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Der Arc’teryx Lithos SL im Test: Wie viel Minimalismus verträgt ein Klettergurt?


Leicht, kompakt, reduziert aufs Wesentliche – der neue Lithos SL von Arc’teryx will kein Allrounder sein, sondern ein kompromissloser Sportklettergurt. Genau das macht ihn spannend. Wir haben ihn unserer Creatorin Sophia mitgegeben, die ihn auf ihrer Reise quer durch Europas Gebirge am Fels getestet hat. Was passiert, wenn ein ultraleichter Gurt auf eine Kletterin trifft, die sonst viel Material am Gurt trägt?

Ein Perspektivwechsel am Fels

Creatorin Sophia lebt und arbeitet aktuell im Van und reist mit Partner Marian und Hündin Nala entlang einem beeindruckenden Gebirgsbogen, der sich von der Slowakei über Rumänien und Bulgarien bis nach Griechenland zieht. Klettern, Wandern, Fotografieren. In den letzten Jahren lag ihr Fokus häufig auf Trad-Kletterei, Mehrseillängen und alpinen Touren – also Settings, in denen Komfort und Materialkapazität entscheidend sind.

Die letzten Jahre waren bei mir klettertechnisch vor allem von Trad-Kletterei, Mehrseillängen und ersten hochalpinen Touren geprägt. Entsprechend haben sich auch meine Anforderungen an einen Klettergurt verändert.

Sophia

Genau deshalb war der Lithos SL für sie interessant. Denn dieser Gurt verfolgt einen völlig anderen Ansatz: weniger Gewicht, weniger Features, dafür maximale Bewegungsfreiheit und eine klare Spezialisierung aufs Sportklettern.

Der Klettergurt Arc’teryx Lithos SL im Test

1Minimalismus, der sich wirklich bemerkbar macht

Schon beim ersten Anziehen fällt auf, wie stark reduziert das Design ist. Der Lithos SL ist extrem leicht und reduziert – und genau das spürt ihr sowohl beim Zustieg als auch in der Route. Sophia beschreibt es so:

Beim Klettern fühlt es sich teilweise an, als würde man gar keinen Gurt tragen. Besonders in überhängenden Passagen oder bei langen Zustiegen spielt das geringe Gewicht seine Stärke aus.

Sophia

Gleichzeitig wirkt der Gurt trotz seiner Leichtigkeit erstaunlich stabil. Die Konstruktion basiert auf der weiterentwickelten Warp Strength Technology – einem strukturellen Aufbau, bei dem die Last über die gesamte Breite von Hüftgurt und Beinschlaufen verteilt wird. Dadurch entsteht Stabilität ohne zusätzliche Polsterung.

2Passform neu gedacht

Ein eigentliche Gamechanger im Test war für Sophia das neue Größensystem. Statt klassischer Größen setzt Arc’teryx auf ein messbasiertes System: Die Zahl steht für den Hüftumfang, die Varianten A und B berücksichtigen unterschiedliche Beinproportionen. Das Ergebnis: eine deutlich präzisere Passform.

Gerade für schmale oder schwer einzuordnende Körperformen kann das einen echten Unterschied machen. Sophia, die bei vielen Gurten an die Grenzen der Verstellbarkeit stößt, hatte hier erstmals das Gefühl, dass der Gurt wirklich auf ihren Körper abgestimmt ist – ohne Kompromisse beim Sitz.

Sophias Passform-Feedback:

  • deutlich präzisere Passform als bei vielen klassischen Gurten
  • besonders interessant für Menschen, die oft zwischen zwei Größen liegen
  • kein Gefühl, den Hüftgurt bis zum maximalen Gurtende zuziehen zu müssen
  • sehr körpernaher Sitz ohne Verrutschen
  • endlich ein leichter Gurt, der nicht zu groß ausfällt

Gerade beim Klettern ist die richtige Passform eines Gurts entscheidend. Sitzt der Gurt nicht optimal, kann das nicht nur unangenehm werden, sondern auch eure Bewegungsfreiheit einschränken und im Sturzfall die Lastverteilung negativ beeinflussen (das bedeutet: es tut weh und ihr könntet euch verletzen). Ein gut sitzender Gurt liegt stabil an, ohne zu verrutschen oder einzuschneiden, gibt euch Sicherheit in jeder Position und sorgt dafür, dass ihr euch voll auf die Route konzentrieren könnt – statt ständig nachzujustieren.

Fit-Test der Female Explorer Redaktion

Auch innerhalb unserer Redaktion haben wir das neue Sizing-System auf die Probe gestellt. Sarah (Größe 40/42, mit kräftigeren Oberschenkeln, Po und Bauch) und Leo (Größe 38, schmale Taille, muskulöse Oberschenkel) bringen zwei unterschiedliche Körperformen mit – und genau hier zeigt sich die Stärke des Lithos SL. Während viele Gurte bei beiden regelmäßig Kompromisse erfordern, sorgt das neue System aus Hüft- und Beinschlaufen-Größen für deutlich präzisere Optionen. Besonders Leo, die sonst oft Schwierigkeiten hat, einen wirklich gut sitzenden Gurt zu finden, war positiv überrascht.

Ich habe selten einen Gurt getragen, der sich so selbstverständlich anfühlt. Sitzt perfekt, obwohl ich immer zwischen zwei Größen hänge!

