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Female Explorer Rideout in der Sächsischen Schweiz – Was braucht es für einen „echten“ Social Ride?


Leonore HerzogText / Fotos

Drei Tage selfsupported Bikepacking in der Sächsischen Schweiz und Temperaturen von bis zu 39 Grad – also genau die Bedingungen, unter denen ein gemeinsames Abenteuer schnell zur Herausforderung wird. Im Raum stand dabei eine klare Frage: Wie fühlt sich ein echter Social Ride an? Und wie gelingt es, dass sich jede:r als Teil der Gruppe fühlt – unabhängig von Erfahrung, Equipment, Selbstbild und den Herausforderungen vor Ort. Gemeinsam mit Fjällräven und der HOJA Bike Kollektion als Teil des Setups haben wir genau das ausprobiert – und den Rahmen geschaffen, in dem dieses Verständnis von gemeinsamem Unterwegssein überhaupt möglich wird.

Was einfach klingt, ist in der Realität alles andere als selbstverständlich. Ich fahre jetzt seit über vier Jahren Rad. In dieser Zeit habe ich viele unterschiedliche Bike-Formate erlebt: Feierabendrunden, Wochenend-Trips, mehrtägige Rallys. Events, die sich alle eines auf die Fahne geschrieben haben – Gemeinschaft. Genau das war es auch, was mich von Anfang an angezogen hat. Und trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass in dieser Bikebubble etwas fehlt. Es waren nicht die Strecken, nicht die Höhenmeter, nicht die Organisation – und auch nicht die Menschen oder der Support innerhalb der Gruppe. Im Gegenteil: Ich habe in den letzten Jahren unglaublich viele tolle Personen kennengelernt. Gefehlt hat mir etwas Grundsätzlicheres. Ein anderes Verständnis davon, was es bedeutet, gemeinsam unterwegs zu sein und wirklich ein Team zu bilden. Ich habe mich gesehnt danach, dass der Fokus auf der Gruppe und ihren Bedürfnissen liegt.

Es ging um dieses Gefühl von Zugehörigkeit. Nicht darum, sein eigenes Ding durchzuziehen, sondern wirklich gemeinsam unterwegs zu sein, Zeit miteinander zu verbringen – und um die Idee, dass eine Tour nur dann wirklich „geschafft“ ist, wenn wir auch gemeinsam ankommen, ohne uns unterwegs zu verlieren.

Bei einem Rideout vom Gravity Festival habe ich genau dieses Gefühl zum ersten Mal erlebt. Und plötzlich hatte das, wonach ich so lange gesucht habe, einen Namen: Social Ride. An diesem Punkt war mir sofort klar, dass ich mit unserem The Female Explorer Rideout etwas ähnliches gestalten wollte. Ein hürdenarmes Format bei dem nicht schon vorab entschieden wird, ob man basierend auf seinen Erfahrung, dem „richtigen“ Setup oder einem bestimmten Look dazugehört oder nicht.

Was bedeutet „Social Ride“ wirklich?

Nachdem mir klar geworden ist, was ich eigentlich suche, stand die nächste Frage im Raum: Was macht einen Social Ride wirklich aus – und wie lässt sich dieses Gefühl bewusst gestalten? Denn in der Theorie klingt es erst einmal einfach: gemeinsam in einer Gruppe losfahren. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, wie unterschiedlich dieses „gemeinsam“ aussehen kann. Ich musste lernen: Nur weil „Social Ride“ draufsteht, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich auch so anfühlt. Oft zieht sich die Gruppe schon nach kurzer Zeit auseinander, jede Person fährt ihr eigenes Tempo, und man begegnet sich zwar immer wieder – erlebt die Strecke aber nicht wirklich im Miteinander.

Für mich bedeutet ein Social Ride vor allem, dass die Gruppe nicht nur Teil des Formats ist, sondern dessen Mittelpunkt. Dass Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden, sondern immer im Kontext der Gruppe entstehen. Und dass es nicht darum geht, eine Strecke möglichst effizient zu bewältigen, sondern darum, sie gemeinsam zu erleben.

