Longboard Girls Crew Switzerland – Freiheit auf vier Rollen


Der Wind im Gesicht, der Asphalt unter den Füßen und die unendlichen Möglichkeiten, neue Lines zu entdecken, machen jede Skate-Session einzigartig. Immer mehr Frauen erobern die Szene, brechen Klischees und inspirieren andere, sich aufs Brett zu wagen. Denn in Communities wie die Longboard Girls Crew Switzerland (LGC Switzerland) zählt nicht das Geschlecht, sondern die Leidenschaft und der gegenseitige Support. Die Schweizer Community möchte für Mädchen, Frauen und FLINTA* eine sichere Gemeinschaft schaffen, in der Skaten nicht nur ein Sport, sondern auch ein Werkzeug zur Ermächtigung und Vernetzung ist, erzählt uns Annina, die Projektmanagerin und Trainerin der LGC Switzerland. Erfahrt im Interview mit ihr mehr über die Vision der Crew, wie ihr mitmachen könnt und was euch neben der Freiheit auf vier Rollen in der Community erwartet.

*Mit FLINTA* sollen Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen bezeichnet werden.

Skate-Community reloaded
Frauenpower auf vier Rollen

Die Skateboard-Szene hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt – insbesondere für Frauen. Während das Skaten lange als reine Männersache galt, haben sich immer mehr Frauen ihren Platz auf dem Brett erkämpft. In den 90ern und frühen 2000ern waren Skaterinnen noch eine Seltenheit, doch mit Social Media, Skate-Camps, Förderprogrammen etc. wuchs die Sichtbarkeit rasant. Heute gibt es zwar eine stärkere weibliche Skate-Community, professionelle Fahrerinnen und Sponsoren, die weibliche Talente fördern, „aber Skateparks, Wettbewerbe und öffentliche Räume werden immer noch von Männern dominiert. Das kann sehr einschüchternd sein und schreckt viele Frauen ab. Skaten wird immer noch als „männlicher“ Sport angesehen. Außerdem werden Frauen beim Skaten in den Medien und in der Werbung oft auf eine Weise dargestellt, die sie auf ihr Aussehen reduziert,“ sagt Annina von der Longboard Girls Crew Switzerland.

Unser Ziel ist es, einen einladenden und sicheren Raum zu schaffen, in dem sich die Teilnehmerinnen zugehörig fühlen, Selbstvertrauen aufbauen und ermutigt werden, selbst öffentlich zu skaten.

They see us rollin´
Longboard Girls Crew Switzerland

Die treibende Kraft hinter der LGC Switzerland-Community bildet der Verein Longboard Women United Switzerland (LWUS). Dieser junge, gemeinnützige Verein wurde im Januar 2020 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Lausanne, Schweiz und wird von engagierten Frauen ehrenamtlich geleitet. Regelmäßig organisiert das Team Skate- und Longboard-Workshops in der Schweiz für Mädchen, Frauen und alle Interessierten. Ein Kernteam aus acht Frauen betreut unterstützt von zusätzlichen Coaches und engagierten Freiwilligen verschiedenste Kurse und Skate-Events.

Empowered by every push
LCG Switzerland Trainerin Annina

Annina Brühwiler – Projektmanagerin und Trainerin der LGC Switzerland – hat sich trotz anfänglicher Selbstzweifel und gesellschaftlicher Klischees dazu entschlossen, mit Mitte 20 das Downhill-Skateboarden zu erlernen. Eine Entscheidung, die ihr Leben grundlegend verändert hat. Heute fährt sie mit ihrem Board weltweit steile Passstraßen hinunter und gibt ihre Erfahrungen in Skatekursen an andere Frauen weiter. Skaten bedeutet für sie Freiheit, Adrenalin, Gemeinschaft und das Überwinden von Ängsten. Auf ihren Reisen taucht sie tief in andere Kulturen ein und wird von der globalen Skate-Community herzlich aufgenommen. Ihre Reisen führten sie unter anderem nach Peru, Indonesien und auf die Philippinen, wo sie durch die Skate-Community tiefen Einblick ins lokale Leben erhielt. Besonders prägend war für sie ein Skatecamp für Frauen, das ihr Selbstvertrauen stärkte und ihr den Einstieg in die Szene ermöglichte. Skaten wurde für sie zur Lebensschule: Sie lernte hinzufallen und wieder aufzustehen – im Sport wie im Leben. Mit ihren Kursen in der Schweiz fördert sie Female Empowerment und zeigt, dass man nie zu alt ist, etwas Neues zu wagen.

Über Support, Vielfalt und Gemeinschaft
Annina im Interview

Was Steckt hinter der Longboard Girls Crew Switzerland und was ist eure Botschaft?

