
We need to talk about: Frauengesundheit Outdoors
Viele von uns kennen die Situation: Man freut sich auf die Tour, steht schon mit gepacktem Rucksack in der Tür oder ist bereits mittendrin – und plötzlich setzen Blutungen ein, manchmal zu früh, manchmal später als erwartet. Zyklusunregelmäßigkeiten auf Reisen und auf Tour, vor allem bei körperlicher Belastung und klimatischen Veränderungen, sind keine Ausnahme – sondern eher die Regel. Aber warum genau spielt der Körper unterwegs manchmal verrückt?
Trail & Cycle
Menstruation, Bewegung und Balance
Der weibliche Zyklus ist ein sensibles System, das auf viele äußere Einflüsse reagiert. Eine zentrale Rolle spielt dabei der zirkadiane Rhythmus – unsere innere Uhr. Sie reguliert nicht nur unseren Schlaf-Wach-Zyklus, sondern auch die Ausschüttung wichtiger Hormone. Gerät dieser Rhythmus aus dem Takt, kann das spürbare Auswirkungen auf den Hormonhaushalt haben. Die Folge: Ein temporäres hormonelles Ungleichgewicht, welches zu Veränderungen des Menstruationszyklus führen kann.
Einflussfaktoren Unterwegs:
- Jetlag und Zeitverschiebung, die die innere Uhr durcheinanderbringen
- Stress vor oder während der Reise, etwa durch Planung, Anreise oder körperliche Belastung
- Ungewohnte Ernährung/Flüssigkeitsdefizit und veränderte Essenszeiten
- Schlafmangel, z. B. durch Schlaf im Zelt oder unruhige Nächte
- Höhenlagen, die sich nicht nur auf Kreislauf und Atmung, sondern auch auf hormonelle Prozesse auswirken
Veränderungen im Zyklusverlauf während oder nach einer Reise sind völlig normal und kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Sie zeigen, wie feinfühlig der Körper auf neue Umgebungen und Anforderungen reagiert.

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Be wild, be well
Vorbereitung auf Zyklusunregelmäßigkeiten
Besonders bei mehrtägigen Outdoor-Abenteuern oder Bergtouren können Menstruationsbeschwerden und Blutungen zur körperlichen und hygienischen Herausforderung werden. Ein vorab bewusst zusammengestelltes Hygiene-Kit ist daher unerlässlich, um unterwegs gut vorbereitet zu sein und den eigenen Bedürfnissen gerecht werden zu können. Da jede Frau eigene Routinen und ein individuelles Hygieneempfinden hat, lohnt es sich, euch bereits vor der Reise Gedanken darüber zu machen. Ob auf Berggipfeln, im Zelt oder auf Expedition: Wer sich gut organisiert und auf die eigenen Bedürfnisse achtet, kann jedes Abenteuer unbeschwert genießen und die Periode unterwegs zur Nebensache machen.

Periode verschieben
geht das?
Sicher haben wir uns alle schon mal gewünscht, die Periode vor einer besonders herausfordernden Tour zu verschieben. Was aber kaum jemand weiß: Es ist durchaus möglich, die Periode sicher und unkompliziert mit Hormonpräparaten zu verlegen! Welche Methode infrage kommt, hängt davon ab, ob bereits hormonell verhütet wird oder nicht.
Kann ich meine Periode mit der Antibabypille verschieben?
Das hängt davon ab, welche Antibabypille eingenommen wird:
1. Einphasige Kombinationspille
Einphasige Pillen sind Kombinationspillen zur hormonellen Verhütung, bei denen sich die Hormonmenge (Östrogen und Gestagen) während des Zyklus nicht verändert.
Pillenpause verkürzen: Beim gezielten Verschieben der Periode wird der Zeitpunkt einer einzelnen Blutung verändert. Dazu kann beispielsweise die übliche 7-tägige Pillenpause beliebig verkürzt werden, z. B. auf 5 Tage. Das pillenfreie Intervall darf jedoch nicht beliebig verlängert werden, sondern maximal 7 Tage betragen, um den Empfängnisschutz weiterhin zu gewährleisten.
Pillenpause einmalig aussetzten: Dazu die Pillenpause komplett weg lassen und direkt mit dem nächsten Blister beginnen. So bleibt die Blutung normalerweise aus.
Pille durchnehmen (Langzyklus): Beim Langzyklus wird die Pille über mehrere Monate hinweg ohne Pause eingenommen, wodurch die Blutung ausbleibt.
Sonderfall: Periode mit dem Verhütungsring verschieben: Ein Verhütungsring besteht wie die Kombinationspille aus Östrogenen und Gestagenen. Wer einen vaginalen Verhütungsring verwendet, kann die Blutung ebenfalls verschieben. Soll die Periode lediglich auf einen anderen Wochentag verschoben werden, kann das nächste ringfreie Intervall um beliebig viele Tage verkürzt werden, so verschiebt sich der Beginn der nächsten Blutung entsprechend nach vorne. Auch beim Vaginalring gilt die Regel, dass das ringfreie Intervall beliebig verkürzt werden darf, jedoch auf keinen Fall über die üblichen 7 Tage hinaus verlängert werden darf, um den Empfängnisschutz weiterhin zu gewährleisten. Wer überhaupt keine Periode haben möchte, kann nach der üblichen Einliegezeit von in der Regel 3 Wochen direkt einen neuen Ring einlegen, anstatt die einwöchige Pause einzulegen. Dadurch bleibt die Entzugsblutung aus. Achtung: Der Vaginalring sollte nicht länger als 4 Wochen in der Vagina verbleiben, ansonsten kann der verhütende Schutz nicht mehr gewährleistet werden.
2. Mehrphasige Pillen
Mehrphasige Pillen sind Kombinationspillen zur hormonellen Verhütung, bei denen sich die Hormonmenge (Östrogen und/oder Gestagen) während des Zyklus verändert. Sie sind nicht dafür geeignet, die Periode eigenständig zu verschieben. Wer Änderungen am Einnahmeschema vornehmen möchte, sollte sich vorher ärztlich beraten lassen.
3. Minipillen
Minipillen sind hormonelle Verhütungspillen, die im Gegensatz zur klassischen Antibabypille nur ein Gestagen (kein Östrogen) enthalten. Da Minipillen ohne Pause durchgehend eingenommen werden, lässt sich die Blutung damit nicht gezielt verschieben. Viele Frauen haben dadurch zwar seltene oder ganz ausbleibende Blutungen, der Zeitpunkt der Blutung ist jedoch nicht aktiv steuerbar.

