
Chronische Blasenerkrankung – und wie man das Unterwegssein trotzdem genießen kann
Brennen beim Wasserlassen, ständiger Harndrang, Schmerzen im Unterleib. Dann ist sie meistens wieder da: die gute alte Blasenentzündung. Viele von uns kennen sie leider nur zu gut, denn die Erkrankung gehört zu den häufigsten Gesundheitsproblemen von Frauen. Meist verschwinden die Beschwerden nach einigen Tagen wieder. Doch was, wenn die Schmerzen und der Harndrang bleiben – ganz egal, was man versucht? Wenn die Blase das Reisen, Outdoor-Abenteuer und selbst alltägliche Dinge unerwartet kompliziert macht?
Ein ewiges Leidthema von uns Frauen: Die Blasenentzündung
Die gute Nachricht zuerst: Mit einer Blasenentzündung seid ihr nicht allein, und oft lässt sie sich relativ gut behandeln. Die etwas schlechtere Nachricht: Für uns Frauen ist das Risiko einer Erkrankung deutlich höher. Fast jede zweite Frau ist mindestens einmal im Leben davon betroffen, bei Männern ist es nur jeder Zehnte. Der Grund dafür liegt vor allem in der Anatomie. Weil die weibliche Harnröhre deutlich kürzer ist als die männliche, können Bakterien leichter in die Blase aufsteigen. Dazu kommen unsere Hormone: Sinkt der Östrogenspiegel – wie vor der Menstruation oder nach den Wechseljahren – verändert sich das Scheidenmilieu und die natürliche Schutzbarriere gegen Keime wird geschwächt.

Wenn die Schmerzen plötzlich doch nicht mehr verschwinden
Die typischen Symptome wie Schmerzen und Harndrang können unseren Alltag zwar ganz schön auf den Kopf stellen, jedoch ist die meist recht harmlose Infektion gut behandelbar und nach einigen Tagen wieder vergessen. Meine Geschichte beginnt jedoch erst hier: Mit 16 Jahren hatte ich meine erste Blasenentzündung. Was damals wie eine typische Zystitis begann, begleitet mich bis heute – und wird es auch mein Leben lang. Denn während die Entzündung vermeintlich ausgeheilt war, blieben die Beschwerden.
Die Schmerzen und der Harndrang wurden ein ständiger Begleiter und aus einem eigentlich kurzfristigen Problem eine chronische Erkrankung.
Wenn aus Tagen Jahre werden
Es folgten viele Arztbesuche, Untersuchungen und Therapieversuche. Nichts davon half. Und obwohl die Beschwerden weiterhin da waren, ließ sich häufig keine akute Entzündung mehr nachweisen. Sieben Jahre, viele Medikamente und eine Biopsie später stand schließlich (endlich) eine Diagnose fest: Die chronische Krankheit Interstitielle Zystitis, kurz IC.
Was ist Interstitielle Zystitis?
- Die Interstitielle Zystitis (IC) ist eine chronische, nicht infektiöse Erkrankung der Harnblase mit anhaltenden Schmerzen im Beckenbereich, starkem Harndrang und häufigem Wasserlassen.
- Die IC ist selten. Grobe Schätzungen gehen bei Frauen von ca. 52–500 Fällen pro 100.000 und bei Männern von 8–41 Fällen pro 100.000 aus. Allerdings handelt es sich um ein schweres und langwieriges Krankheitsbild, das zudem kaum zu therapieren sein kann.
- Typisch sind Blasenschmerz oder Druckgefühl, starker Harndrang, Nykturie (nächtlicher Harndrang) und eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität.
- Die Behandlung kann u.a. über Medikamente, Blasenspülungen mit speziellen Wirkstoffen oder – je nach Form der Erkrankung – kleinere Eingriffe an der Blase eingesetzt werden. In schweren Fällen kommen zudem Behandlungen wie Botulinumtoxin oder eine gezielte Stimulation der Blasennerven infrage.
