besonders für mich, dass ich sie in einem Buch festgehalten habe. Mein Glück hat vier Pfoten ist seit dem 4. Juli beim Malik-Verlag erhältlich. In diesem Artikel möchte ich ein paar Leseeindrücke mit euch teilen.

Momente der Verbundenheit
Viele Menschen fragen mich nach den schönsten Momenten. Und nach all den geschriebenen Zeilen und reflektierten Erlebnissen kann ich sagen: Es waren die Momente der Verbundenheit, die sich mir ganz tief ins Herz eingeprägt haben. Die gemeinsam überwundenen Pässe, die zusammen erlebten Sonnenauf- und -untergänge – und vor allem die Gewissheit, dass wir zwei ganz unterschiedliche Wesen sind: Ralfi ein Hund, ich ein Mensch – und wir dennoch eine Einheit bilden und einen Weg gefunden haben, miteinander zu kommunizieren. Jeder Tag war geprägt von Aufbruch und Ankommen. Dazwischen wanderten wir durch atemberaubende Natur, begegneten Wild- und Weidetieren, freuten uns über jede Wasserquelle und genossen besonders die Pausen. Oft suchten wir uns ein schattiges Plätzchen, legten uns hin und spürten den Wind, der sanft über meine Haut und über Ralfis Fell strich. Insgesamt legten wir mehr als 500 Kilometer und gut 23.000 Höhenmeter zurück.

Mit Ralfi unterwegs
mein Weg zum Glück
Jetzt freue ich mich, mit euch ein paar Leseeindrücke aus meinem Buch Mein Glück hat vier Pfoten zu teilen.
Das Buch ist ein Erlebnisbericht – ergänzt durch viele praktische Tipps zum Wandern mit Hund: zur Ausrüstung, Erster Hilfe, dem Umgang mit Wild- und Weidetieren, zum Wandern allein als Frau – und auch dazu, wie die Adoption eines Hundes im Ausland funktioniert. Denn Ralfi habe ich im Herbst 2020 in einem Tierheim in Portugal adoptiert. Rückblickend war das die beste Entscheidung meines Lebens. Ich kann immer nur wieder betonen, welche Schätze sich in Tierheimen verbergen.
Mein persönliches Fazit: Unsere Alpenüberquerung hat meinem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein einen riesigen Schub verliehen. Mit meinem Buch und meinen Vorträgen möchte ich auch deswegen Frauen dazu inspirieren, auch einfach mal loszuziehen – mit oder ohne Hund. Traut euch!


[Buchauszug]
Wie alles begann
November 2020, Portugal
»Mehr als 800 Hunde leben hier im Tierheim, und ich gehe jetzt mit diesem einen spazieren. Soweit sich seine Geschichte nachvollziehen lässt, wurde er als Welpe ausgesetzt und landete in einer Tötungsstation, aus der ihn das Tierheimteam etwa im Alter von sieben Monaten gerettet hat. Angeblich gab es für Ralf in den drei Monaten, die er hier ist, noch keinen einzigen Interessenten. Verbunden durch eine hellgrüne Leine verlassen wir das Gelände und spazieren einen Feldweg entlang. Er zieht, hat einen starken Drang nach vorne – was für mich als aktiven Menschen durchaus ein Pluspunkt ist. Trotzdem strahlt er eine Ruhe aus, wie ich sie bei jungen Hunden selten erlebt habe. Wer weiß, was er schon alles durchgemacht hat, denke ich bei mir.
Nach ein paar Hundert Metern setze ich mich auf einen Grasstreifen am Straßenrand, um auf Augenhöhe mit ihm zu sein. Geduldig kommt er zu mir, schmiegt sich sanft an mich, ohne sich aufzudrängen. Seine Ohren sind stets in Radarstellung, während er die Umgebung scannt. Ich mache ein paar Selfies von uns und schicke sie an meine Eltern. Als ich die Bilder anschaue, bin ich überrascht: Seine Fellfarbe und meine Haarfarbe schimmern in der Abendsonne fast identisch. Man sagt ja, Hund und Frauchen gleichen sich über die Zeit an. Bei uns scheint dieser Prozess schon beim ersten Treffen abgeschlossen zu sein.«

[Buchauszug]
Vom Traum zum Plan
Mai 2023, etwa vier Monate vor dem Start der Alpenüberquerung
»Schon damals war mir klar, dass ich die Berge als Resonanzraum brauche. Tagelanges Gehen in der Ebene würde mir wahrscheinlich nicht die gleiche Erfüllung bringen, weil mich vor allem die Berge auch mental herausfordern. Erst ihre Ausgesetztheit, Rauheit, Wildheit und Gnadenlosigkeit bringen mich an meine Grenzen, halten mir vor Augen, wozu ich wirklich in der Lage bin, und lassen mich an den Herausforderungen wachsen. Gleichzeitig schenken sie so viele liebliche und unvergessliche Momente: ein Edelweiß am Wegesrand, Gipfel, die sich im Bergsee spiegeln, ein Sonnenuntergang, der Ralfis hellrotes Fell zum Leuchten bringt, ein Regenbogen nach einem heftigen Gewitter.«

