
Community Story
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Auf Inline-Skates durch den Balkan – von Dubrovnik nach Athen
Meine Beine begannen zu zittern. Ich drückte die Bremse so fest nach unten, wie ich nur konnte. Doch statt langsamer zu werden, wurde ich immer schneller. Vor mir wurde die Straße noch steiler. Ich wusste nicht, ob hinter mir ein Auto oder ein LKW fuhr und traute mich nicht, mich umzudrehen. Also streckte ich einen Arm aus, in der Hoffnung, dass der Fahrer verstehen würde, was gleich passieren würde, und ließ mich fallen. Als ich kurz darauf meine Skates genauer ansah, war fast der gesamte Bremsklotz verschwunden. Selbst die Halterung war schon teilweise abgeschliffen. Es war Tag eins. Und ich hatte noch fast drei Wochen vor mir, um von Dubrovnik nach Athen zu gelangen.

Auf Skates durch den Balkan
Eine ziemlich verrückte Idee
Die Idee kam mir ein paar Monate zuvor bei einer 100-Kilometer-Schlittschuhtour in Nordschweden. Ich wollte wieder einmal länger unterwegs sein, aber nicht einfach nur Urlaub machen. Es sollte etwas Besonderes sein, etwas Abenteuerliches. Etwas, das ich noch nie gemacht hatte. Warum nicht auf Skates? Als Kind war ich viel auf Inlineskates unterwegs gewesen, doch in den letzten Jahren konnte ich die Male, die ich auf Skates gestanden hatte, beinahe an zwei Händen abzählen. Trotzdem gefiel mir die Idee immer besser.
Dubrovnik nach Athen schien dafür perfekt. Auf direktem Weg waren es ungefähr tausend Kilometer. Mit etwa fünfzig Kilometern pro Tag müsste ich ziemlich weit kommen. Und wenn ein Abschnitt nicht funktionieren sollte, könnte ich immer noch einen Bus oder Zug nehmen. Als wäre die Vorbereitung nicht ohnehin schon knapp genug, verletzte ich mich kurz vor der Abreise auch noch an der Hüfte. Mehr als einen Monat lang machte ich überhaupt keinen Sport. Bis zu meiner Ankunft in Dubrovnik hatte ich die Skates nicht mehr angerührt. Und mit einem schweren Rucksack war ich noch nie gefahren. Und so stand ich schließlich dort: mit allem, was ich für drei Wochen brauchte, auf dem Rücken, vier Ersatzbremsklötzen im Gepäck und ohne zu wissen, ob meine Hüfte das Ganze überhaupt mitmachen würde. Perfekt.

Es sollte etwas Besonderes sein, etwas Abenteuerliches. Etwas, das ich noch nie gemacht hatte. Warum nicht auf Skates?
Sanne

Planänderung nach Kotor
Meine Hüfte hielt. Alles andere erwies sich als deutlich komplizierter. Schon in den ersten Tagen in Montenegro lernte ich, dass eine Linie auf einer Fahrradkarte wenig darüber verrät, ob eine Straße auch für Skates taugt. Bergauf war es brutal anstrengend, bergab manchmal schlicht beängstigend. Von da an studierte ich ständig die Höhenprofile. Wurde eine Abfahrt zu steil, kamen die Skates aus und die Schuhe an. Und trotzdem waren es gerade diese langsamen Kilometer, die mir besonders in Erinnerung blieben.
Am ersten Tag kämpfte ich mich irgendwo in Montenegro einen Hügel hinauf, als ein älterer Mann von seinem Balkon nach mir rief. Er verschwand im Haus, kam mit einer Plastiktüte zurück und ließ sie zu mir hinuntergleiten. Darin: frische Kirschen aus seinem Garten. Für mich. Genau das liebe ich am langsamen Reisen. Mit dem Auto wäre ich einfach vorbeigefahren. Auf Skates, verschwitzt und im Schneckentempo bergauf, wurde ich dagegen zu jemandem, dem man Kirschen schenken wollte.
Nach Kotor war mit dem Skaten allerdings erst einmal Schluss. Die Berge waren schlicht zu steil. Also ging ich zu Fuß weiter, nahm ein Taxi, stieg in einen Zug und verbrachte meinen Geburtstag mit einer 20-Kilometer-Tour auf dem SUP über den Skadarsee. Schon nach wenigen Tagen war aus meiner Skatereise etwas ganz anderes geworden.

