
Community Story
Your stories – your magazine! Hier lest ihr einen Artikel aus unserer Female Explorer Community. Wir freuen uns über EURE Einsendungen an: story@thefemaleexplorer.de
My Peak Moment – Tabeas Kampf auf Islands Gipfel
Für unsere My Peak Moment Kampagne mit PeakVisor haben wir die Community gebeten, ihre ganz persönlichen Gipfelgeschichten zu teilen. Diese hier von Tabea hat uns besonders berührt: Die Geschichte zu meinem Peak Moment begann in einem Krankenbett fernab von Islands Gipfeln und abenteuerlichen Pfaden – mit mehreren Hüftoperationen und einer Zeit voller Rückschläge. Ich musste meine Wanderschuhe gegen den Rollstuhl und Wanderstöcke gegen Krücken tauschen. Zwei Jahre dauerte der Aufstieg aus dem Tal voller Schmerz und Zweifel zurück auf die Gipfel Islands. Die Sehnsucht nach meinem Herzensland gab mir die Kraft, immer wieder aufzustehen – und nicht den Mut zu verlieren, auch wenn der Weg unendlich schien.
Im Tal
Eine Diagnose, die alles verändert
Vor der OP war selbst das Gehen eine Herausforderung. Anfangs spürte ich nur leichte Schmerzen bei längeren Touren, später waren selbst kleine Wanderungen kaum noch möglich. Erst eine hartnäckige Entzündung im Gelenk führte zur genauen Diagnose: Ich hatte eine angeborene Fehlstellung beider Hüftgelenke. Die Ärzte empfahlen mir eine spezielle Korrekturoperation, die meine Beschwerden dauerhaft beheben sollte. Die Entscheidung dafür wog schwer – Der Eingriff bedeutete einen langwierigen Genesungsprozess und eine lange Phase völliger Abhängigkeit.

Gleichzeitig versprach die OP die Möglichkeit, irgendwann wieder schmerzfrei leben zu können und das zu tun, was ich liebte. Nach vielem Zweifeln, Hoffen und Überdenken ließ ich mich im November 2023 schließlich auf das Abenteuer ein.
Warten, Hoffen, Aushalten
Zunächst wurde das rechte Hüftgelenk korrigiert – Umliegende Knochen wurden gebrochen, die Hüftpfanne neu ausgerichtet und mit Schrauben fixiert. Was dann folgte war jedoch die eigentliche Qual: Monatelang lag ich auf dem Rücken und durfte nicht aufrecht sitzen. Schließlich musste ich das Laufen von Grund auf neu lernen. Mein Alltag bestand aus Warten und Aushalten. Selbst einfache Dinge wie Duschen oder Anziehen wurden zur Herausforderung. Ich trainierte täglich, machte Physiotherapie, baute Muskeln auf und kämpfte mich Schritt für Schritt zurück. Und dann? Kaum war ich fit genug, um wieder durch die Wälder zu spazieren, begann mit der OP der linken Seite alles von vorne: Schmerzen, Reha, langsame Genesung – und die Zerreißprobe meiner Geduld und Nerven.
Islands Gipfel zum Greifen nah
Nach der zweiten Operation schien zunächst alles gut zu verlaufen. Dann traten plötzlich Schmerzen auf und die Untersuchungen zeigten, dass einer der Knochen nicht richtig zusammenwuchs. Ich musste das Training anpassen und abwarten. Unsicherheit und Zweifel fluteten meine Gedanken. Musste ich noch einmal operiert werden? Der Sommer wurde zur Geduldsprobe. Ich beschränkte mich auf kleine Bewegungen, trainierte vorsichtig weiter und versuchte, den Mut nicht zu verlieren. Kurz vor unserer geplanten Islandreise, die mein Mann und ich schon lange im Voraus gebucht hatten, erhielt ich endlich die erlösende Nachricht: Der Knochen war stabil genug und ich durfte weiter Muskeln aufbauen. Was für ein Timing!

Dort, inmitten der rauen Schönheit und anspruchsvollen Witterung, wollte ich herausfinden, was mein Körper wieder leisten konnte.
Schon seit meiner ersten Reise nach Island war die Insel mein Sehnsuchtsort – die Weite, die Ruhe des Hochlandes und die ungezähmte Kraft der Natur ließen mich nicht mehr los. Unsere Reise im Herbst 2025 würde jedoch eine ganz besondere Bedeutung haben: Dort, inmitten der rauen Schönheit und anspruchsvollen Witterung, wollte ich herausfinden, was mein Körper wieder leisten konnte.
Kleine Schritte – große Erfolge
Noch während der Vorbereitung auf die Reise bemerkte ich, dass sich mit den Operationen nicht nur meine Beweglichkeit, sondern auch die Statik meines Körpers verändert hatte: Das Tragen meines bisherigen Rucksackes war für mich nicht mehr möglich. Der Hüftgurt lag genau dort auf, wo die Schrauben im Becken positioniert waren. Ich fand glücklicherweise ein speziell für Frauen geschnittenes Modell, das an den richtigen Stellen entlastete. Meinen eigenen Rucksack tragen zu können war essentiell: Ich konnte damit ein großes Stück Selbstbestimmung zurückgewinnen.