- Die Krankheit lässt sich meist so behandeln, dass man gut damit leben kann. Eine Heilung etwa wie bei einer Harnwegsinfektion ist aber nicht möglich. Bis heute ist nicht genau bekannt, warum die Interstitielle Zystitis entsteht.
Wie lebt man mit ständigem Harndrang?
Naja, wenn man ständig ein Klo direkt bei sich hat, bei öffentlichen Toiletten zufällig niemand ansteht und die Schmerzen ausblendet – gar nicht so schlecht! Aber Spaß beiseite. Oft sind es dabei die kleinen Dinge, die viele Gedanken einnehmen: der Blick nach der nächsten Toilette, Schmerzphasen, die aus dem Nichts auftauchen, Termine, die um die Beschwerden herum organisiert werden müssen oder dann nicht stattfinden können.
Wenn ich weiß, dass ich längere Zeit draußen und der Kälte ausgesetzt bin, achte ich z. B. darauf, flexibel nach Hause zu kommen und nicht darauf angewiesen zu sein, noch irgendwo ausharren zu müssen. Im Sommer denke ich beim Baden automatisch daran, nasse Kleidung schnell wieder zu wechseln. Und ganz grundsätzlich fühle ich mich entspannter, wenn ich weiß, dass eine Toilette in der Nähe ist. Kurz vor meiner nächsten Behandlung, wenn die Beschwerden langsam wieder zunehmen und die Medikamente nachlassen, passe ich meinen Alltag ebenfalls etwas an. Dann verzichte ich lieber auf Alkohol, versuche wenig Stress ausgesetzt zu sein oder bleibe auch mal zu Hause, weil ich weiß, dass meine Blase einfach empfindlicher reagiert.
Die Beschwerden sind aber nicht nur körperlich präsent. Sie nehmen auch mental Raum ein. Ich plane Wege anders, sage Verabredungen kurzfristig ab oder überlege zweimal, ob ich bestimmte Aktivitäten wirklich machen will. An guten Tagen vergesse ich die Erkrankung fast – bis sie sich auf einen Schlag wieder so richtig bemerkbar macht. Und das nur, weil ich kalte Füße habe.

Nicht allein mit der Diagnose
Was mir über die Jahre geholfen hat, die Krankheit zu akzeptieren, war zum einen der Austausch mit anderen: mit meinen Ärztinnen und anderen Betroffenen oder bei Informationsveranstaltungen. Zu hören, dass ich nicht die Einzige bin, es Therapiemöglichkeiten gibt und dass es vielen irgendwann besser geht, hat bei mir etwas verändert. Zum anderen haben mir unglaublich meine Familie und Freunde geholfen. Zu meinen Behandlungen kommt immer jemand mit – mal mein Freund, mal meine Schwester, mal meine Mama. Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, bedeutet für mich aber sehr viel. Denn auch wenn man lernt, mit einer chronischen Erkrankung zu leben, macht es einen großen Unterschied, wenn man den Weg nicht allein gehen muss.
Außerdem gehe ich auch recht offen mit dem Thema um. Natürlich erzähle ich nicht jeder Person direkt davon. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt oder ich merke, dass jemand verstehen sollte, warum ich bestimmte Dinge anders plane, spreche ich darüber. Denn: man muss sich keine Ausreden überlegen und stößt meist auf deutlich mehr Verständnis, als man erwartet. Die Reaktionen darauf waren bisher fast nur positiv. Besonders Frauen können viele Situationen nachvollziehen, auch wenn sie selbst nicht betroffen sind. Dieses Verständnis und Mitgefühl ist sehr wertvoll – denn allein das Gefühl, ernst genommen zu werden, macht einiges leichter. Und gleichzeitig schafft man auch direkt mehr Bewusstsein, dass es Interstitielle Zystitis überhaupt gibt.
Wie geht Blasenkrankheit unterwegs?
