Hand aufs Herz: Das Saarland landet vermutlich nur bei den wenigsten ganz oben auf der Bucket List für den nächste Bikepacking-Trip. Doch Creatorin Maike ließ sich überraschen – sie fuhr 244 der 350 km und erkundete zwischen dichten Wäldern, aussichtsreichen Höhenzügen, Weinbergen und stillen Flusstälern eine Region, die sich ganz wunderbar auf zwei Rädern entdecken lässt. Auf der Gravelbike Saarlandrunde spielt das kleine Land seine große Stärken aus: Asphalt, Schotterwege, Forststraßen und kleine Trails lassen abwechslungsreiche Touren entstehen, die sportliche Herausforderungen mit jeder Menge Natur verbinden. Dazu kommen gut ausgebaute Radwege, kurze Distanzen zwischen den Highlights und immer wieder Orte, an denen sich eine Pause mehr als lohnt – sei es für eine kühle Brause, einen knusprigen Flammkuchen oder stillen Panorama-Genuss.
Das Saarland wartet mit so viel Vielseitigkeit auf uns Bikepacker:innen! Der besondere Reiz: naturbelassene Trails durch Wälder, asphaltierte Wege entlang Saar und Mosel, Gravelabschnitte durch Felder und Weinberge hindurch – und das immer wieder mit Aussichten über die weite Landschaft.
Bewegte und bewegende Geschichte
So interessant wie die Landschaft ist auch die Geschichte der Region: Kaum ein anderes Bundesland vereint deutsche und französische Einflüsse so selbstverständlich miteinander. Über Jahrhunderte hinterließen Römer, Franzosen und Deutsche ihre Spuren – sichtbar in historischen Bauwerken, hörbar in der Sprache und natürlich schmeckbar auf den Speisekarten. Im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau treffen artenreiche Streuobstwiesen und uralte Buchenwälder auf sanften Tourismus, während Orte wie die rekonstruierte Römische Villa Borg oder das Dreiländereck bei Perl zeigen, wie eng hier Natur, Kultur und Geschichte miteinander verwoben sind. Das Saarland beweist, dass auch auf kleinem Raum große Abenteuer und Entdeckungen möglich sind.
Maikes Etappen der Gravelbike Saarlandrunde im Abschnitt Blieskastel bis Losheim
Berus – Perlvia Sierck-les-Bains 3:35 Std. / 51,5 km / 717 hm Hinweis: Auf Etappe 3 gibt es unterwegs keine Supermärkte! Deckt euch also vorher mit ausreichend Lebensmitteln ein.
Perl – Mettlach – Losheim am See 3:21 Std. / 42,7 km / 701 hm
Etappe 1: Blieskastel – Saarbrücken Vom Biosphärenreservat in die Landeshauptstadt
Start am Hotel Annahof über den Niederwürzbacher Weiher ins Biosphärenreservat Bliesgau
Der erste Tourentag führt mitten hinein in eine Landschaft, die abwechslungsreicher kaum sein könnte. Zwischen den Wiesen und Wäldern des UNESCO-Biosphärenreservats Bliesgau rollt ihr immer wieder über kleine Schotterwege, passiert idyllische Dörfer und erlebt beim Grenzhopping ganz nebenbei, wie selbstverständlich Deutschland und Frankreich hier ineinander übergehen. Später wird es urbaner: Entlang des Saarufers erreicht ihr Saarbrücken, wo historische Architektur, moderne Cafés und das lebendige Treiben rund um den St. Johanner Markt den perfekten Kontrast zum Naturerlebnis des Tages bilden. Wer mag, dreht vor dem Abendessen noch eine Runde durch den Deutsch-Französischen Garten – passender könnte der Abschluss dieser Etappe kaum sein. Im historischen Brauhaus zum Stiefel gibt’s traditionelle saarländische Küche, und das bereits seit 1702! Als Übernachtung eignet sich das wunderschöne und zentral gelegene Hotel Leidinger, das besonders für sein Frühstück gelobt wird.
Blieskastel; in Frauenberg über die europ. Freundschaftsbrücke; weiter entlang des Saarradwegs
Maike, Für wen ist die Gravelbike Saarlandrunde geeignet?
Wer eine gewisse Grundfitness hat, schafft die Route auch als Bikepacking-Neuling – empfehlen würde ich sie als allererste Bikepacking-Tour aber nur, wenn man sich vorher beim Radeln auch immer wieder mit Höhenmetern herausfordert. Die sind auf der Saarlandrunde nämlich wirklich nicht ohne! Die Region ist auf jeden Fall auch ein Wanderparadies – wenn man sich also mit dem Rucksack auf dem Rücken wohler fühlt, als mit Taschen am Fahrrad, dann kann man viele tolle Tages- oder Weitwanderungen machen.