Als Delfine die Fähre beim Einlaufen in den Fjord begleiteten, waren die Strapazen der vergangenen zwei Jahre beinahe vergessen. Dann berührten meine Füße endlich isländischen Boden und es fühlte sich an, als würde ich nach Hause kommen. Und obwohl ich noch nicht bei voller Kraft war, fühlte ich mich bereit, meine Grenzen zu testen. Die ersten Wanderungen waren anstrengend. Jeder Schritt erforderte Konzentration und Vertrauen in meinen Körper. Ich lernte schnell, wie wichtig es war, Pausen zuzulassen und meine Energie einzuteilen. Aus kurzen Wanderungen wurden allmählich wieder Tagestouren und mit jedem Tag fühlte ich mich freier: Ich spürte, wie meine Beine kräftiger wurden und mein Mut zurückkehrte. Jede Wanderung war ein kleiner Erfolg.
Aufbrechen, Umkehren, wieder auf den Weg machen
Schon vor Jahren hatten mein Mann und ich geplant, diesen einen Gipfel im isländischen Hochland zu besteigen. Der Berg war nicht besonders hoch, doch wir wussten: Der Ausblick von oben würde atemberaubend sein. Doch welche besondere Bedeutung dieser Gipfel einmal für mich haben würde, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.
Beim ersten Versuch wurden wir kurz vor dem Gipfel von einem Unwetter überrascht: Prasselnder Regen, dichter Nebel und starker Wind machten den Aufstieg ungemütlich und zwecklos. Wir kehrten um, ohne die Aussicht wirklich genießen zu können, denn die Sicht reichte gerade einmal für ein paar Meter.

Am nächsten Tag wollten wir es erneut versuchen, doch die Wetterprognose des lokalen Rangers war wieder eher bescheiden. Letztendlich machten wir uns dennoch auf den Weg und ich merkte bereits nach wenigen Metern, wie müde ich vom Vortag war.

Doch mein Ehrgeiz war geweckt und wuchs mit jedem Schritt. Nach einer Weile ließ ich mich etwas zurückfallen, um alleine weiterzugehen – Ich wollte meinen Rhythmus finden und mich ganz auf meinen Körper konzentrieren.
Herzklopfen auf Islands Gipfeln
Je höher wir kamen, umso besser wurde das Wetter: Der Himmel klarte auf, der Wind ließ nach und die Aussicht wurde mit jedem Höhenmeter beeindruckender. Kurz vor dem Gipfel fühlten sich meine Schritte leichter und leichter an, obwohl meine Beine zitterten und mein Herz pochte. Dann war es soweit: Ich stand oben. Vor mir entfaltete sich ein überwältigendes 360° Panorama über das isländische Hochland und den Vatnajökull, Europas größten Gletscher.

Da war er, mein Peak Moment. Der Moment, in dem ich wusste, dass sich alles gelohnt hatte. Ein Moment voller Glück und Dankbarkeit. Ich war stolz auf meinen Körper, der mich getragen hatte, obwohl ich oft an ihm gezweifelt hatte. Dieser Gipfel war zwar kein Achttausender, doch für mich bedeutete er alles. Er war der Beweis, dass ich meinem Körper wieder vertrauen konnte und ganz bei mir angekommen war.
Mein Peak Moment?
Mein Körper trägt mich wieder!
Manchmal sind die größten Gipfel unsichtbar und die schwersten Aufstiege verborgen. Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören, geduldig zu bleiben und kleine Fortschritte zu feiern. Jeder Schritt zählt, auch wenn er noch so unbedeutend scheinen mag.
Ich hätte nie gedacht, dass mich eine Krankheit einmal stärker machen würde. Heute weiß ich, dass innere Stärke nicht entsteht, wenn alles leicht ist – sondern wenn man weitermacht, obwohl es schwierig ist. Wenn auch ihr gerade an einem Punkt seid, an dem ihr zweifelt, dann glaubt an euch und habt Geduld. Heilung braucht Zeit.
Habt auch ihr einen ganz besonderen Peak Moment, der nicht nur die Höhe des Gipfels, sondern die Tiefe in eurem Herzen bestimmt wird? Schreibt es in die Kommentare!
Liebe Tabea, ich bin sehr stolz auf dich. Da denkt man, man kennt seine Kinder und tut es doch nicht. Ich musste mir jetzt echt , die ein oder andere Träne weg drücken. Ich war immer auf deine Hüfte fokussiert und nicht wirklich auf dein Seelenleben. Ich habe es jetzt verstanden und verstehe, dass du deine Gedanken mit anderen teilen möchtest. Ich wünsche mir, dass du weiter deinen Weg gehst. Da ich neben dir ja noch 3 andere Kinder habe, versuche ich in Zukunft etwas aufmerksamer zu sein. Das sollte dann für alle meine Kinder gelten. Ich habe euch alle lieb.
Bin so stolz auf meine kleine Schwester. ♥️