Konkret heißt das:

Social Ride – 7 Prinzipien,
die für uns zählen

  1. No Drop – wir fahren als Gruppe
    Wir orientieren uns am langsamsten Tempo – nicht am schnellsten. Das bedeutet auch: Das Grundtempo wird so gewählt, dass es sich für alle dauerhaft fahren lässt – nicht erst angepasst, wenn jemand zurückfällt.
  2. Stay connected – wir verlieren uns nicht
    Wir bleiben im Austausch und achten aktiv aufeinander. Eine Person fährt vorne und gibt das Tempo vor, eine hinten behält die Gruppe im Blick – kontinuierliche Kommunikation ist der Schlüssel.
  3. Adapt the ride – nicht stur dem Track folgen
    Wir passen die Route und den Ablauf flexibel an, wenn es für die Gruppe sinnvoll ist – egal ob durch Wetter, Energielevel oder äußere Bedingungen.
  4. Breaks, breaks, breaks
    Pausen sind Teil des Rides. Wir warten regelmäßig aufeinander und sorgen bewusst dafür, dass die Gruppe zusammenbleibt – ohne dass Druck entsteht, „mithalten zu müssen“.
  5. Check-Ins rule
    Wir fordern aktiv Feedback ein (z. B. über Check-ins mit Handzeichen) und machen von Anfang an klar, dass es kein „durchziehen müssen“ gibt – sondern die Einladung, ehrlich zu sagen, wenn das Tempo nicht passt oder eine Pause gebraucht wird.
  6. No proving, just riding – jede:r gehört dazu
    Jede Person gehört dazu, unabhängig von Erfahrung, Equipement, Style oder Level. Zugehörigkeit muss nicht „erarbeitet“ werden.

Warum viele Social Rides an der Pace scheitern

Viele Gruppen denken: „Wir warten ja zwischendurch, also ist es automatisch ein Social Ride“. Aber das reicht nicht. Denn wenn die Grundgeschwindigkeit zu hoch ist, bringt Warten nichts. Die langsameren Personen fahren permanent am Limit und verlieren genau das, worum es beim Social Ride gehen sollte: Leichtigkeit, Gespräche, Flow. Das wird auch in klassischen Group Ride Konzepten deutlich. Bei sogenannten „No Drop Rides“ heißt es zwar, dass niemand zurückgelassen wird – aber wirklich sozial wird es erst, wenn sich die Gruppe aktiv am langsamsten Tempo orientiert. In echten Social Rides wird die Geschwindigkeit bewusst so gewählt, dass alle sie dauerhaft fahren können.

Ein Social Ride bedeutet nicht, dass wir warten, wenn jemand zurückfällt. Es bedeutet, dass wir so fahren, dass niemand überhaupt zurückfallen muss.

Damit diese Prinzipien nicht nur Theorie bleiben, war für uns von Anfang an klar:
Ein Social Ride funktioniert nur, wenn wir ehrlich miteinander sind. Deshalb haben wir schon vor dem Start offen kommuniziert, wie wir gemeinsam unterwegs sein wollen und dass es essentiell ist, dass sich alle einbringen. Mit genau diesem Verständnis von Social Ride, Pace und Kommunikation sind wir in den Female Explorer Rideout in der Sächsischen Schweiz gestartet.

Bikepacking Setup & Equipment
Hoja Bike Kollektion von Fjällräven

Genau hier wird auch das Thema Equipment plötzlich relevant. Denn wenn wir davon sprechen, Hürden möglichst niedrig zu halten, gehört dazu nicht nur die Frage nach Erfahrung oder Selbstvertrauen – sondern ganz konkret auch, ob überhaupt das passende Setup vorhanden ist.

Nicht jede bringt ein komplettes Bikepacking-Setup mit. Und genau das sollte kein Ausschlusskriterium sein. Deshalb haben wir bewusst mit einem Partner gearbeitet, der unsere Haltung von Gemeinschaft, Abenteuer und Zugehörigkeit teilt – und gleichzeitig ermöglicht, dass Teilnahme nicht am Equipment scheitert.

Gemeinsam mit Fjällräven wurde die HOJA Bike Kollektion Teil des Rides. Alle Teilnehmer:innen konnten so Bikepacking-Taschen direkt im Einsatz testen – ohne vorher ein eigenes Setup besitzen zu müssen. Das hat spürbar Druck rausgenommen. Und gleichzeitig gezeigt, wie sehr funktionales Gear unterstützen kann.