Flair in Saarbrücken
Etappe 2: Saarbrücken – Berus Weitblicke, Wälder und Europas Grenzen
Warndtwald und Ausblick beim Carrière Barrois
Nach dem Stadtflair wartet schon bald wieder die Ruhe der Natur: Zunächst folgt die Route dem Saarufer, bevor sie hinein in den Warndtwald und weiter auf die offenen Höhen des Saargaus führt. Immer wieder öffnen sich beeindruckende Panoramablicke über die deutsch-französische Grenzregion. Besonders eindrucksvoll sind die Panorama-Plattform beim Carrière Barrois und das Europadenkmal in Berus, das den Blick weit über Frankreich schweifen lässt.
Der alte Steinbruch „Carriére Barrois“ im Warndtwald liegt direkt an der Route und ist definitiv einen Stopp wert: Es ist so schön zu sehen, was aus durch den Menschen veränderten Landschaften wieder werden kann, wenn man die Natur sich selbst überlässt. Die ehemaligen Sandgruben haben sich längst in große Teiche verwandelt und der Ort ist nun ein wertvoller Rückzugsraum für viele Tiere.
Europadenkmal Berus
Etappe 3: Berus – Perl Weinberge, Römergeschichte und drei Länder an einem Tag
Über Leidingen durchs Niedtal Richtung Mosel
Diese Etappe fühlt sich fast ein wenig nach Südeuropa an – die Landschaft wird sanfter, Weinberge prägen das Bild und immer wieder öffnet sich der Blick auf das Moseltal. In Perl treffen Deutschland, Frankreich und Luxemburg aufeinander – ein Dreiländereck, das sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden lässt. Zwischen antiken Gemäuern, Weinreben und weiten Ausblicken wird schnell klar, warum diese Region seit Jahrhunderten Menschen anzieht. Unterwegs passiert ihr außerdem das geteilte Dorf Leidingen, dessen Grenze mitten durch den Ort verläuft – ein außergewöhnlicher Ort, der zeigt, wie eng Europa hier zusammengewachsen ist. Am Ende dieser eindrucksvollen Etappe wartet die Maimühle mit liebevoll gestalteten Zimmern, französischem Flair und empfehlenswertem Restaurant direkt an der Mosel.
Stop in Sierck-les-Bains einlegen
Maike, Wie ist die Beschilderung und Infrastruktur? Ist die tour eher urban oder naturnah?
Die Gravelbike Saarlandrunde ist als solches nicht explizit ausgeschildert, daher bietet sich die Navigation anhand der Onlineroute an. Während der Passagen auf dem Saarland-Radweg findet man zwar regelmäßig Schilder, aber ein regelmäßiger Blick auf die Karte lohnt sich! Wenn man einen Teil frei mit Komoot plant, schickt es einen auch mal über steile Feldwege, belohnt aber mit grandiosen Ausblicken. Die Route ist definitiv eher naturnah angelegt! Man durchquert auch mal einige kleine Dörfer, aber nur Saarbrücken und Sarreguemines als größere Städte – was toll ist, weil man kaum auf viel befahrenen Straßen unterwegs ist oder oft an Ampeln halten muss.
Etappe 4: Perl – Losheim am See Von den Weinbergen zur berühmtesten Aussicht des Saarlands
Perl und entlang des Moselradwegs
Zum Abschluss zeigt sich das Saarland noch einmal von seiner vielseitigsten Seite. Die Weinlandschaften weichen nach und nach den waldreichen Höhen des Saar-Hunsrücks, bevor einer der berühmtesten Aussichtspunkte Deutschlands wartet: die Cloef mit ihrem spektakulären Blick auf die Saarschleife. Wer den kleinen Abstecher einplant, wird mit einem Panorama belohnt, das auf keiner Saarland-Reise fehlen darf. Ein kulturelles Highlight ist die Römische Villa Borg, eine vollständig rekonstruierte Villenanlage, in der sich das Leben der Römer überraschend lebendig nachvollziehen lässt – definitiv den kleinen Umweg wert! Danach führen ruhige Wege weiter Richtung Losheimer Stausee, wo man nach mehreren Tagen im Sattel die Beine ins Wasser strecken und das Abenteuer entspannt ausklingen lassen kann. Noch besonderer wird die letzte Nacht in einer gemütlichen finnischen Kota auf dem Landgut Girtenmühle – ein stimmungsvoller Abschluss einer Tour, die nun hoffentlich den Weg auf eure Bucket List findet!
