
Nachhaltige Outdoorkleidung: Darauf könnt ihr beim Kauf achten
Outdoorkleidung besteht in der Regel aus Kunstfasern, also Plastik. Das bringt in allen Lebensphasen eines Kleidungsstücks Probleme mit sich. Wir verraten euch, wo die Probleme liegen und was ihr schon beim Kauf beachten könnt.



Wer gerne Zeit in der Natur verbringt und bevorzugt draußen unterwegs ist, der weiß eine intakte Natur besonders zu schätzen. Outdoor-Kleidung soll uns bei Abenteuern in der Natur eigentlich schützen. Leider trägt genau die oft dazu bei, dass unsere Umwelt mit Mikroplastik belastet und durch Klimaschäden zerstört wird. Denn Outdoor-Funktionskleidung besteht in den meisten Fällen aus Polyester, also Kunstfasern. Ein Material, das von der Erdölgewinnung bis zur Entsorgung eine Herausforderung für die Umwelt darstellt.
Die Produktion von Polyester
Polyester ist das mit Abstand am meisten eingesetzte Material in der Mode-Industrie: 60 Prozent der neu produzierten Kleidung besteht heute aus der Kunstfaser. Kein Wunder, denn Polyester ist in der Herstellung billig und wandelbar wie keine zweite Faser. Vom Plissee-Rock über den Kuschelpullover bis zur Funktionshose kann Polyester alles sein. Das Material ist widerstandsfähig, feuchtigkeitsableitend und schnelltrockend – und damit perfekt für Outdoor-Kleidung geeignet. Polyester wird aus fossilem Erdöl hergestellt, dessen Förderung mit erheblichen Umweltrisiken einhergeht, wie zum Beispiel der Unfall der Ölbohrplattform Deep Water Horizon im Jahr 2010 beweist. Der Konzern BP hatte damals an Sicherheitsmaßnahmen gespart, was dazu führte, dass etwa 200 Millionen Liter Öl im Golf von Mexiko landeten und dort Ökosysteme, Feuchtgebiete und die einst blühende Fischerei und Tourismusindustrie vernichteten. Polyester ist aber auch deshalb problematisch, weil die CO2-Emissionen des Materials ungefähr doppelt so hoch wie die von Baumwolle sind, wenn man die fossilen Energieträger, die zur Polymerproduktion benötigt werden, miteinberechnet.



Mikroplastik im Abwasser
Auch in der Nutzungsphase stellt Polyester ein Problem dar, denn beim Waschen werden Mikroplastikpartikel ins Abwasser abgegeben, die letztlich in der Umwelt landen. Unsere Kläranlagen können das Mikroplastik nämlich nur zum Teil aus dem Wasser filtern, der Rest landet in unseren Flüssen und später auch Meeren. Forschende gehen davon aus, dass ungefähr ein Drittel des Mikroplastiks in den Meeren von Kleidung aus Kunstfasern stammt. Eine einzige Fleece-Jacke kann bis zu einer Million Fasern pro Waschgang freisetzen. Über den Nahrungskreislauf landet das Mikroplastik auch in unseren Körpern. Forschende haben Mikroplastik in menschlichem Blut, Kot und sogar in Muttermilch nachweisen können. Die Folgen der Belastung mit Mikroplastik sind noch nicht abschließend erforscht. Mikroplastik im Körper steht aber im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen, Entzündungen auszulösen, das Immunsystem zu stören und verschiedene andere Krankheiten zu begünstigen.


©Naja Bertolt-Jensen, ©Soren-Funk
Tipp: Nutzt einen Waschsack oder Waschmaschinen-Filter
Wenn ihr noch Kleidung aus Polyester Zuhause habt und diese das nächste Mal gewaschen werden muss, könnt ihr auf einen Waschsack (zum Beispiel Guppyfriend Washing Bag) oder einen Waschmaschinen-Filter zurückgreifen, um zu verhindern, dass Mikroplastik im Abwasser landet.
Entsorgung von Polyester-Kleidung ein Problem
Weil unser Mode-Konsum in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen hat, während die Nutzungsdauer kürzer geworden ist, haben wir heute ein großes Problem mit den vielen Tonnen an Textilabfällen, die jedes Jahr anfallen. 2023 wurden in Deutschland mehr als 400.000 Tonnen Altkleider exportiert. Einige Länder sind regelrecht geflutet von unseren abgetragenen Klamotten, weshalb diese bergeweise am Straßenrand liegen, in Flüssen landen oder schlichtweg verbrannt werden – ohne moderne Verbrennungsanlagen und Filter für Giftstoffe. Unsere Kleidung wird zu Plastikmüll in anderen Ländern, wo sie sich zu Mikroplastik zersetzt, weil Polyester nicht biologisch abbaubar ist.