Dubrovnik ›
Athen


Schotter, Schnaps und Schweiß
In Albanien versuchte ich es noch einmal. Manchmal rollte ich kilometerweit über perfekten, frisch verlegten Asphalt. Und manchmal verwandelte sich die Straße ohne jede Vorwarnung in etwas, das eher aus zusammengeklebten Kieselsteinen als aus Asphalt zu bestehen schien. Nach ein paar Tagen war mir klar: Wenn ich stur der Küstenroute folgte, würde ich mich am Ende vor allem an Verkehr, schlechten Asphalt und Frust erinnern. Also stieg ich in Tirana spontan in einen lokalen Bus nach Përmet. Dort ließ ich meine Skates zurück und wanderte in zweieinhalb Tagen rund fünfzig Kilometer durch das Zagoria-Tal. Ausgerechnet dieser ungeplante Abstecher wurde zu einem meiner liebsten Abschnitte der ganzen Reise.


Immer wieder luden mich Einheimische auf Milch oder Kaffee ein oder wollten mich ihren Honig probieren lassen. Englisch sprach kaum jemand, Albanisch konnte ich überhaupt nicht. Aber mit ein paar aufgeschnappten Wörtern, Händen und Füßen und einem Lachen im richtigen Moment kommt man erstaunlich weit. Als mich ein Gewitter überraschte, bot mir ein Mann Schutz auf seiner Veranda an. Kaffee? Nein. Zigarette? Nein. Dann bot er mir etwas an, das ich nicht verstand. Ein drittes Mal wollte ich nicht ablehnen, also sagte ich Ja. Es war Raki.
Während draußen der Regen herunterprasselte und der Donner direkt über uns hinwegrollte, verständigten wir uns mit Stift und Papier. Wir zeichneten Familienmitglieder, Wohnorte und Berufe und schafften es so tatsächlich, uns ein wenig aus unserem Leben zu erzählen. Am nächsten Tag kamen zwei niederländische Wanderer panisch auf mich zugerannt, vier große, aggressiv bellende Herdenschutzhunde direkt hinter ihnen. Mit meinem Wanderstock vor mir hielt ich die Hunde auf Abstand. Am Ende blieb uns nichts anderes übrig, als kletternd einen Umweg zu suchen. Nichts davon hatte in meinem ursprünglichen Plan gestanden. Zum Glück.

Auf Inlineskates durch die Hitzewelle
An der griechischen Grenze schnallte ich mir endlich wieder die Skates an. Was für ein Gefühl! Nach Tagen zu Fuß und in verschiedenen Verkehrsmitteln konnte ich mich endlich wieder so fortbewegen, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Der Asphalt war besser, das Meer tauchte wieder neben mir auf und manchmal konnte ich kilometerlang einfach rollen.

Allerdings steckte Europa inzwischen mitten in einer Hitzewelle. Die Temperaturen kletterten auf über 35 Grad. Deshalb stand ich regelmäßig um fünf Uhr morgens auf, um möglichst viele Kilometer in den etwas kühleren Stunden hinter mich zu bringen. Meine Füße waren inzwischen voller Blasen, meine Schutzausrüstung jeden Abend vom Schweiß durchnässt. Manche Straßen waren fantastisch. Andere waren so schlecht, dass jede einzelne Erschütterung durch die Skates direkt in meine Fußsohlen ging. Und dann war da der Verkehr. Eines Morgens war nach ungefähr 25 Kilometern Schluss. Autos rasten an mir vorbei, ich war überhitzt, müde und hungrig. Ich bog in eine Seitenstraße ab, warf Skates und Schutzausrüstung neben mich und fing an zu weinen.
Was machte ich hier eigentlich? Warum musste ich mir immer solche verrückten Ziele setzen? Warum konnte ich nicht einfach ganz normal Urlaub machen und erholt nach Hause kommen? Wollte ich mir selbst etwas beweisen? Oder anderen? Warum zum Teufel stand ich in dieser Hitze auf Inlineskates an einer griechischen Hauptstraße zwischen Abgasen und vorbeirasenden Autos? Ich lief auf Socken ins Dorf, organisierte mir etwas zu trinken, Käse und etwas Süßes und setzte mich in den Schatten. Eine Weile später sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Manchmal braucht man keine große Lebensweisheit. Manchmal muss man einfach etwas essen.

