Zwischen Salz, Staub und Sternen – Mit dem Pferd entlang der Atlantikküste Marokkos

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Zwischen Salz, Staub und Sternen – Mit dem Pferd entlang der Atlantikküste Marokkos


Birgit HarenbergText / Fotos

Es gibt Reisen, die lange in einem reifen. Manche warten still im Hintergrund, bis sie eines Tages lauter werden als jede Vernunft. Für mich war so eine Reise das mehrtägige Pferdetrekking in Marokko – heiß, unbequem, wild und wunderschön. Sie führte mich zurück an einen Ort voller Erinnerungen und gleichzeitig näher zu mir selbst. Wenn ihr euch fragt, ob es irgendwann zu spät für Abenteuer ist: Vielleicht beginnen sie genau dann.

Warum ich mit 50+ noch einmal aufgebrochen bin

Vor mehr als drei Jahrzehnten war ich als Studentin zum ersten Mal in Marokko unterwegs. Die Souks, der Duft von Gewürzen, das Stimmengewirr, Nächte unter einem funkelnden Sternenhimmel – all das hatte sich tief in mir verankert. Doch dann kamen Arbeit, Familie, Verantwortung. Jahre vergingen. Bis ich mich eines Winters dabei ertappte, wie ich Videos von galoppierenden Pferden am Atlantik ansah. Gischt in der Abendsonne, fliegende Mähnen, endlose Weite. Etwas in mir begann wieder zu brennen. Ich meldete mich für eine Reittour im Juli an. Kein Hotelkomfort, kein WLAN, keine Dusche. Stattdessen Zelte, lange Tage im Sattel und eine internationale Frauengruppe. Ich hatte Respekt – vor der Hitze, vor meiner körperlichen Fitness, vor meinen Zweifeln.

Marokko Ankommen zwischen Chaos und Erinnerung

Schon der Start war alles andere als elegant: Ich hätte beinahe meinen Zug verpasst, rannte im Morgengrauen über den Bahnsteig und stand kurz darauf atemlos und mit klopfenden Herzen im Bahnwaggon. Vielleicht war das ein Vorgeschmack: Diese Reise würde nicht geschniegelt sein, sondern echt. Als ich im Flugzeug saß und unter mir die Straße von Gibraltar auftauchte, spürte ich ein Kribbeln. Ich kehrte zurück nach Afrika. Nach der Landung traf mich die Hitze in Agadir wie eine Wand. Die Straßen waren laut und staubig. Der Geruch von Abfällen mischte sich mit gebratenem Fleisch aus Garküchen. Männer saßen bei süßem Minztee, Frauen waren kaum zu sehen. Ich spürte die Blicke auf mir – und zugleich ein seltsames Wiedererkennen. Vertraut und fremd zugleich.

Der Moment, in dem ich losließ

Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Ein Kleinbus brachte uns hinaus aus der Stadt – dorthin, wo die Weite begann und die Pferde warteten. Mein Pferd hieß Cham, ein drahtiger, wacher Berberhengst. Schon im Schritt spürte ich seine Energie. Die Landschaft war karg – Stein, Sand, vereinzelte Sträucher. Die Sonne brannte erbarmungslos, der Schweiß lief mir über den Rücken, meine Reithose klebte an den Beinen. Dann, viele Kilometer später, erreichten wir den Strand. Ein breiter Streifen festen Sands, endlos. Ich fühlte, wie Cham unter mir spannte. Unser Guide hob die Hand – und im nächsten Moment schossen wir los. Der Sand spritzte unter den Hufen, der Wind riss mir die Haare aus dem Gesicht, Tränen liefen mir in die Augen. Ich hatte keine Kontrolle mehr – und genau darin lag die Freiheit. Ich hörte nur noch Hufschlag, Atem, Herz. In diesem Galopp geschah etwas Entscheidendes: Meine Angst verwandelte sich in Vertrauen. Vertrauen in dieses Pferd, in meinen Körper und meine Erfahrung. Als wir später in die Brandung ritten, die Wellen kühl gegen Chams Beine schlugen und ich das Salz auf meinen Lippen schmeckte, wusste ich: Genau dafür bin ich hier.

Hitze, Staub – und die Wahrheit über Wasser

Doch das Pferdetrekking in Marokko Reise bestand nicht nur aus magischen Strandmomenten. Wir ritten stundenlang über steinige Pisten, durch flirrende Hitze, hinauf in die Berge. Kein Schatten, kaum Wind. Unsere treuen, trittsicheren und ausdauernden Pferde bewältigten diese steinigen und schwierigen Passagen, die sich mit Sanddünen abwechselten. Pferde und Reiter waren schweißnass, meine Muskeln brannten. Als sich unterwegs der Deckel meiner Trinkflasche löste und fast der gesamte Vorrat verloren ging, wurde aus einem kleinen Missgeschick ein existenzieller Moment. In dieser Hitze ist Wasser kein Komfort – es ist Überleben. Zwei Mitreiterinnen teilten ihren Vorrat mit mir – selbstverständlich, ohne großes Aufheben. Auch für die Pferde war Wasser nicht jederzeit verfügbar. Pausen unter Arganbäumen, um der größten Hitze zu entkommen, das Warten auf den nächsten Brunnen. Europäische Selbstverständlichkeiten galten hier nicht. Diese Tage lehrten mich Demut. Gegenüber der Natur, den Tieren – meinen eigenen Ansprüchen.