Aber auch, wenn die Kleidung hierzulande verwertet werden soll, stellen Polyester-Gemische eine Herausforderung da, denn diese können nicht recycelt werden. Das geht momentan aus technischen Gründen nur bei Mono-Fasern, also Kleidungsstücken, die aus 100% Polyester oder 100% Baumwolle bestehen.
PFAS in Outdoor-Ausrüstung
Nicht nur Kunstfasern stellen für die Umwelt ein Problem dar, auch Imprägnierungen mit PFAS schaden ihr. PFAS sind Ewigkeitschemikalien, die sich in der Natur kaum zersetzen und sich in Organismen anreichern können. Sie schaden der Gesundheit von Mensch und Umwelt, weshalb aktuell ein Verbot diskutiert wird. Regenjacken und andere Kleidungsstücke mit wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften sind in der Regel imprägniert und könnten PFAS enthalten. Wer das vermeiden will, sollte darauf achten, dass die Imprägnierung ohne PFAS auskommt. Ein Beispiel für eine solche Imprägnierung ist zum Beispiel Bionic Finish Eco.
So gehen Hersteller mit dem Problem um
Inzwischen haben viele Outdoor-Brands ein Bewusstsein für die Problematik entwickelt und arbeiten an anderen Lösungen. VAUDE hat zum Beispiel mit der Rethink-circular Kollektion eine Produktreihe entwickelt, die so designt wurde, dass die Produkte recycelt werden können, wenn sie nicht mehr getragen werden. Vorher soll die Lebensdauer durch Reparaturen möglichst verlängert werden. Außerdem setzt das Unternehmen ausschließlich auf Imprägnierungen, die frei von PFAS sind.


Das Label Boldwill bietet Sportkleidung aus TENCEL und Bio-Baumwolle als Alternative zu Kleidung aus Polyester an. Das Angebot ist eher klein, aber für eine Grundausstattung reicht es vollkommen aus. Das Fair Fashion-Label Hessnatur hat Jacken aus Baumwollfleece im Angebot und stellt damit eine Ausnahme dar, denn der Blick in die Online Shops der meisten Brands zeigt, dass Polyester immer noch der Standard ist. Patagonia und viele andere Hersteller setzen allerdings vermehrt auf recyceltes Polyester, um zumindest die Probleme im Bereich der Erdöl-Förderung zu adressieren.
Worauf ihr beim Kauf achten könnt
Ihr seht: Outdoorkleidung aus Kunstfasern stellt in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung für die Umwelt dar. Hier kommen für euch daher ein paar Tipps, die ihr beim Kauf beachten könnt, um den eigenen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten.

Darauf könnt ihr beim Kauf
von Outdoor-Kleidung achten
- Naturmaterialien bevorzugen: Informiert euch gezielt, ob ihr das gewünschte Kleidungsstück auch aus Naturmaterialien kaufen könnt, zum Beispiel eine Baumwollfleecejacke oder Funktionsunterwäsche aus Wolle.
- Auf Mono-Materialien achten: Wenn ihr Kleidungsstücke aus Polyester kauft, achtet darauf, dass diese aus 100% Polyester bestehen, damit sie gut recyclebar sind.
- Auf Reparierbarkeit achten: Bietet der Hersteller die Möglichkeit an, die Kleidung bei ihm zu reparieren?
- Imprägnierung checken: Recherchiert, ob die Imprägnierung der Kleidung (wenn vorhanden) frei von PFAS ist. Die Hersteller schreiben in der Regel dazu, wenn das der Fall ist.
- Kleidung möglichst lange nutzen: Verlängert die Lebensdauer eurer Kleidung, solange es geht. Repariert und pflegt eure Kleidung!
- Kauft Outdoor-Second Hand!
Ein wichtiger Hebel, um Outdoor-Kleidung nachhaltig zu konsumieren, ist der Kauf von Second Hand Kleidung. Neben privaten Portalen wie Kleinanzeigen oder Vinted bieten auch immer mehr Hersteller von Outdoor-Kleidung eigene Preloved-Shops an, zum Beispiel Globetrotter oder VAUDE.
Achtet ihr beim Kauf von Outdoor-Kleidung auf Nachhaltigkeit & Fairness? Schreibt es in die Kommentare!