
Community Story
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Radtour am Rhein-Rhône-Kanal auf dem EuroVelo 6 und 17
Als ich letzten Sommer mit einer Freundin meine erste lange Radtour von Karlsruhe nach Aix-en-Provence entlang des Rhein-Rhône-Kanals auf dem Euro-Velo 6 und 17 plane, ahne ich noch nicht, dass diese Art des Reisens zu meiner neuen Passion werden würde. Bei dieser Route kommt man nicht umhin, das Radfahren lieben zu lernen. Gut ausgeschildert führt sie einen auf bequemen Radwegen immer am Rhein-Rhône-Kanal entlang durch wunderschöne Natur, malerische Dörfchen und sehenswerte Städte. Dabei verspricht sie die perfekte Balance zwischen Bewegung, Abenteuer und „die-Seele-baumeln-lassen“.

Eine längere Radtour stand schon seit einiger Zeit auf meiner Bucket-List und viel Bewegung an der frischen Luft klang nach genau der Art von Erholung, die ich nach einem stressigen Semester dringend brauchte.
Karlsruhe ›
Aix-en-Provence
Neues wagen
Als meine Freundin Greta mir letzten Sommer erzählt, dass sie mit dem Fahrrad nach Aix-en-Provence fahren will und auf der Suche nach einer Reisebegleitung ist, bin ich direkt Feuer und Flamme. Eine längere Radtour steht schon seit einiger Zeit auf meiner Bucket-List und viel Bewegung an der frischen Luft klingt für mich gerade nach genau der Art von Erholung, die ich nach einem stressigen Semester dringend brauche.
Also planen wir auf Komoot unsere Radtour entlang des Rhein-Rhône-Kanals von Karlsruhe nach Aix-en-Provence und packen unsere Satteltaschen. Die Abenteuerlust steigt, aber mit ihr auch die Zweifel, ob ich mich mit diesem Vorhaben übernehme – denn ich habe lange keine größere Tour mehr gemacht und keine Vorstellung davon, wie es um meine Ausdauer steht.
Auf nach Frankreich!



Los geht es Mitte August in Karlsruhe bei strahlendem Sonnenschein. Erst ein kleines Stück durch den Wald und dann immer am Rhein entlang. Dieser bietet zahlreiche Möglichkeiten für eine Erfrischung und schon bald legen wir eine kurze Pause ein, um ins kühle Wasser zu springen. Trocken gesonnt geht es weiter. Irgendwann führt uns unser Weg über eine Brücke und auf der anderen Seite angekommen befinden wir uns auch schon in Frankreich!
Der Tag vergeht wie im Flug und abends schlagen wir glücklich und erschöpft unser Zelt auf und kochen Abendessen. Währenddessen ziehen sich die Wolken am Himmel immer weiter zu und vertreiben die heitere Stimmung des sonnigen Tages. In diesem Moment sind wir beide froh, zu zweit zu sein, alleine hätte wir in dieser Situation wahrscheinlich ein mulmiges Gefühl gehabt. Wir machen uns auf eine regnerische Nacht gefasst.
Dauerregen und Baumhaus-Highlight
Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist unser Zelt von Nacktschnecken belagert. Schnell packen wir zusammen und schwingen uns auf die Räder, die wir an diesem Tag höchstens für eine kurze Snackpause verlassen, denn es regnet den ganzen Tag in Strömen. So durchnässt, wie wir irgendwann sind, müssen wir uns durch Bewegung warm halten, um nicht völlig durchzufrieren. Heute bin ich heilfroh, meine Regenjacke trotz der guten Wettervorhersage eingepackt zu haben!
Ein paar Mal werden wir von anderen Fahrradfahrenden angefeuert, was uns jedes Mal neue Motivation gibt und ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Unser Weg führt uns mittlerweile immer am Rhein-Rôhne-Kanal entlang und ist selbst im strömenden Regen wunderschön. Unter den Brücken, die sich in regelmäßigen Abständen über den Kanal beugen, pausieren nicht selten andere Fahrradfahrende, die sich eine Auszeit vom Regen nehmen. Ein paar Mal werden wir von ihnen angefeuert, was uns jedes Mal neue Motivation gibt und ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Um uns einen Lichtblick zu geben, beschließen wir, für die Nacht ein Baumhaus auf einem Campingplatz zu buchen. Das bedeutet zwar 97 km Strecke, aber die Aussicht auf eine trockene Nacht ist Motivation genug und wir ziehen durch. Erschöpft und stolz kommen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit an und werden für unser Durchhaltevermögen belohnt: Der Campingplatz ist eine kleine Idylle und wir genießen den Komfort einer warmen Dusche und einer richtigen Matratze.
Sonne, Doubs-Tal und EuroVelo 6
Ausgeruht und trocken geht es am nächsten Tag weiter – diesmal wieder mit viel Sonne! Immer am Rhein-Rhône-Kanal entlang genießen wir den bequemen und gut ausgeschilderten EuroVelo 6. Über Mulhouse und Dannemarie erreichen wir am fünften Tag das charmante Städtchen Besançon. Vor der Kirche Saint-Pierre im Stadtzentrum picknicken wir in der Sonne und kaufen Postkarten. Danach geht es weiter durch das bezaubernde Doubs-Tal, welches, rechts und links von Felsen und kleinen Dörfchen geschmückt, zu den Highlights der Tour gehört.
Good To Know
EuroVelo 6
Der EuroVelo 6 ist einer von 19 europäischen Radfernwegen des EuroVelo-Netzwerks, die Europa auf über 90.000 Kilometern Länge durchqueren und verbinden. Um nach Aix-en-Provence zu gelangen, sind wir ab Lyon weiter auf dem EuroVelo 17 gefahren.




