Fliegen wie eine Superheldin – Interview über Wingsuiten Lisa Buchner


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Fallschirmspringen kennen wir alle, aber wisst ihr auch, was es mit Wingsuiten auf sich hat? Ein Wingsuit ist ein Flügelanzug, mit dem samt Fallschirm aus einem Flugzeug oder von einem Felsen etc. gesprungen wird! Klingt aufregend? Ist es auch. Um einen Einblick in diesen spektakulären Extremsport zu bekommen, habe ich mit Lisa Buchner gesprochen. Erfahrt, wie sie die Liebe zum Fliegen entdeckte, was euch in ihren Kursen erwartet und welche Voraussetzungen ihr braucht, selbst in einem Wingsuit puren Adrenalinrausch zu erleben. Aber vor allem möchte Lisa eines: Mehr Frauen zum Wingsuiten motivieren.

Wingsuiten – Der luftige Extremsport

Wie ein Vogel durch die Luft schweben – der Extremsport Wingsuiten verspricht nicht nur die Freiheit des Fliegens, sondern auch einen unglaublichen Adrenalinrausch. Dafür braucht es einen Wingsuit sowie einen Fallschirm – mit dem Wingsuit legt man im Gegensatz zum klassischen Fallschirmsprung eine längere horizontale Strecke zurück, anstatt schnell vertikal Richtung Erde zu fliegen. Dabei hat der Wingsuit an den Armen und Beinen Flügel/(bzw.) Tragflächen und lässt sich so mit Arm-, Bein- und Kopfbewegungen steuern. Der Fallschirm dient für die sichere Ankunft auf dem Boden. Um Risiken zu minimieren und Sicherheit zu gewährleisten, ist eine optimale Planung das A & O. Und: Es gibt Kurse, um sich an den extremen Luftsport mit Expert:innen heranzutasten. Dazu zählt Wingsuit-Trainerin Lisa Buchner aus Österreich. Bei ihr kann Schritt für Schritt Wingsuiten zum spektakulären Flug-Erlebnis werden.

Wingsuiting

Lisa Buchner – Die erste Wingsuit-Trainerin Österreichs und Deutschlands

Von Frühling bis Herbst hat Lisa Buchner Hochsaison – dann fliegt sie am Flugplatz in der Wiener Neustadt, Österreich, regelmäßig samt Wingsuit mit ca. 200h/km Richtung Erde und gleitet wie ein Flughörnchen durch die Luft. Unter ihr die Natur, neben und über ihr die Wolken und das Gefühl von Freiheit. Lisa ist die einzige und erste zertifizierte Wingsuit-Trainerin Österreichs und Deutschlands. Sie hat ihre Ausbildung vor sechs Jahren in Belgien absolviert, um Springer:innen Wingsuiten zu unterrichten. Sie selbst hat über 1.400 Fallschirmsprünge in ihrem Leben absolviert und möchte vor allem Frauen motivieren. Denn bisher kennt sie nur wenige, die sich den Extremsport Wingsuiten zutrauen. Lisa spricht mit mir, wie sie zum Fliegen kam, über ihre Kurse und gibt Einblick in eine luftige Disziplin. Aber auch über fehlende Vorbilder und Stereotypen und das Ungleichgewicht in der Wingsuit-Szene zwischen Männern und Frauen.

Interview mit Lisa Buchner

Lisa, Wie bist du zum Fliegen gekommen?

L Ich wollte schon immer fliegen können, aber nicht wie eine Pilotin, sondern eher wie eine Superheldin. Als ich mit 14 Jahren in den Bergen das erste Mal einen Paragliding-Tandemflug gemacht habe, war das leider recht enttäuschend. In Australien habe ich dann zum ersten Mal einen Fallschirmsprung gemacht. Es war ganz anders, viel besser und ich habe mich einfach fantastisch gefühlt und wusste, davon will ich mehr! Zu Hause habe ich recherchiert, wo ich Fallschirmspringen kann und wie viel das kostet. Eine Ausbildung kostet ungefähr 2.500 € und ich war damals Studentin. Aber ich habe es irgendwie hinbekommen, das Geld zusammengekriegt und habe dann tatsächlich vor 12 Jahren den Kurs gemacht. Und ich springe immer noch!