Weinberge, Moselschleifen-Ausblicke und Besuch von Schloss Saareck
Die beste Aussicht hatten wir definitiv an der Saarschleife – zurecht Wahrzeichen des Saarlandes. Highlight des letzten Tages war für uns aber, in den Stausee Losheim zu springen! Ein angemessener Abschluss der Tour – besonders, weil wir uns bei sommerlichen Temperaturen schon ab Tag 1 darauf gefreut hatten.
Unsere liebste Unterkunft war das Landgut Girtenmühlenahe Losheim am See. Eingebettet zwischen Wald und Hügeln kann man hier entweder mit dem Campervan oder Zelt übernachten oder ein Schlaf-Fass oder eine finnische Kota buchen. Letztere durften wir für eine Nacht unser Zuhause nennen und es war so gemütlich: die hölzernen Wände, die kleinen Fenster, das Schnauben der Pferde, die direkt auf der Wiese nebenan standen…
Maike
Maike, Warum gehört das Saarland für dich auf jede Gravel-Bucket-List?
Weil die Wege im Saarland so abwechslungsreich sind: von weichen Walduntergründen zu verwurzelten Wegen, über knackige Anstiege zu flinken Abfahrten. Es gibt ausgeschilderte Radwege (wie den Saar- oder Moselradweg) und versteckte Trails, dichte Wälder und weite Hügellandschaften, durch die sich Kieswege schlängeln. Besonders überrascht hat mich die Weitläufigkeit des Saarlandes – ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir so häufig so weit in die Ferne schauen können! Den Warndtwald und die Wälder an der Saarschleife fand ich ebenfalls wunderschön, nicht nur, weil sie Schatten spendeten, sondern weil sie etwas Verwunschenes an sich hatten, mit knorrigen Eichen und schlanken Buchen, großen Farnfeldern, kleinen Weihern und moosbewachsenen Baumstämmen.
Landgut Girtenmühle und Ausklingen am Losheimer Stausee mit Pizza als Belohnung
Die Saarlandrunde: Ein Gravel-Abenteuer, das überrascht
Das Saarland ist so vielseitig – hier gibt es für jeden Reisetyp etwas. Aktivurlauber kommen beim Wandern, Rennradfahren oder eben Bikepacking voll auf ihre Kosten, Genießer besuchen die Weingüter an der Mosel. Kulturfans bereisen die Grenze zu Frankreich, folgen den Spuren der Römer oder tauchen in die Geschichte Europas in Schengen ein.
Vier Tage, unzählige Schotterkilometer und mindestens genauso viele Wow-Momente später steht für Maike fest: Das Saarland ist weit mehr als ein Geheimtipp für Gravelbike-Fans. Die Mischung aus abwechslungsreichen Strecken, ursprünglicher Natur, spannender Kulturgeschichte und französischer Lebensart macht jede Etappe zu etwas besonderem. Wer gerne sportlich unterwegs ist, dabei aber genauso Wert auf gute Küche, schöne Unterkünfte und eindrucksvolle Ausblicke legt, findet auf der Gravelbike Saarlandrunde beste Bedingungen für ein Bike-Abenteuer, das lange in Erinnerung bleibt.
Wart ihr schon mal im Saarland unterwegs und habt Lieblingsecken und Touren-Tipps? Schreibt es in die Kommentare!
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am in Bike und Reiseziele.
Ob als Guide für Huskytouren bei -30°C im norwegischen Tiefschnee oder als Yogalehrerin im schwül-heißen Sri Lanka – Female Explorer Lektorin Pauli findet immer eine spannende Herausforderung auf ihren Reisen. Nach umfassender Solo-Backpacking-Expertise erobert sie sich jetzt mit ihrem T5 Transporter Pancake das Vanlife-Paradies.
Maike ist selbständige Fotografin aus Bielefeld. Wenn sie nicht gerade irgendwo zwischen Berg, Wald und Meer ihre Kamera zückt, reist sie vermutlich mit dem selbst ausgebautem Van durch’s Land, ist mit dem Rad unterwegs oder mit ihrem Hund auf einem Wanderweg zu finden. Ansonsten hat Neuseeland ihr Herz gestohlen, Taylor Swift läuft in Dauerschleife und Tiere liebt sie sowieso alle.