AIn erster Linie bieten wir Kurse in verschiedenen Skate-Disziplinen für Frauen an. Die Teilnehmerinnen lernen aber viel mehr als nur Skaten. Sie entwickeln Fähigkeiten, mit Ängsten und Risiken umzugehen, Ideen auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen und miteinander in Kontakt zu treten. Wir sind auch in den sozialen Medien aktiv, um neue Skaterinnen zu erreichen und die Sichtbarkeit von skatenden Frauen zu erhöhen, andere zu inspirieren und Vorbilder sichtbar zu zeigen.

Wir sind Teil der internationalen Bewegung Longboard Girls Crew.
Mit unseren Aktivitäten und Skatekursen wollen wir Frauen, Mädchen und FLINTA* stärken, Stereotypen aufbrechen und Communities aufbauen.

Wie habt ihr angefangen und wie hat sich eure Arbeit entwickelt?

AIm Jahr 2018 haben wir unsere ersten Skatekurse angeboten, zunächst ohne Vereinsstruktur, einfach über Instagram und private Kanäle. 2020 haben wir dann den Verein Longboard Women United Switzerland hinter dem Projekt Longboard Girls Crew Switzerland gegründet und die Kurse offiziell lanciert. Die Nachfrage war von Anfang an enorm, vor allem während der COVID-19-Sperre, als Outdoor-Aktivitäten ohne Kontakt zu den wenigen sozialen Möglichkeiten gehörten.

Heute sind wir hochprofessionell – mit eigenem Branding, Website, Onlineshop und als Partner des größten Longboard-Tanz und Freeridewettbewerbs der Schweiz. Wir sind in der Schweizer und internationalen Skate- und Longboard-Szene gut vernetzt. Mit der Longboard Girls Crew International haben wir bei internationalen Veranstaltungen wie dem Push Forward Fest 2023 in Barcelona Einblicke in unsere Arbeit gegeben und an dem LGC-Filmprojekt Beyond Bo(a)rders teilgenommen.

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Was treibt die Longboard Girls Crew an?

ADie Longboard Girls Crew (global) hat starke Grundwerte, darunter Respekt, Toleranz, Inklusion und Empowerment durch Skateboarden. Wir stehen zusammen, unterstützen uns gegenseitig gegen Sexismus oder Rassismus und beziehen klar Stellung, auch mit öffentlichen Statements in den sozialen Medien. In ihren Rückmeldungen erwähnen die Teilnehmer:innen häufig Gedanken wie „Sicherer Raum! Nicht wertend! Herzlich und motivierend! Große Vielfalt, weibliche Vorbilder und starke Frauen! Positive Energie, Anleitung, persönliches Wachstum und Gemeinschaftsgefühl!“. Zu solchen Erfahrungen und Gefühlen durch unsere Kurse beizutragen, ist das, was uns wirklich antreibt.

Warum hast du dich entschieden, der Longboard Girls Crew beizutreten? Was sind deine Aufgaben?

AFür mich waren die reinen Frauen-Skatekurse ein entscheidender Wendepunkt. Weibliche Vorbilder und Skate-Coaches waren für mich unverzichtbar, und mir wurde klar, dass es vielen anderen genauso geht. Es berührt mich, wenn Frauen erzählen, dass unser Ansatz und unsere Tipps sie zum Skaten motiviert und inspiriert haben. Ich bin die Projektleiterin für Kurse und Events in der Deutschschweiz, zuständig für die Zusammenarbeit mit dem Sportamt Zürich (das uns seit vier Jahren finanziell unterstützt), das Posten von Kursen auf Instagram und der Website sowie das Community Management. Ich arbeite eng mit den Crewmitgliedern in Lausanne und verschiedenen Trainern in der ganzen Schweiz zusammen. Wann immer möglich, bin ich auch als Skate-Coach tätig – bis zu 15 Mal im Jahr. Meine Arbeit beim LGC Switzerland ist zu einem kleinen Teil meiner Selbstständigkeit geworden, was mich unglaublich erfüllt. 

Warum sind deiner Meinung nach Veranstaltungen nur für Frauen wichtig und Welche Chancen und Nachteile siehst du darin?

AFrauen gehen mit Risiken und Ängsten oft anders um als Männer. Aus meiner Erfahrung habe ich festgestellt, dass männliche Coaches meine emotionalen Herausforderungen oft nicht verstanden haben, wenn ich überfordert war. Weibliche Coaches hingegen neigen dazu, Mitgefühl zu zeigen und die richtige Ermutigung zu geben. Deshalb sind unsere reinen Frauenkurse so wichtig: Sie bieten ein sicheres, unterstützendes Umfeld, in dem die Teilnehmerinnen Vertrauen aufbauen können. Interessanterweise fühlen sich viele nach ein oder zwei reinen Frauenkursen bereit, in der Öffentlichkeit oder mit Freund:innen zu skaten. Der Nachteil ist jedoch, dass reine Frauenräume ungewollt Exklusivität schaffen können. Deshalb öffnen wir unsere Kurse und Veranstaltungen gelegentlich auch für Männer, damit sich alle einbezogen fühlen. 

