Pressemeldung

Dies ist ein Beitrag mit Informationen aus Pressemitteilungen und kann unbezahlte Produkterwähnungen enthalten.

Escaping Winnetou – über Klischees und echte Stimmen 



Naturverbunden, scheu, wild und edel – dieses stereotypische Narrativ indigener Identität ist im deutschsprachigen Raum nach wie vor weit verbreitet. Survival International, eine globale Bewegung welche sich für die Rechte indigener Völker einsetzt, hinterfragt diese tief verankerten Klischees in ihrer Kampagne „Escaping Winnetou“. Ausgangspunkt ist die bis heute populäre Winnetou-Figur aus Karl Mays Erzählungen, die für viele von uns eng mit Kindheitserinnerungen verbunden ist. Warum wir diese Erzählungen hinter uns lassen sollten und wie ein Perspektivwechsel stattfinden kann.

Was passiert, wenn Romantik und Kindheitserinnerungen den Blick auf die Realität verstellen?

Die Kampagne Escaping Winnetou von Survival International stellt genau diese Frage. Sie beleuchtet, wie tief koloniale Klischees über indigene Völker in unseren Köpfen verankert sind – und wie sie noch heute Einfluss auf die gesellschaftliche Wahrnehmung und Behandlung indigener Menschen ausüben.

Klischees über indigene Menschen sind immer noch fester Bestandteil von Karnevalsparties, Unterhaltungsindustrie und Kindergeburtstagen. Aber was für viele nur ein Geschäft oder ein Witz ist, ist Teil von Rassismus und Gewalt gegenüber indigenen Menschen. Der Einsatz für die Rechte indigener Völker weltweit stößt an seine Grenzen, wenn wir uns nicht endlich mit rassistischen und kolonialen Stereotypen auseinandersetzen.

Linda Poppe,
Geschäftsführerin von
Survival International Deutschland
Yanomami (Brasilien) ©Survival International

Wer erzählt was über wen? Machtverhältnisse in Literatur und Realität

Die durch Reiseberichte, koloniale Erzählungen und Propaganda verbreiteten Bilder von indigenen Menschen sind durch jahrhundertealten Rassismus geprägt und Grundlage für Menschenrechtsverletzungen. Indigene Identitäten werden oft auf ein eindimensionales „Anderes“ reduziert, als exotisch, primitiv, in der Vergangenheit lebend und den weißen Held:innen unterlegen.

Karl May als Old Shatterhand © Wikimedia Commons
Malerei eines „edlen Wilden“ von George de Forest Brush © Wikimedia Commons

So auch in „Winnetou“. Die Figuren Winnetou und Old Shatterhand entstanden zu einer Zeit, in der Deutschland Kolonialmacht war. Entgegen gängiger Behauptungen, die Geschichte der beiden beschreibe eine fortschrittliche Freundschaft auf Augenhöhe, spiegelt sie ein koloniales Machtgefälle wider: Old Shatterhand wird als überlegener, „zivilisierter“ Held dargestellt, während Winnetou als sein Schüler eine Figur verkörpert, die weniger für sich selbst steht, sondern vielmehr als Projektionsfläche deutscher Vorstellungen vom „edlen Wilden“ dient. 

Ich habe noch nicht viele Erfahrungen gemacht, aber genug, um zu erkennen, dass ich, wenn ich über meine Identität spreche, nicht wirklich in das Bild passe, das die Deutschen von einer indigenen Person haben.

Laura Arena,
Künstlerin und Angehörige der
Lumbee aus Nordamerika

Ein Perspektivwechsel beginnt mit Zuhören

In ihrer Broschüre „Escaping Winnetou“ vermittelt Survival International fundiert und leicht zugänglich Hintergrundwissen und gibt den so oft ignorierten Perspektiven indigener Menschen eine Stimme. Darüber hinaus gibt sie konkrete Beispiele, wie man der Reproduktion dieser kolonialen und rassistischen Erzählungen über indigene Menschen entgegenwirken kann. Die Kampagne lädt ein, alte Vorstellungen zu hinterfragen und Raum zu schaffen für echte Geschichten, echte Stimmen und echte Begegnung.