Leo

3Klein im Packmaß, groß im Reisealltag

Ein weiterer Punkt, der im Test besonders herausgestochen ist: das Packmaß. Der Lithos SL lässt sich extrem kompakt verstauen – laut Sophia etwa ein Drittel kleiner als viele vergleichbare Modelle. Damit verschwindet er problemlos im Rucksack oder Van-Storage und ist ideal für alle, die viel unterwegs sind. Gerade auf Reisen oder bei wechselnden Spots merkt ihr schnell, wie angenehm es ist, wenn euer Gurt nicht unnötig Platz einnimmt.

4Robust und reduziert

Trotz der minimalistischen Bauweise wirkt der Gurt hochwertig und langlebig. Das Material ist abriebfest, hat sauber verarbeitete innenliegende Nähte und ist wasserabweisend. Besonders interessant finde das Sophia für rauere Gesteinsarten wie Sandstein, wo sich weichere Materialien oft deutlich schneller abnutzen. Auch kleine Details sind durchdacht: Die Konstruktion im Nierenbereich sorgt für eine ausgewogene Lastverteilung bei kurzen Hängern oder Stürzen, während Abstandshalter an den Materialschlaufen gerade beim Vorstieg die Expressen angenehm zugänglich machen.

5Wo die Grenzen liegen

Der Lithos SL ist kein Gurt für alles – und das ist auch nicht sein Anspruch. Die fehlende Polsterung macht sich bei längeren Hängephasen deutlich bemerkbar. Für kurze Hänger oder einzelne Stürze funktioniert er sehr gut, aber wer viel Zeit im Seil verbringt, wird irgendwann Komfort vermissen.

Auch die reduzierte Ausstattung zeigt klar, wofür der Gurt gedacht ist: Mit nur zwei Materialschlaufen reicht er für Sportklettern vollkommen aus, stößt aber bei Trad, alpinen Touren oder umfangreicher Ausrüstung an seine Grenzen. Außerdem fehlte Sophia eine intuitive Befestigungsmöglichkeit für den Chalk-Bag.

6Für wen der Lithos SL gemacht ist

Wenn ihr vor allem Sportklettert, Gewicht sparen wollt (vor allem bei langen Zustiegen) und einen klar spezialisierten Gurt sucht, passt der Lithos SL sehr gut zu euch. Wenn ihr regelmäßig Mehrseillängen geht, viel Material mitschleppt oder lange im Gurt sitzt, solltet ihr euch eher bei komfortableren Modellen umsehen. Der Lithos SL will nicht alles können – und genau das macht ihn stark.

Arc’teryx
Lithos SL Klettergurt

  • Gewicht: ultraleichter Sportklettergurt (ca. 275–315 g je nach Größe)
  • Maße: sehr kleines Packmaß, ideal für Reisen und Zustiege
  • Material: robust, abriebfest und wasserabweisend
  • Nachhaltigkeit: mit bluesign® zertifiziertem Material
  • Preis: 150,00 €
  • Features:
    • minimalistische Konstruktion mit nur einer Metallschnalle und zwei Materialschlaufen mit genügend Platz für einen kompletten Satz Expressschlingen
    • Warp Strength Technology für stabile Lastverteilung bei geringem Gewicht
    • präzise Passform durch neues unisex Größensystem: 6 Hüftgrößen (1–6) kombiniert mit zwei Beinschlaufenoptionen (A/B)
    • innovatives Schnallendesign erleichtert das An- und Ausziehen
    • sehr hohe Bewegungsfreiheit durch körpernahe Passform

Fazit: Weniger kann tatsächlich mehr sein

Der Lithos SL ist kein Gurt für jede Situation – aber genau darin liegt seine Qualität. Als spezialisierter Sportklettergurt überzeugt er mit geringem Gewicht, präziser Passform und maximaler Bewegungsfreiheit. Für Sophia ist er der perfekte Begleiter für ihre Reise, bei der sie neue Klettergebiete erkunden und wieder häufiger anspruchsvolle Routen klettern möchte. Ihr Fazit bringt es auf den Punkt:

Der Lithos SL versucht nicht, ein Allrounder zu sein. Er will kein Trad-Gurt, kein Alpingurt und kein Komfortwunder sein. Er ist ein kompromissloser Sportklettergurt – und als solcher funktioniert er hervorragend.

Sophia

Ihr möchtet mehr übers Klettern erfahren? Lest unser Portrait über Profi-Kletterin und Arc’teryx Athletin Lara Neumeier „Meine Freiheit ist senkrecht.“

Über die Autor:innen

Sarah Muehl

Die Wildnis hat Sarah aka Woodstock 2022 auf dem PCT lieben gelernt. Seitdem versucht sie mit allen Mitteln ihre ausgeprägte Wanderlust zu stillen. Bei The Female Explorer ist sie als Creative Director für wilde Ideen und ihre Umsetzung verantwortlich und scheut sich dabei auch nicht vor Bühnen, Kameras und Mikrofonen.

Leonore Herzog

Als Director of Photography hat Leo beim Female Explorer meist die Kamera in der Hand, leitet die Bildredaktion und das Creators Programm, bei dem Content Creatoren für The Female Explorer unterwegs sind. Selbst ist sie gern per Gravelbike auf wilden Abenteuern unterwegs oder entdeckt die Welt mit ihrer kleinen Familie, am liebsten im Camper.

Wilder
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