HOJA Bike Kollektion gemacht für mehrtägige selfsupported Rides

  • Bikepacking statt Race-Fokus: Entwickelt für längere Touren, nicht für maximale Geschwindigkeit
  • Selfsupported ready: Taschen- und Kleidungssysteme unterstützen eigenständiges Unterwegssein
  • Zugänglich gedacht: Funktional und verständlich, auch für Einsteiger:innen gedacht
  • Outdoor-DNA: Verbindet Radfahren mit klassischer Outdoor-Ausrüstung
  • Praktisch im Alltag des Rides: Weniger Nachdenken über Gear – mehr Fokus auf das gemeinsame Erlebnis

Beim Bike-Equipment, ist ein großes Thema die Zugänglichkeit unterwegs. Dinge müssen schnell erreichbar sein, ohne dass man ständig stehen bleiben muss und den Flow verliert. Genau da haben die Handlebar Rolltop mit dazugehörigem Handlebar Rack richtig gut funktioniert – stabil montiert, hat nichts gewackelt oder auf dem Reifen geschliffen und man kommt einfach schnell an seine Sachen. Auch die Snack Bag war ständig im Einsatz und hat es uns ermöglicht, immer versorgt zu sein mit dem Wichtigsten: Wasser & Snacks.

Genauso ist die Praktikabilität im Setup. Gerade bei mehreren Tagen merkt man schnell, ob etwas nervt oder einfach läuft. Das Seatbag Harness mit dem herausnehmbaren Packsack war dafür ein gutes Beispiel – kein Gefummel, kein komplettes Ab- und Anbauen, sondern unkompliziert rausnehmen und fertig. Auch die Triangle Framebag war ein Highlight – gerade für kleinere Rahmen sinnvoll, wo Platz sonst schnell zum Problem wird.

Und dann geht es am Ende vor allem um Komfort über mehrere Tage. Die Bib ist bequem, ohne einzuengen, mit praktischen Taschen, Reflektorstreifen und einem Trägersystem, das Pipi-Pausen unkompliziert macht. Die Entscheidung Fjällrävens gegen klassische Trikots und für Merinoshirts hat sich als total sinnvoll erwiesen – gerade an diesem Hitzewochenende – die Funktion bei viel Schwitzen ist einfach unschlagbar und man kann das Shirt am nächsten Tag noch einmal nutzen.

Und genau mit diesem Setup sind wir am nächsten Morgen ins gemeinsame Bikepacking-Abenteuer gestartet.

Bikepacking Sächsische Schweiz

Tag 1: Ankommen & Setup
Königstein

Der erste Tag stand ganz im Zeichen des Ankommens: Zelte aufbauen, im eigenen Setup ankommen, erste Gespräche auf der Terrasse und das Kennenlernen in der Gruppe. Der Treffpunkt war der Campingplatz am Treidlerweg in Königstein – direkt an der Elbe, mit Blick auf den Lilienstein. Beim gemeinsamen Abendessen wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangspunkte waren.

Nach der Begrüßung ging es dann in die Ausgabe des Testequipments, die Vorstellung der HOJA Bike Kollektion von Fjällräven und die Frage: Wie packe ich eigentlich richtig? Wir haben verschiedene Setups gezeigt, das Rack live montiert und erklärt, wie die Taschen am Bike sitzen und wie man sie sinnvoll nutzt.

Ein kleines Highlight war die Ausgabe der Goodie Bags für die Teilnehmer:innen mit richtig hochwertigen Produkten. Fjällräven hat einen draufgelegt mit Bikecap, Shirt und Snack Bag. Dazu kam die passende Verpflegung von Maurten mit Riegeln, Gels und Drink Mix sowie Cycling-Kompressionssocken von STOX – alles gedacht für längere Tage im Sattel und direkt für unseren bevorstehenden Rideout einsetzbar.
Mit Zeit zum Ankommen, einem Sprung in die Elbe und ganz viel Packen ging der Abend schließlich entspannt zu Ende.

Königstein ›
Rathen ›
Bad Schandau

Dauer2 Tage Streckeca. 100 km (Short Version: 60 km) Höhenmeter1650 hm (Short Version: 850 hm

Tag 2: Wenn Planung auf Realität trifft
Bad Schandau – Rathewald –Wehlen – Rathen

Am zweiten Tag ging es dann endlich gemeinsam aufs Rad. Doch schon am Morgen war klar, dass wir unseren Streckenplan unter den Bedingungen über den Haufen werfen müssen. Mit Temperaturen bis zu 39 Grad war schnell spürbar: Das wird kein normaler Ride. Genau hier hat sich gezeigt, wie viel unser Anspruch an Social Ride wirklich trägt. So haben wir uns in der Gruppe bewusst für einen Shortcut entschieden. Aus den geplanten 50 Kilometern wurde ein Shortcut mit 35,4 km und 510 Höhenmetern.