Wie fördert die Longboard Girls Crew Vielfalt und Integration im Longboarding und Skateboarding, wie können barrieren abgebaut werden?

AWir bemühen uns, nicht nur Frauen und Mädchen, sondern auch FLINTA* Personen anzusprechen. In Zürich bieten wir für diese Zielgruppe regelmässig Street-Skate-Kurse in der Skatehalle an. In Lausanne organisieren wir Kinderskatekurse mit Geflüchteten. Diese ermöglichen es den Kindern, ihre schwierige Reise für einen Moment zu vergessen und durch das Skateboarden Selbstwirksamkeit zu erfahren. Dies trägt nicht nur zur Inklusion, sondern auch zur Integration bei. Auch unsere inklusive Sprache und vielfältige Bildsprache auf Social Media spielen eine Rolle. Auf unserem Instagram-Kanal findet man nicht (nur) schlanke, langhaarige Skaterinnen in Bikinis, sondern ganz „normale“ Menschen, die unsere Community repräsentieren.

Ich wünsche mir, dass sich jede:r in ihrem/seinem Sport wohlfühlt, ohne sich Gedanken über geschlechtsspezifische Stereotypen oder Urteile zu machen. So wie es normal ist, eine Frau auf einem Fahrrad fahren zu sehen, sollte das auch für das Skateboarden gelten.

Welche massnahmen ergreift ihr, um Barrieren abzubauen und den Zugang zum Longboarden für Frauen und Mädchen zu erleichtern? 

AWir bieten kostenlose Schutzausrüstung an und legen einen Fokus auf Bremstechniken und sicheres Fahren, bevor wir die ersten Tricks zeigen. Sobald die Teilnehmerinnen ihre Angst vor Stürzen überwunden haben, können sie sich voll und ganz auf ihre Boards und Tricks konzentrieren. Wir fördern auch eine unterstützende Lernatmosphäre, in der Stürze als normal angesehen werden und jeder kleine Erfolg gefeiert wird. Indem wir die Teilnehmerinnen auf ihrem Niveau ansprechen, unsere eigenen Ängste und Erfahrungen mit ihnen teilen und sie zur gegenseitigen Unterstützung ermutigen, schaffen wir ein Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit.

Welchen Rat würdest du Frauen und Mädchen geben, die den Mut haben, Longboarden auszuprobieren?

ADer erste Schritt ist oft der Schwerste – aber er ist leichter, wenn man nicht allein ist. Unser Rat: Sucht euch eine Gemeinschaft, probiert einen Kurs aus und lasst euch darauf ein. Experimentiert mit verschiedenen Brettern, denn Skaten ist unglaublich vielseitig – vielleicht macht euch Longboard-Tanzen mehr Spaß als Streetskaten. Und denkt daran: Ausdauer zahlt sich aus. Stürze gehören dazu, aber der Schlüssel ist, wieder aufzustehen. Ihr habt das Laufen nicht nach einem einzigen Versuch gelernt, also bleibt dran – und genießt die Fahrt!

Community zum Mitmachen
LGC Switzerland

Ort Schweiz in Orten wie Zürich, Lausanne
KurseLongboard-Tanzen, Street Skate, Pumptrack und Surfskate
Alterab 8 Jahren
Webseitewww.lgcswitzerland.com
Instagram@lgcswitzerland


Mehr zu Anninas persönlicher Reise mit dem Longboard, ihren Skateboard Reisen und einer weltweiten Community lest in ihrem inspirienden Artikel Mit 80 km/h auf dem Longboard durch die Anden. Über ihre Skate Trips und Erfahrungen könnt ihr ebenso eine Vielzahl an Artikel von Annina auf ihrer Webseite Ninsk on Tour erfahren.

Liebt ihr es auch, mit Gleichgesinnten die Freiheit auf vier Rädern zu genießen? Erzählt uns von euren Skate-Community Erfahrungen in den Kommentaren!

Über die Autor:innen

Milena Scheller

Milena ist freie Autorin beim Female Explorer. Als leidenschaftliche Drahteselzähmerin feiert sie mit jeder Kurbelumdrehung ihre Liebe zur Natur und zum draußen Sein. Sie teilt am liebsten ihre Momente in der Natur beim Radeln, Wandern und Stargazing – immer mit einer Portion Mikrofeminismus.

Steffka Bunge

Steffka ist Chefredakteurin und Lektorin beim Female Explorer und liebt es, sich mit den Abenteuer-Storys der Community an verschiedene Ort zu träumen. In freien Momenten bereist sie mit ihrer Familie die Welt, um sich am Zauber der Natur zu erquicken und im Wasser beim Schnorcheln und Tauchen den Alltag zu vergessen.

Wilder
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