Die Schönheit der Natur in all ihren Facetten hat mich schon immer überwältigt – als Kind im Thüringer Wald und nun als Erwachsene in den Alpen. Wochenlang nur in den Bergen zu sein – nichts könnte mich glücklicher machen. Und das mit Ralfi als meinem unerschrockenen Partner an meiner Seite.
[Buchauszug]
Alpenglühen am Habicht
1. September, von der Innsbrucker Hütte zur Gschnitzer Tribulaunhütte
»Kurz nehme ich mein iPad zur Hand und rufe meinen Reader auf, doch meine Gedanken schweifen ab und mit ihnen mein Blick. Erst dann fällt er mir ins Auge, dieser herrliche Berg, ganz frei von Nebel, in ein zartes Rosa getaucht: der Habicht, die höchste Erhebung des gleichnamigen Gebirgskammes. Wieder so ein Moment, der zu schön ist, um wahr zu sein. Mit der untergehenden Sonne beginnt der gewaltige Felsriegel immer mehr dunkelrot-orange zu leuchten. Über ihm türmen sich dramatisch dunkle Wolken auf. Ganz da drüben, auf der anderen Seite, sehe ich die Innsbrucker Hütte.
Zum ersten Mal auf unserer Tour wird mir bewusst, welche Strecken wir so am Tag zurücklegen. Manchmal beschleicht mich noch das Gefühl, dass das, was wir hier machen, zu mickrig ist. »Was für ein Quatsch, stimmt’s, Ralfi?«, sage ich. Warum setze ich mich immer so unter Druck, etwas ganz Besonderes leisten zu müssen? Dabei ist dieser Moment hier doch schon so gigantisch. Jeden Meter zu unserem Ziel erarbeiten wir uns selbst oder finden einen geeigneten Weg. Mit diesen Gedanken lege ich meine Zweifel hoffentlich für den Rest der Tour beiseite. Diese Alpenüberquerung, die macht etwas mit mir. Ich spüre, dass sie weit über diese Tage hinaus mein Leben beeinflussen wird.«

[Buchauszug]
Ein Hauch von Bergmagie
4. September, von Freienfeld nach Vals
»Wir steigen durch einen Wald auf, und manchmal packt es Ralfi einfach. Er schnuppert an einem mit alten Nadeln bedeckten Erdhang und fängt plötzlich wie wild an zu buddeln. Wenn seine Krallen auf Wurzeln stoßen, reißt er sie unwirsch mit den Zähnen heraus. Ich lasse ihn kurz gewähren, breche dann aber ab, schließlich muss er hier nicht den ganzen Wald umgraben. Und woher nimmt er eigentlich diese Energie? Wenig später bellt er auf einmal. »Ralfi, was soll das?«, sage ich genervt und suche mit dem Blick den Wald ab. Meine Augen spielen mir kurz einen Streich und identifizieren zwischen den Bäumen zwei Braunbären.
Mein Puls schießt nach oben, Ralfi zerrt an der Leine, ich schüttle ungläubig den Kopf, dann schaue ich noch mal rüber. Nun gut, da hat sich wohl jemand einen Scherz erlaubt. Die Bären sind nicht echt, sondern aus Holz, logisch. Durch den Wald verläuft ein Kinderlehrpfad, wie ich jetzt realisiere, und dazu gehören natürlich auch Bären als Waldbewohner. Wir beruhigen uns wieder, aber das Erlebnis hallt noch etwas in mir nach, weil eine tatsächliche Begegnung wahrscheinlich in etwa so ablaufen würde. Ein Bär taucht auf, Ralfi dreht durch, und ich, die größte Angsthäsin auf der Welt, muss innerhalb von Millisekunden richtig handeln. Aus meiner Sicht bleibt mir nur Prävention: Immer schön laut sein. Menschengruppen sind jedenfalls viel weniger gefährdet, weil sich die Menschen unterhalten, also Lärm machen, und vom Bären als zu gefährlich für einen Angriff eingeschätzt werden. Aber wir sind allein.«



[Buchauszug]
Froschlos glücklich
29. September, von Pergine nach Levico Terme
»Nach etwa der Hälfte der Strecke biegen wir in einen Wald ab, durch den wir nun direkt zum See gelangen. Das türkisfarbene Wasser blitzt durch die Laubbäume am Ufer, und ich traue meinen Augen kaum: Kann das wirklich wahr sein? Es sieht aus wie in einem Märchen, passt also perfekt zu unserer Nacht in der Burg. Jetzt muss nur noch der verwunschene Frosch vor meine Füße hüpfen, und mein Schicksal ist besiegelt. »Horrorvorstellung«, sage ich laut und muss lachen. Ralfi guckt zu mir zurück und wundert sich, geht dann aber weiter. Er riecht das Wasser, sein liebstes Element zum Spielen. Als wir am Ufer ankommen, zeigt sich uns der See in seiner ganzen Pracht. Er ist hier am Nordufer noch recht schmal, wird aber gen Süden breiter. Auf der Karte ähnelt seine Form einer lang gezogenen Birne.
Da sehe ich auch, dass sich im Westen hinter dem Bergrücken ein weitaus größerer See befindet, der Lago di Caldonazzo – der aber im Vergleich zum Gardasee immer noch klein ist. Leider kann ich darauf keinen Blick erhaschen. Wir setzen uns auf einen flachen Stein am Ufer. Ralfi darf im seichten und klaren Wasser spielen. Er wühlt wie wild und macht mich ganz nass. »Hey Ralfi, pass mal auf«, sage ich und lache. Erst sind wir allein, aber dann kommen zwei Familien dazu, die ihr Auto am angrenzenden Parkplatz abgestellt haben. Irgendwie wird es mir jetzt doch zu ungemütlich.
Wenn du Orte, die du allein von der Karte kennst, plötzlich vor Augen hast, ist das eine besondere Erfahrung