Wenn ich draußen unterwegs bin, werden diese vermeintlich kleinen Dinge oft größer. Ich wandere leidenschaftlich gerne – und hier ist nicht immer eine Toilette oder der Platz zum Rausnehmen da. Freundet man sich mit dem Wasserlassen im Freien an, ist zumindest der Harndrang nicht mehr das größte Problem. Wenn auch deine Begleiter:innen ein Bewusstsein für das Problem haben, fällt es auch meist leichter sich zu entspannen. Bei den Schmerzen hilft mir oft einfach Wärme! Ich schaue z. B. darauf, dass ich immer um die Nieren gut eingepackt bin, NIEMALS kalte Füße bekomme (dann sind die Schmerzen am schlimmsten) oder auch nasse Kleidung so schnell wie möglich wechsle.
Travel Hack: Wärmepad
Da man ja schlecht mit einer Wärmflasche laufen, wandern oder auf Skitour gehen kann, empfehlen wir unterwegs die Verwendung von Wärmepads! Wärmepads klebt man an den Unterbauch und sie spenden ca. 8 Stunden Wärme bei etwa 40 °C. Nachteil: Sie sind kostenintensiv und produzieren Müll, aber bei starken Unterbauchschmerzen oder Krämpfen eindeutig lebensgefühlverbessernd. Außerdem sind sie unabhängig von kochendem Wasser, falls unterwegs keines vorhanden sein sollte.
Keine Heilung – aber Therapie
Mittlerweile habe ich mit der EMDA-Therapie („Elektromotive Drug Administration“) eine Behandlung gefunden, die mir hilft. Dabei handelt es sich kurz gesagt um ein minimalinvasives Verfahren, bei dem Medikamente in die Gewebeschichten der Harnblase eingebracht werden, meist mithilfe eines speziellen Katheters. Seitdem ist der Harndrang deutlich besser, die Schmerzen weniger. „Nur“ alle 4 Monate brauche ich sie. Und an manchen Tagen danach spüre ich sogar gar keine Schmerzen mehr (das hatte ich am Anfang der Diagnose nicht glauben können). Die Therapie hat mir vor allem eines zurückgegeben: Lebensqualität. Nicht, weil plötzlich alle Symptome weg sind, sondern weil die guten Tage wieder häufiger geworden sind.

Was ich aber trotzdem immer und überall dabei habe: meine kleine Wärmflasche, die in fast jede Tasche passt!
Anna
Was Frauen für ihre Blasengesundheit tun können
- Genug trinken: Das hilft, die Harnwege zu spülen. Wasser und ungesüßte Tees sind hier die beste Wahl.
- Die Blase regelmäßig entleeren: Harndrang sollte möglichst nicht dauerhaft unterdrückt werden, da das die Blase zusätzlich belasten kann.
- Auf die Intimhygiene achten, aber nicht übertreiben: Aggressive Waschlotionen oder Intimsprays können die natürliche Schutzfunktion im Intimbereich stören.
- Nach dem Sex zur Toilette gehen: Das kann helfen, Keime aus der Harnröhre auszuspülen und Harnwegsinfektionen vorzubeugen.
- Den Beckenboden stärken: Gezielte Übungen unterstützen die Blasenfunktion.
- Nicht auf kalte Oberflächen setzen: Ein kleines Wander- oder Schaumstoffkissen im Rucksack kann dafür sehr praktisch sein.
- Wäsche wechseln: Feuchte Wäsche (durch Regen, Schweiß etc.) und nasse Badesachen möglichst zeitnah wechseln.
Blasenprobleme sind nichts, wofür man sich schämen muss. Und schon gar nichts, womit man allein bleiben sollte. Wer seine Beschwerden ernst nimmt, Fragen stellt und sich Unterstützung holt, hat oft schon den wichtigsten Schritt getan. Deshalb: Hört auf eure Körper, sprecht offen über das Thema und ermutigt auch andere Frauen dazu. Je selbstverständlicher wir über die Blase sprechen, desto leichter wird es, Antworten zu finden und die Hilfe zu bekommen, die wir wirklich brauchen.
Habt ihr Erfahrungen mit Interstitieller Zystitis oder Blasenschwäche? Schreibt es in die Kommentare!