Die Strecke führte uns von Bad Schandau über Rathewalde und Wehlen bis nach Rathen teils entlang der Elbe, teils durch schattige Wälder immer wieder mit Blick auf die Felslandschaft der Sächsischen Schweiz. DIe Highlights der Etappe waren die Fahrt durch den schattig, felsigen Zscherregrund, die Fährüberfahrt über die Elbe und die Ausblicke Richtung Basteibrücke.

Gerade bei den Temperaturen wurde deutlich, wie wichtig die kleinen Dinge sind: kalte Getränke, Schatten und Dips in die Elbe. Ein Eis-Stopp durfte dabei natürlich nicht fehlen – die „Eisraupe“ in der Hocksteinschänke ist sehr zu empfehlen. Das Ziel des Tages war das Hinterland Hostel, mit seiner entspannten Atmosphäre genau der richtige Ort, um bei Pizza und Gesprächen den Abend zu verbringen – bevor es mit dem Trail Mechanics Workshop von Paulin vom Gay Cyling Club nochmal praxisnah um Bike Basics und Sicherheit unterwegs ging.

Tag 3: Wenn die Gruppe trägt
Rathen – Cunnersdorf – Krippen – Königstein

Tag 3 startete früh – einfach, um der Hitze ein Stück voraus zu sein. Auch hier blieb es nicht beim ursprünglichen Plan. Aus dem geplanten Shortcut wurde ein „Shorter Cut“: mit 25,3 km und 330 Höhenmetern stand. Die Strecke führte südlich der Elbe zurück Richtung Königstein, vorbei an der Festung und durch das Naturschutzgebiet rund um den Pfaffenstein.

Was sich zum Vortrag verfestigt hatte, war vor allem die Dynamik in der Gruppe. Wir waren fast schon eingespielt – und hatten richtig viel Spaß. Anstiege wurden mit Musik als Motivation gefahren, es wurde gesungen und stellenweise sogar auf dem Bike „getanzt“. Selbst ein platter Reifen hat die Stimmung nicht gekippt – im Gegenteil: alle wollten helfen. Der Abschluss hätte kaum besser passen können im Landgasthaus Ziegelscheune. Kühle Getränke, gutes Essen, sitzen an der Elbe mit Blick auf die Felsen – in dieser Runde, die sich innerhalb der kurzen Zeit einfach vertraut angefühlt hat.

Social Ride
Wenn aus einer Gruppe ein Team wird

Durch das Feedback in der Abschlussrunde wurde dann nochmal greifbar, dass es nicht nur mein Eindruck war – sondern dass die Gruppe selbst gespürt hat, was wir erreicht haben. Der Support bei diesem Rideout untereinander war deutlich spürbar. Die Gruppe hat sich nie Gruppe verloren.Was ich dabei besonders bemerkenswert fand: Viele haben sich proaktiv eingebracht, Aufgaben haben sich ganz natürlich in der Gruppe verteilt. Das „Schlusslicht“ wurde übernommen, Check-ins wurden eingefordert und moderiert, alternative Einkehrmöglichkeiten organisiert und bei Anstiegen wurde sich gegenseitig unterstützt.

Trotz der Hitze und der besonderen Bedingungen – oder vielleicht auch gerade deshalb – ist in dieser kurzen Zeit ein echtes Team entstanden. Eine Gruppe, die ein gemeinsames Ziel verfolgt und dieses auch gemeinsam „erarbeitet“. Umso schöner, dass es bei diesem Ziel nicht um Leistung ging, sondern darum, eine gute Zeit draußen zu verbringen, den Umständen zu trotzen und gemeinsam anzukommen. Für mich hätte es genauso noch lange weitergehen können.

Wie habt ihr Social Rides bisher erlebt – und hattet ihr dabei das Gefühl dazuzugehören? Was braucht es aus eurer Sicht dafür?

Über die Autor:in

Leonore Herzog

Als Director of Photography hat Leo beim Female Explorer meist die Kamera in der Hand, leitet die Bildredaktion und das Creators Programm, bei dem Content Creatoren für The Female Explorer unterwegs sind. Selbst ist sie gern per Gravelbike auf wilden Abenteuern unterwegs oder entdeckt die Welt mit ihrer kleinen Familie, am liebsten im Camper.

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