©Clay Banks
Wie kann ich meine Periode verschieben, wenn ich nicht hormonell verhüte?
Frauen mit einem natürlichen Zyklus ohne hormonelle Verhütung können mit Hilfe einer kurzfristigen hormonellen Gestagentherapie mit zum Beispiel dem Wirkstoff Norethisteron oder Medroxyprogesteronacetat (MPA) die Periode unter bestimmten Umständen verschieben. Im Grunde können „theoretisch“ auch andere progesteronhaltige Medikamente für diesen Zweck verwendet werden, jedoch ist die Verwendung zur Verschiebung der Periode immer ein off-label-use.
Was ist zu beachten? Norethisteron und MPA sind verschreibungspflichtige Gestagenpräparate, welche für den Zweck der Verschiebung der Periode nicht offiziell in Deutschland zugelassen sind (Off-Label-Use). Die Einnahme beginnt in der Regel drei Tage vor dem erwarteten Beginn der Periode und kann bis zu max. zwei Wochen fortgeführt werden. Nach dem Absetzen setzt die Blutung meist innerhalb von zwei bis drei Tagen ein.
Vorsicht: Die Einnahme der Gestagenpräparate beginnt zu einem Zeitpunkt, an dem eine sehr frühe Schwangerschaft mit den verfügbaren Untersuchungsmethoden noch nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Diese Gestagenpräparate schützen nicht vor einer Schwangerschaft und müssen bei eingetretener Schwangerschaft sofort abgesetzt werden. Deshalb eignen sich diese Methoden nur dann, wenn in dem betreffenden Zyklus keine Schwangerschaft möglich ist oder eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden kann.
Kann ich meine Periode mit Hausmitteln verschieben?
Einzelne Frauen berichten, dass Hausmittel wie Ingwer, Schafgarbe, Himbeerblätter oder Mönchspfeffer ihre Periode beeinflusst oder verschoben haben. Wissenschaftliche Belege für eine zuverlässige, gezielte und planbare Zyklusverschiebung gibt es jedoch nicht.
Ist die Periode zu verschieben, z. B. vor einer großen Bergtour, gefährlich für mich?
Nein. Nach derzeitigem Wissenstand ist das gelegentliche Verschieben oder Unterdrücken der monatlichen Blutung gefahrenlos möglich. Auch Studien zeigen keine Hinweise auf langfristige Risiken, wenn die Pillenpause zeitweise ausgelassen wird. Good to know: Die Blutung während der Pillenpause ist keine natürliche Menstruation, sondern eine hormonell ausgelöste Entzugsblutung. Ihr Ausbleiben ist aus medizinischer Sicht unproblematisch. Wenn du deine Periode ab und zu verschieben willst gilt dies als unbedenklich. Eine langfristige Unterdrückung der Blutung solltest du jedoch zusammen mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen. Wichtig: Das Verschieben der Periode hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Nach dem Absetzen der Hormone normalisiert sich die Regelblutung wieder.

©Getty Images
Let’s talk about blood, baby
Es ist höchste Zeit, dass Frauengesundheit auch im Outdoorsport ganz selbstverständlich thematisiert wird – offen, ehrlich und ohne Scham. Wer möchte, dass sich Frauen in der Natur frei und sicher entfalten können, muss auch an ihre körperlichen Bedürfnisse denken. Das bedeutet: mehr Aufklärung, mehr Austausch über das Thema Menstruation, praktische Tipps für Touren während der Periode und eine bessere Ausstattung von Hütten und Camps mit hygienischer Infrastruktur. Menstruation muss kein Hindernis sein – mit etwas Planung, passenden Produkten und Selbstfürsorge steht deinem Naturerlebnis nichts im Weg!
Liebste Grüße
Dr. Noemi Welsch

Die The Female Explorer Expertin für Frauengesundheit outdoors
- Dr. Noemi Welsch
- Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und bergbegeisterte Outdoor-Enthusiastin
- Expeditions- und Bergmedizinerin, Master in Extremmedizin
- Speakerin und Wissenschaftskommunikation
- @she.doc.explores
- womenshealthoutdoors@gmail.com
Weitere Artikel zum Thema Frauengesundheit Outdoors findet ihr in unserem Female Health Hub.