Einordung: Das Tierwohl im Blick

Der Einsatz der Berberhengste auf der Reittour in Marokko wurde in unserer Gruppe diskutiert – vor allem, weil die Haltungsbedingungen nicht mit europäischen Standards vergleichbar sind. Eine ehemalige Bewohnerin Marokkos hat dabei geholfen, die Situation differenzierter einzuordnen und die lokalen Gegebenheiten besser zu verstehen. Ja, es gibt dort fast keine Weideflächen, Heu steht nicht in der Menge zur Verfügung, wie wir es aus Deutschland kennen und Wasser ist nicht jederzeit selbstverständlich verfügbar. Gleichzeitig war aber deutlich zu spüren, dass die Menschen sehr darauf bedacht sind, ihre Tiere im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestmöglich zu versorgen. Die Pferde sind für die Familien kein „Luxus“, sondern wertvolle Mitarbeiter und Lebensgrundlage zugleich. Entsprechend groß ist auch das Interesse daran, sie gesund und einsatzfähig zu halten. Durch den Tourismus entsteht für viele Familien eine wichtige Einnahmequelle – bleiben die Gäste aus, fehlt oft ein wesentlicher Teil des Einkommens. Natürlich ist jede Verbesserung im Sinne des Tierwohls zu begrüßen. Gleichzeitig regt diese Erfahrung auch dazu an, die eigenen Prioritäten zu überdenken und die Möglichkeiten der Tierhaltung in Deutschland bewusster wertzuschätzen.

Frauen, die sich gegenseitig tragen

Unsere Gruppe bestand aus Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen. Was uns verband, war die Liebe zu Pferden – und der Wunsch, uns selbst herauszufordern. Wir teilten Sonnencreme, Elektrolyte, Wasser und Zweifel. Abends im Camp, ohne Strom und Ablenkung, entstanden Gespräche, die tiefer gingen als erwartet. Keine Konkurrenz, kein Leistungsdruck – nur ehrliche Erschöpfung und gegenseitige Unterstützung. Für mich war das eine leise, kraftvolle Form von Empowerment: Frauen, die sich gegenseitig Raum geben, wachsen lassen und stärken.

Pferdetrekking in Marokko: 120 Kilometer später

Nach fast 120 Kilometern im Sattel kündigte sich Essaouira an. Häuser tauchten auf, Möwen kreischten, Kinder liefen am Strand. Noch einmal galoppierten wir am Meer entlang. Nicht mehr so wild wie am ersten Tag, sondern bewusster. Reifer. Ich beugte mich über Chams Hals, spürte seine Mähne im Gesicht und eine tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für meinen Körper, der durchgehalten hatte. Für dieses Pferd, das mich getragen hatte. Für meinen Mut, trotz Zweifel aufgebrochen zu sein. Zurück in der Stadt fühlte ich mich fast fehl am Platz – staubig, salzverkrustet, mit dem Geruch von Pferd in den Haaren. Ein Teil von mir war noch draußen, zwischen Wind und Wellen.

Was diese Reise wirklich verändert hat

Ich bin nicht als Heldin zurückgekehrt. Aber als Frau, die weiß, dass sie mehr kann, als sie denkt. Diese Reise war heiß, unbequem und fordernd. Sie hat mich an Grenzen gebracht – körperlich und mental. Aber sie hat mir auch gezeigt, dass Alter kein Hindernis ist, sondern Erfahrung. Dass Angst nicht bedeutet, stehenzubleiben. Und dass echte Freiheit oft dort beginnt, wo Kontrolle endet.

Pferdetrekking Marokko Reiterreise

Während das Flugzeug Richtung Deutschland abhob, wusste ich: Das war nicht mein letztes Abenteuer im Sattel. Vielleicht warten erneut treue Pferde auf mich – vielleicht in der Wüste von Wadi Rum? Und dann werde ich nicht so lange zögern wie beim Pferdetrekking in Marokko.

Infobox Veranstalter

PEGASUS Reiterreisen / Equitour AG ist der älteste Reitreisespezialist in Europa und damit ein sehr erfahrener Spezialanbieter mit breitem Portfolio und passenden Pferden für Reittourismus. Die Programme werden regelmäßig von Mitarbeitern besucht und geprüft, wobei auf das Wohl der Pferde und Reiter geachtet wird. Dabei wird viel Wert auf den Einsatz von geeigneten, trainierten Pferde gelegt. Wer besonderen Wert auf artgerechte Haltung, Weidegang oder Offenstallhaltung legt, sollte vor Buchung gezielt den einzelnen Zielbetrieb anfragen. Hier sind die Mitarbeiter von Pegasus gerne behilflich. (Beitrag enthält keine bezahlte Werbung und beruht ausschließlich auf persönlichen Erfahrungen der Autorin)

Habt ihr schon mal etwas vergleichbares erlebt? Schreibt es in die Kommentare!

Über die Autor:in

Birgit Harenberg

Dr. Birgit Harenberg ist promovierte Biologin und seit jeher gerne in der Natur unterwegs. Neben dem Reisen schlägt ihr Herz für Pferde. Als Mentaltrainerin im Reitsport sowie pferdegestützter Coach für Führungskräfte verbindet sie wissenschaftliches Know-how mit feinem Gespür, Empathie und echter Leidenschaft für Mensch und Tier. Mit ihrer Arbeit begleitet sie Menschen dabei, Klarheit, Vertrauen und innere Stärke zu entwickeln – im Sattel wie im Leben.

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