Das können wir tun:

  1. Vermeidet den Begriff „Indianer“. Er entstand zur Zeit der Kolonialisierung des amerikanischen Kontinents und wurde von europäischen Kolonisierenden erfunden und benutzt, um die dort lebenden Menschen pauschal zu benennen. Das I-Wort steht daher für Gewalt und Unterdrückung und wird von vielen indigenen Menschen als rassistisch und verletzend abgelehnt.
  2. Entscheidet euch gegen klischeehafte I-Wort Kostüme. Indigene Menschen wurden über Jahrhunderte gezwungen, ihre Symbole und Praktiken abzulegen, während weiße Menschen und Kinder sich als I-Wort verkleiden können, ohne Nachteile fürchten zu müssen oder die Bedeutung der Kleidung zu verstehen. Zudem tragen sie dazu bei, koloniale und rassistische Klischees an unsere Kinder weiterzugeben.
  3. Schreibt an Medien oder hinterlasst einen Kommentar auf ihren Social-Media-Plattformen, wenn ihr rassistische, stereotypische und koloniale Darstellungen lest und sprecht in eurem Freund:innenkreis darüber.


Im Rahmen der Kampagne „Escaping Winnetou” wird am 10. Oktober in Berlin eine Veranstaltung zu indigenen Perspektiven jenseits kolonialer Bilder stattfinden.

Zur Veranstaltung

Gerade als Outdoor-Community, die Natur, Begegnung und Weltverbundenheit schätzt, tragen wir Verantwortung für einen bewussten Umgang mit kulturellen Vorstellungen. Genau deshalb ist Reflexion gefragt: Welche Bilder indigener Menschen tragen wir mit uns herum? Welche Mythen prägen unser Fernweh? Und wie können wir respektvoll erzählen, ohne zu vereinnahmen?

Yanomami (Brasilien) ©Survival International

Was ist eigentlich mit der Parodie?

Am 14. August 2025 erschien „Das Kanu des Manitu“, die Fortsetzung zum Kinoerfolg „Der Schuh des Manitu“ von 2001. Die Parodie der Karl May Erzählungen war und ist – wie das Original – ebenfalls umstritten. In einem Interview mit der SZ spricht der Regisseur Bully Herbig über den Entstehungsprozess der Fortsetzung, die Einbeziehung von Native Americans als Darsteller:innen und Crew-Mitglieder, sowie seine Auseinandersetzung mit der kritischen Darstellung von Stereotypen. Bully erklärt, er habe „einen Film machen [wollen], der den Witz und den Charme des Originals hat und gleichzeitig im Heute angekommen ist“. Nichtsdestotrotz wird auch die Fortsetzung kritisiert, denn auch sie beinhaltet stereotypische Darstellungen indigener Menschen.

Für mich hat der Film den Sprung ins Heute geschafft. An den passenden Stellen wird darauf hingewiesen, nicht mehr das I-Wort zu nutzen – ohne erhobenen Zeigefinger, ohne den Fluss der Handlung zu stören, und doch so, dass es zum Nachdenken und hoffentlich zum Handeln anregt. Besonders berührt hat mich die letzte Szene, in der die Hauptfigur von den Native Americans als Mitglied akzeptiert wird. Für mich war das ein starkes Symbol und ein Bild dafür, wie ein Miteinander zwischen Menschen möglich sein kann. Ich finde es großartig, dass der Film diesen wichtigen Themen nun eine Bühne gibt.

Female Explorer Sarah

Baka (Demokratische Republik Kongo und Republik Kongo) ©Survival International

Gehören die Erzählungen über Winnetou auch zu euren Kindheitserinnerungen und habt ihr euch in diesem Zusammenhang bereits kritisch mit der Darstellung indigener Personen befasst? Schreibt es uns in die Kommentare!

Über die Autor:in

Maike Fuchs

Ihre Leidenschaft für Outdoor Aktivitäten, Feminismus und das Schreiben führte Maike zum The Female Explorer. Wenn sie nicht gerade für ihr Philosophiestudium Bücher wälzt, ist sie am liebsten mit ihrem Gravelbike oder wandernd draußen in der Natur unterwegs.

Wilder
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