
Urban Pride: 5 queere Reiseziele in Europa
Als Monat, in dem Queerness gefeiert wird, gilt gemeinhin der Juni. Im sogenannten Pride Month finden weltweit viele große und kleine Christopher-Street-Days statt, also politische Paraden für die Rechte der LGBTQIA+-Community. Doch wenn der Konfettiregen endet, bleiben ganzjährlich viele queere Läden, die sich unserer Unterstützung erfreuen. Sie bieten Safe Spaces und können dies nur tun, wenn wir (und Allys!) sie auch nutzen – also schaut auf eurem nächsten Trip unbedingt vorbei!
Hebden Bridge
die lesbische Hauptstadt von UK
Eine Stunde vom ohnehin sehr liberalen und alternativen Manchester findet sich Hebden Bridge. Das Dorf in West Yorkshire umfasst nur knapp über 5.000 Einwohner:innen, davon sind aber laut offizieller Statistik erstaunlich viele queer. Der Spitzname des Ortes lautet die lesbische Hauptstadt des Vereinigten Königreichs.

Cottage Core trifft hier Bohemian Rhapsody. Rund um Hebden Bridge kann man nämlich wunderbar wandern oder auf dem Fahrrad bzw. einem Trainingslauf die Natur genießen – und innerhalb des Ortes viel Kleinkunst kaufen. In den Eingängen hängen Regenbogenflaggen oder -sticker. Jeder space ist hier ein safe space. Übrigens: Die von Queers heißgeliebte Sylvia Plath ist in Hebden Bridge begraben und in der Nähe befindet sich die Gegend, in der Anne Lister (auf der die lesbische Serie „Gentleman Jack“ basiert) gelebt hat.
Queer Spots in Hebden Bridge
Stockholm: baltische Perle zwischen Style und Charme
Stockholm ist eine wirklich sehr einzigartige Stadt mit einem unfassbaren Style, vielen Grünflächen und unzähligen Möglichkeiten, baden zu gehen. Das Nachtleben ist hier besonders magisch zwischen Mai und August, weil die Sonne quasi nicht untergeht. Schweden ist das erste Land, in dem geschlechtsangleichende Operationen kein Problem mehr darstellen, inklusive kostenfreier Hormontherapie, und das seit 1972. Interessanterweise war Homosexualität bis 1979 dennoch als Krankheit eingetragen. Der Protest? Man meldete sich einfach täglich krank. „Bin immer noch queer!“

Bei deinem Besuch in Stockholm darf übrigens auf keinen Fall die „Fika“ fehlen: Kaffee oder Tee mit einem Snack, meistens Zimtschnecken, als Me Time oder Zeit mit Freund:innen und (chosen) Family. Queere Fika gibt es bei Café Chokladkoppen. Im Café selbst fühlst du dich ein bisschen wie bei Michel aus Lönneberga himself.
Queer Spots in Stockholm
München
überraschend queer
München hat vielleicht nicht gerade den Ruf, besonders queer, edgy oder innovativ zu sein, doch genau das ist tatsächlich der Fall, wenn man genauer hinblickt. Denn vor allem rund um den Gärtnerplatz, im sogenannten Glockenbachviertel, ging es in den siebziger Jahren sehr wild zu. Freddie Mercury fühlte sich hier sehr wohl und konnte sein Leben so leben, wie er es wollte. Und da München eine sehr traditionelle Stadt ist, gehört Queerness gewissermaßen zur Tradition. Oder habt ihr andere Assoziationen, wenn ihr an Ludwig II. denkt?

Der bayerische König hätte sich sehr wohl gefühlt in einer Stadt, deren CSD begleitet wird von den Schwuhplattler, die seit Ende der Neunziger stolz auf ihre Homosexualität und ihren bayerischen Volkstanz sind. Moderner wird es da schon im Queer Studio für Frisuren und Tattoos aus queerer Hand. Bei angenehmer Musik und schöner Einrichtung kann man durch passende Literatur blättern oder dem Treiben auf der Straße zusehen.
Queer Spots in München
Helsinki: We speak Gay
Wer in Helsinki ankommt, vielleicht während einer Reise im Wohnmobil oder einem anderen Abenteuer in der Natur, sollte sich direkt die „We speak Gay“-Landkarte der Stadt schnappen. Hier sind die besten Tipps bereits verzeichnet und Helsinki zeigt damit, wie queerfreundlich die Hauptstadt ist. Hinzu kommt, dass die Menschen hier ausgezeichnet Englisch sprechen, was tolle Tage und vor allem Abende garantiert!

Seit 2017 herrscht in Finnland die Ehe für alle. Obwohl Helsinki nicht die größte Metropole ist, findet ihr hier Ballroom Kultur, Drag Queens und Kings und Queerlesque gleichermaßen.
Queer Spots in Helsinki
Prag
progressiver Osten
Prag ist ein Sehnsuchtsort vieler. Die wunderschönen Gebäude an der Moldau, an denen die verschiedensten Epochen ihre Spuren hinterlassen haben; von Gotik und Renaissance (nicht das Beyoncé-Album!) bis hin zum Jugendstil. Schon seit Anfang der Neunziger ist das Stadtzentrum (Old Town, Lesser Town und New Town) UNESCO Weltkulturerbe.

Tschechien gilt als eines der progressivsten slavischen Länder: Anfang der sechziger Jahre wurde beispielsweise gleichgeschlechtlicher Sex legalisiert. Seit 2006 ist es möglich, seine gleichgeschlechtliche Ehe registrieren zu lassen, schon fünf Jahre zuvor wurden Krankenhaus- und auch Gefängnisbesuchsrechte analog zu heterosexuellen Paaren erlassen. Seit 2024 kann derselbe Nachname getragen werden – zur rechtlichen Gleichstellung ist dennoch noch ein langer Weg.
Queer Spots in Prag
Queere Orte können uns manchmal dort begegnen, wo wir sie am wenigsten erwarten. Umso wichtiger ist es, sich dort reinzusetzen und die häufig hausgemachten Speisen und Getränke genießen. Oder Bücher in diesen unabhängigen Läden zu kaufen und ein Zeichen für die queere Community zu setzen. Und natürlich einfach zu feiern. Wie man ist. Egal, ob queer oder Ally – Hauptsache friedlich.
Viele weitere queere Reisetipps findet ihr in Simones Reiseführer
„Pride on Tour – 35 queere Reiseziele“
- CONBOOK Verlag
- 19,99 € z. B. hier
- 224 Seiten, ca. 225 Abbildungen, Format 16,5 x 23,5 cm

Habt ihr einen queeren Spot-Tipp für den nächsten Städtetrip? Schreibt es in die Kommentare!