Abends übernachten wir direkt am EuroVelo 6 auf einem kleinen, aber feinen „Camping Municipal“. Die kommunalen Campingplätze sind um einiges günstiger als private und bieten alles, was man für eine Nacht braucht. Beim Frühstück am nächsten Morgen kommen wir mit unseren Nachbarinnen – auch zwei Freundinnen auf Radtour – ins Gespräch und tauschen Radtour-Tips aus. Ich notiere mir: nächstes Mal unbedingt warme Unterwäsche und eine Mütze für die Nacht mitnehmen. Denn trotz der wirklich hohen Temperaturen und Sonnenbrandgefahr am Tag können die Nächte ganz schön eisig sein.
Lyon und heftiger Gegenwind
Immer am Rhein-Rhône-Kanal und der Saône entlang erreichen wir am siebten Tag Lyon. Auf dem Weg dorthin haben wir den ganzen Vormittag bereits heftigen Gegenwind, der uns kaum vorwärts kommen lässt und uns den Dreck in die Augen weht, so dass wir kaum etwas sehen. Nächstes Mal besorge ich mir eine Fahrradbrille, denke ich.
Bei Trévoux legen wir eine Pause im „La Roue Libre“ ein, einem schnuckeligen Café direkt am Fluss mit Fahrradwerkstatt. Gestärkt geht es danach weiter, bis wir schließlich, aufgrund des nicht nachlassenden Gegenwinds, erschöpft und genervt in Lyon ankommen. Bei einer kurzen Internetrecherche erfahren wir, dass der Weg aus Lyon heraus erst einmal an der Autobahn entlangführt und laut den Erfahrungsberichten anderer Radfahrenden wohl nicht ganz ungefährlich ist. Also beschließen wir, ein Stück mit dem Zug zu fahren. So können wir auch dem lästigen Gegenwind entfliehen. In Vienne steigen wir wieder aufs Rad und fahren – ab jetzt auf dem EuroVelo 17 – noch einige Kilometer an der Rhône entlang bis zum Campingplatz. Am darauffolgenden Tag kommt dann die Belohnung für die Anstrengungen des Vortags: Rückenwind – Wir fliegen nur so dahin!

Unsere Must-haves auf Radtour
- Warme Unterwäsche
- Fahrradbrille
- Regenjacke
- Mückenspray
- Sonnencreme
- Taschenmesser
- Wasserfeste Satteltaschen
- Spanngummi
- Luftpumpe
Brückenhighlight Rochermaure und schönste Unterkunft
Der nächste Tag ist wieder gezeichnet von einem kleinen Energietief aber auch von einem Highlight: der historischen Hängebrücke Rochermaure, die uns mit ihren imposanten, aus Naturstein gemauerten Pylonen beeindruckt!