Wir gehen weiter entlang des Sees nach Levico Terme, dem Ort am Südufer des Sees, gelegen in einer Höhe von 520 Metern. Er ist mit seinen Heilquellen und Thermalbädern als Kurort bekannt und war vor allem im 19. Jahrhundert während der Habsburgerzeit bei der österreichisch-ungarischen Aristokratie äußerst beliebt. Über den See kommen zwei Stand-up-Paddler heran, und durch das grüne Blätterdach auf dem dunkeltürkisfarbenen Wasser bietet sich mir eine Szenerie wie aus einem Werbeprospekt. Solch schöne Aussichten habe ich hier nicht erwartet, und ich freue mich, dass die Tour manch Überraschung bereithält. Wenn du Orte, die du allein von der Karte kennst, plötzlich vor Augen hast, ist das eine besondere Erfahrung – zumal es sich bei diesen hier nicht um Insta-Hotspots handelt. Ein wenig fühle ich mich wie eine Entdeckerin, mit meinem liebsten Begleiter Ralfi.«
Sehnsuchtsziel Alpen
So eine Alpenüberquerung verändert etwas in einem. In mir hat sie den tiefen Wunsch entfacht, immer wieder zu langen Wanderungen mit Hund aufzubrechen. So wie auch in diesem Jahr: Im August durchqueren wir die Schweiz von Ost nach West auf der Via Alpina. Ich freue mich, wenn ihr uns auf Instagram begleitet – dort berichte ich täglich von unserer Wanderung.

Habt ihr auch schon mal eine längere Tour mit eurem vierbeinigen Begleiter gemacht oder habt es vor? Schreibt eure Erfahrungen, Zweifel oder Fragen in die Kommentare und tauscht euch aus!
Wenn ihr euch für noch mehr spannende Reiseberichte von Abenteuern mit Hund interessiert, dann lest auch Dannys Artikel über ihre Tour du Mont Blanc mit Hund.
Nadine, was für schöne Zeilen, die große Lust auf dein Buch machen. Danke für‘s Teilen. Ein paar Fragen: Wie hast du das mit dem Hundefutter gemacht? Wie viel hattest du dabei? Und wie läuft erste Hilfe für den Hund? Kann man da auch Rettung rufen oder ist das nur für uns Menschen vorbehalten?
Dein Artikel macht echt Lust auf eine Alpentour mit Hund! Hast du einen Lieblingsabschnitt der Route, den du anderen Wanderern mit Hund empfehlen würdest?
Liebe Klara, danke für deinen Kommentar und dein Interesse! Während der Alpenüberquerung hat Ralfi noch ein Futter gefressen, das wir überall in Europa nachkaufen konnten. Somit habe ich immer etappenweise das Futter abgemessen und mitgetragen, und dann wieder aufgefüllt, als wir an einem Supermarkt vorbeikamen. Das muss man natürlich alles gut planen, damit man nicht am Ende ohne Futter dasteht. Falls es doch mal knapp wird, kannst du auch ungesalzene Nudeln oder Kartoffeln zufüttern, einfach auf der Hütte erfragen. Unbedingt darauf achten, dass sie ungesalzen sind! Im August wandern wir die Via Alpina in der Schweiz und dieses Mal ist Ralfis neues Futter nicht im Einzelhandel erhältlich. Das heißt: Wir schicken voraus. In dem Fall errechnet man den Gesamtenergiebedarf des Hundes bei Belastung und weiß dann, wie viel man in etwa benötigt, da am besten noch 20 Prozent aufschlagen und das Futter vorausschicken, zB an eine vorgebuchte Unterkunft. Für die Erste Hilfe am Hund empfehle ich einen extra Kurs, am besten mal googeln und ein Angebot in deiner Nähe in Anspruch nehmen. Der Deutsche Alpenverein bietet eine Hundebergeversicherung an. Schau gern mal hier nach: https://www.alpenverein.de/verband/services/versicherungen-im-dav/hundebergungsversicherung Ganz viel Spaß auf deiner Wanderung! In meinem Buch Mein Glück hat vier Pfoten erfährst du auch noch viel Wissenswertes zum Thema Wandern mit Hund. Du kannst mir auch gerne auf Insta folgen: @nadineausnahme Liebe Grüße, Ralfi&Nadine