
Community Story
Your stories – your magazine! Hier lest ihr einen Artikel aus unserer Female Explorer Community. Wir freuen uns über EURE Einsendungen an: story@thefemaleexplorer.de
Wie eine Reise zum Mond mich daran erinnert hat, wieso ich die Erde liebe
Vor etwa einer Woche ist die Artemis II von ihrer Reise zum Mond zurückgekehrt – einer Mission, die mich mehr bewegt hat, als ich ursprünglich dachte. Denn natürlich: Ich bin nicht selbst geflogen, aber dank modernster Technik habe ich gemeinsam mit Millionen anderer Menschen die neuste Mondmission der NASA live verfolgt. Ich habe sie bestaunt, bewundert und schließlich bemerkt: Während ich mich dem Mond widme, fühle ich mich unserem Planeten Erde und seinen Bewohner:innen plötzlich so verbunden, wie schon lange nicht mehr.
Abenteuer Artemis II
Für zehn Tage hat uns die Crew der Artemis II – bestehend aus Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch und Missionsspezialist Jeremy Hanser – mit auf ein Abenteuer durch die Galaxie genommen. Eine Frau, ein BIPoC-Mann, ein alleinerziehender Vater und ein Kanadier fliegen so weit, wie es noch nie ein Mensch getan hat, denn sie wollen das erste Mal seit 1972 den Mond umrunden. Das Besondere? Diesmal haben wir die Möglichkeit, via Livestream dabei zu sein und das Abenteuer mitzuverfolgen. Wir driften mit der Crew durch die schwarze Weite des Weltraums und beobachten, wie der Mond immer größer und die Erde immer kleiner wird. In der Kapsel erleben wir die verschiedensten Emotionen: Wir spüren Euphorie und Ehrfurcht, wir sehen Freudentränen und Lachen – wir werden zum Teil der Crew, fühlen mit ihnen. Während ich gespannt in diese mir vollkommen neue Welt eintauche, werde ich stets ein Gefühl nicht los: Menschlichkeit.

We do not leave earth, […] but ultimately, we will always choose earth. We will always choose each other.
Christina Koch
Die ersten Zöpfe außerhalb der Erdumlaufbahn
Artemis II ist besonders, denn diese Mondmission ist weiblich. Mein Algorithmus möchte, dass ich möglichst viel über das Projekt erfahre und beim Scrollen wird mir schlagartig bewusst, wie viele Frauen beteiligt sind. Sie sind einfach überall! Sie entwickeln als Raumfahrt-Ingenieurin das Raumschiff mit und geben schließlich das finale Go für den Launch, sie sitzen in den Kontrollzentren, sind Bestandteil wichtiger Support-Crews für Launch und Splashdown – und sie sind Teil der Crew an Bord der Orion Kapsel! Als die NASA das letzte Mal Menschen zum Mond gesendet hat, war es Frauen in Deutschland nicht erlaubt, uneingeschränkt ohne die Zustimmung ihres Ehemannes arbeiten zu gehen.

First braids to leave Earth orbit.
Christina Koch auf Instagram
Frauen im Weltraum? Damals undenkbar! Mit Christina Koch wurde ein für alle mal klar: Diese Zeiten sind vorbei! Während ich also weiter durch die Bilder auf Social Media stöbere, sehe ich das erste Mal seit Tagen keine schlechten Nachrichten, sondern tausende junge Frauen, für die Christina Koch als erste Frau auf dem Weg zum Mond zur Inspiration wird.
Eine blaue Murmel im schwarzen Nichts
Während der Mission die Bilder des Mondes zu sehen, ist beeindruckend – keine Frage. Doch es ist die Erde, winzig klein daneben, und die tiefe Verbundenheit innerhalb der Kapsel, die mir in Erinnerung bleibt. Schaue ich mir die Bilder an, sehe ich eine blaue Murmel inmitten der schwarzen Weite des Universums.

In all of this emptiness – this is a whole bunch of nothing, this thing we call the universe – you have this oasis, this beautiful place that we got to exist in together.
Victor Glover

Wie durch Zufall sind wir also genau hier gelandet: Wir haben Berge, die wir besteigen und Meere, in denen wir schwimmen können. Auf unserem Planeten leben mehrere Millionen Tierarten – und das sind nur diejenigen, die wir bereits entdeckt haben. Wir haben Züge, Flugzeuge und Autos gebaut, um diesen Planeten zu erkunden. Wir lieben und hassen, wir streiten und versöhnen uns. Ja, wir sind zutiefst menschlich. Die Erde als einzigartige Oase im Weltall zu sehen, löst etwas in mir aus. Denn plötzlich wird dieser Planet, den wir viel zu oft schlecht behandeln, wieder zu etwas Einzigartigem, das Schutz und Aufmerksamkeit verdient.
All you have to do on any given day is just get up and do your best, and try to find joy in your day, and try to contribute in a meaningful and positive way.
Jeremy Hansen
Wie der Mond zu unserem Spiegel wird
Bei Astronaut:innen gibt es das Phänomen des Overview-Effekts: Sie nehmen den Planeten, den sie aus dem Weltall gesehen haben, plötzlich anders wahr und lernen, ihn auf eine ganz neue Art und Weise wertzuschätzen. In dem Moment, in dem ich beginne, mit der Crew mitzufiebern, werde ich selbst ein Teil von ihr. Natürlich: Ich schwebe nicht durch das Weltall, sondern sitze gemütlich auf meiner Couch und doch – ja, irgendwie bin ich ein Teil von ihr. Je weiter ich mich von der Erde entferne, umso näher scheine ich ihr zu kommen. Und auch ich beginne langsam, sie anders zu betrachten, ihre Schönheit und Einzigartigkeit zu erkennen, sie noch mehr beschützen und umsorgen zu wollen.

Das Abenteuer Artemis II hält mir den Mond wie einen Spiegel vor Augen: Die Erde ist etwas Besonderes und nur wenn wir uns Tag für Tag für sie einsetzen, wird sie unser Zuhause bleiben. Ich spüre Demut für die atemberaubenden Landschaften, die dieser Planet uns bietet und Dankbarkeit für all die Abenteuer, die ich in ihnen erleben darf. Und, ich spüre Zuversicht – für die unbekannte Zukunft, die auf diesem Planeten vor uns liegt.
Habt ihr die Artemis II Mission auch verfolgt? Was hat euch bewegt? Schreibt es in die Kommentare!