Brücken-Highlight und Biwak-Bauernhof
Eigentlich wollten wir für die Nacht wieder einen Campingplatz ansteuern und sind auch schon fast da, als wir an einem kleinen Bauernhof vorbeifahren und Greta durch Zufall das unscheinbare Schild mit dem Wort „biwak“ entdeckt. Es ist der wohl schönste Zeltplatz unserer ganzen Fahrradtour. Der Hof gehört einem Ehepaar, das in dem alten Bauernhaus Ferienunterkünfte vermietet und Fahrradreisenden die Möglichkeit bietet, auf einem kleinen Grundstück neben der Hühnerwiese ihr Zelt aufzuschlagen. Dort stehen ein Holztisch mit Bänken und zwei Sanitärcontainer mit Dusche und WC, welche so liebevoll hergerichtet sind, dass sie einen richtigen Landhaus-Flair versprühen. Das Frühstück im Bauernhaus buchen wir gleich mit und werden mit selbst gebackenem Brot sowie selbst gemachter Marmelade überrascht. Dabei leistet uns eine Familie aus Deutschland Gesellschaft, mit der wir uns noch ein wenig verquatschen.
Absolutes Unterkunft-Highlight: La Ferme Terre-Bio-Provence
Entspannter Endspurt
An diesem Tag ist die Strecke zwar nicht ganz so idyllisch, dafür können wir uns unterwegs die Bäuche mit Feigen voll schlagen. So langsam rückt nun auch unser Ziel Aix-en-Provence immer näher und da wir die letzten Tage mehr Strecke als gedacht zurückgelegt haben, können wir es nun langsam angehen.
In einem kleinen Dörfchen auf dem Weg machen wir halt und suchen nach einem Café. Da jedoch alles wie ausgestorben ist, nehmen wir auf den Stühlen vor einem geschlossenen Café Platz und lesen uns gegenseitig aus einem Buch vor – ein Ritual, das uns schon die ganze Radtour über begleitet. Nach ein, zwei Stunden erwacht das Dörfchen plötzlich zum Leben: die Menschen kommen aus ihren Häusern und die Cafés und Läden öffnen. Wir hatten anscheinend einfach die Mittagsruhe erwischt. Also trinken wir noch einen Espresso in dem Café, auf dessen Stühlen wir bereits sitzen, und schwingen uns anschließend wieder auf unsere Räder.


Feigensnack und Café-Pause
Anstieg, Aussicht, Ankommen
Obwohl wir nun nicht mehr viel Strecke vor uns haben, fordert uns der letzte Tag noch einmal heraus: kurz vor Aix-en-Provence müssen wir das erste Mal während der gesamten Radtour einiges an Höhenmetern erklimmen und das bei sengender Hitze. Dafür werden wir mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. Doch wir merken auch, dass wir so langsam mal einen Tag Pause brauchen – unsere Beine werden allmählich schwach. Als wir am Ortsschild von Aix-en-Provence ankommen, kommt es uns total surreal vor, dass unsere Radtour nun schon vorbei sein soll und wir es tatsächlich geschafft haben.



Mit müden Beinen, aber stolz und glücklich stoßen wir abends mit Wein und Pizza auf unser Abendteuer an.
Erholung pur
Nach diesem Urlaub fühle ich mich erholter denn je. Die Bewegung und das ständige Draußensein haben mich meinen Körper mal wieder so richtig spüren lassen – etwas, das ich im Alltag oft vermisse. Sich den ganzen Tag nur mit den grundlegenden Dingen zu beschäftigen – den Weg finden, für Verpflegung sorgen, einen Zeltplatz suchen – hat mich völlig in den Moment geholt und war Entspannung pur.
Die Strecke entlang des Rhein-Rhône-Kanals auf den Radwegen des EuroVelo 6 und 17 eignet sich dabei perfekt für den Einstieg ins Radtour-Game. Die Natur ist zauberhaft und dennoch gibt es genug Zivilisation, um sich keine Gedanken über Verpflegung, Schlafmöglichkeiten und Hilfe bei eventuellen Pannen machen zu müssen. Außerdem gibt es kaum Höhenmeter zu erklimmen und die Wege sind zuverlässig ausgebaut und ausgeschildert. Auf dieser Strecke heißt es also nur: genießen und laufen lassen.
Greta und ich sind uns einig: diese Radtour ist erst der Anfang von vielen weiteren Abenteuern!

Wenn ihr wissen wollt, wie Maikes Reise weiter ging und wie sie ihren Weg von Aix-en-Provence zurück nach Deutschland fand, dann lest auch ihren Artikel über ihre Solo-Radtour von Nizza nach Turin.
Habt ihr schon mal eine längere Radtour gemacht und was waren eure Erfahrungen dabei? Welche Gegenstände haben sich für euch als unverzichtbar erwiesen?