Was machte ich hier eigentlich? Warum musste ich mir immer solche verrückten Ziele setzen? Warum konnte ich nicht einfach ganz normal Urlaub machen und erholt nach Hause kommen?
Sanne
Nur weil man kann, muss man nicht
Am Ende wurden es an diesem Tag trotzdem 89 Kilometer. Irgendwo in Griechenland begriff ich aber auch, dass ich eine Wahl hatte. Wenn ich jeden Tag achtzig Kilometer durchzog, könnte ich Athen vielleicht tatsächlich komplett auf Skates erreichen. Aber zu welchem Preis? Dafür müsste ich auf Hauptstraßen bleiben, meine Füße noch weiter ruinieren und hätte kaum Zeit, Griechenland wirklich zu erleben.
Also nahm ich auch mal einen Bus. Und einen Zug. Ich suchte mir die Abschnitte aus, die schön aussahen, und fuhr dort auf den Skates weiter. Das fiel mir nicht leicht. Mein Dickkopf sagte mir immer wieder, dass ich doch einfach weitermachen könnte. Einen Bus zu nehmen fühlte sich manchmal fast wie Aufgeben an. Aber langsam veränderte sich meine Vorstellung davon, was es überhaupt bedeutete, diese Reise zu schaffen. Ich musste nicht jeden einzelnen Meter zwischen Dubrovnik und Athen auf Skates zurücklegen, damit sie gelungen war. Ich wollte vor allem unterwegs sein.

Endspurt durch Athen
An meinem letzten Skatetag wusste ich, dass mein Hostel in Athen auf mich wartete. 37 Kilometer lagen noch vor mir, dazwischen zwei Fährfahrten und eine überraschend ruhige Insel, die so gar nicht zu dem nahen Athen passen wollte. Als die zweite Fähre in den Hafen von Athen einlief, hätte ich natürlich einfach die Metro zu meinem Hostel nehmen können. Aber das brachte ich dann doch nicht über mich. Wenn die Reise schon „Dubrovnik nach Athen“ hieß, dann wollte ich wenigstens versuchen, bis vor die Tür meines Hostels zu skaten.
Athen verlangte mir zum Abschluss noch einmal alles ab: Verkehr und Staus, Kopfsteinpflaster, Bordsteine, Treppen, Überführungen, schlechte Straßen und ständig ging es bergauf oder bergab. Irgendwann fand ich einen Radweg und rollte weiter und weiter in die Stadt hinein. Bis ich vor meinem Hostel stand. Ich hatte es geschafft.
Nur die halbe Strecke? So fühlte es sich nicht an.
Am Ende hatte ich 520 Kilometer auf meinen Skates zurückgelegt. Auf direktem Weg liegen zwischen Dubrovnik und Athen ungefähr tausend Kilometer. Auf dem Papier könnte man also sagen: Ich habe ungefähr die Hälfte geschafft. Für mich fühlte es sich überhaupt nicht so an. Ich war auf Skates unterwegs, wanderte, fuhr Rad und paddelte. Ich nahm lokale Busse, Züge, Taxis und Fähren. Fast jeden Tag sprang ich irgendwo ins Wasser. Ich aß mit Menschen, deren Sprache ich nicht verstand, und landete an Orten, die ich auf meiner ursprünglichen Route nie gesehen hätte.
Vielleicht braucht ein Abenteuer einen Plan, der gerade verrückt genug ist, damit man überhaupt loszieht. Aber man muss nicht so stur daran festhalten, dass man unterwegs zum Gefangenen des eigenen Plans wird. Wenn du also eine Idee im Kopf hast, die ein kleines bisschen zu verrückt klingt: Du musst nicht vorher wissen, ob alles funktionieren wird. Und vielleicht muss das Abenteuer am Ende auch gar nicht genauso aussehen, wie du es dir beim Aufbruch vorgestellt hast.

Vielleicht braucht ein Abenteuer einen Plan, der gerade verrückt genug ist, damit man überhaupt loszieht. Aber man muss nicht so stur daran festhalten, dass man unterwegs zum Gefangenen des eigenen Plans wird.
Sanne
Zu Hause verschwanden meine Skates jedenfalls erst einmal ganz hinten im Schrank. Irgendwann möchte ich es trotzdem noch einmal versuchen. Nächstes Mal vielleicht einfach in den Niederlanden. Mit Radwegen. Und perfektem Asphalt.
*Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI vom Niederländischen ins Deutsche übersetzt, alle Inhalte wurden redaktionell geprüft.
Mit welchen ungewöhnlichen Fortbewegungsmitteln seid ihr schon unterwegs gewesen? Schreibt es in die Kommentare!
Wow! Mein größten Respekt.