Warum bist du zum Wingsuiten gewechselt?

L Ich gehe nach wie vor auch weiter Fallschirmspringen, aber diese Faszination vom Fliegen kann ich beim Wingsuiten viel besser ausleben, da ich länger fliege und weiter in den Himmel komme. Und man kann die Freifallzeit im Vergleich zu einem Fallschirmsprung verdoppeln bis verdreifachen. Das kommt dann darauf an, wie gut man den Wingsuit kontrollieren kann und was für ein Suit man anhat. Je größer die Flügel, desto mehr Auftriebsfläche bieten sie und desto länger kannst du in der Luft bleiben.

Welchen WingSuit fliegst du?

L Ich fliege am liebsten den mittleren Wingsuit und fühle mich da auch sehr wohl. Ich mag die großen Suits nicht so gern. Sie sind viel schwieriger zu lenken und es ist viel anstrengender in den Armen. Das liegt nicht an der Steuerung, da zumeist mit dem Kopf gelenkt wird: Bei so einer große Fläche reicht eine Bewegung, wie den Kopf zu neigen, schon aus. Meinen Schüler:innen ziehe ich deswegen auch eher die kleinen Anzüge an, denn am Anfang macht man noch viele Fehler. Der kleine Suit vergibt eher, als der große Wingsuit.

Wie trainierst du selbst, um fit zu bleiben?

L Ich mache Fitness, bin generell sehr sportlich und habe auch eine ausreichende Grundkondition. Außerhalb des Flugplatzes mache ich ein wenig Sport, gehe gern Laufen, fahre Fahrrad, wandere und habe dadurch eine gute Ausdauer. Auch wenn ich nicht so stark bin – mental bin ich es auf jeden Fall. Das alles bringt schon viel für sportliche Herausforderungen. Ich war z. B. vor fünf Jahren in Lateinamerika und bin sehr spontan auf einen 6.000er Berg ohne großartige Bergsteigererfahrung gestiegen. Es war zwar anstrengend wegen der Höhe, aber weniger körperlich. Die Herausforderung war eher mental – zu sagen, geh weiter, auch wenn du das Gefühl hast, gleich umzukippen.

Was fühlst du, wenn du FLiegst?

L Im Idealfall fühle ich Freiheit und Glück! In diesem Moment kann ich kaum etwas Negatives fühlen, gerade wenn ich belastet bin, ist das dann alles weg. Dann bin ich nur im Augenblick. Wenn man einfach genießen kann, ist das das Schönste auf der Welt! Der Moment vom Rausspringen ist einfach genial – wie die Wärme der Sonne zu spüren, aber beim Sprung spürt man den Wind, den Luftwiderstand und die Natur. Und in schlechten Momenten kann man dieses Gefühl abrufen und wieder die Sonne spüren.

Außerdem ist es irrsinnig cool, wenn man beim Wingsuiten an Wolkenformationen vorbeifliegt, Löcher in den Wolken sucht, einfach in ein Wolkenloch eintaucht, in einer eleganten Linie hineinfliegt und unter den Wolken wieder rauskommt oder über die Wolken fliegt und unter sich das Wolkenmeer hat. Diese Bilder habe ich immer im Kopf. Und während ich dir das gerade erzähle, fühle ich das alles wieder: ich spüre die Wolken.

Und Wie fühlt sich ein FLug durch die Wolken an?

L Sie fühlen sich wie nasser, undurchsichtiger Nebel am Himmel an. Mit dem Wingsuit bin ich immer gut eingepackt – auch bei Eiswolken, da kann man auch mal ein gutes bis blutiges Peeling bekommen. Das hatte ich bloß gut noch nicht. Wenn man einen Sprung mit mehreren Leuten durch Wolken macht, kann es aber auch gefährlich werden. Denn wenn man die anderen nicht mehr sieht und es passiert, dass jemand schnell abbiegt und dich aus der Luft schießt, sind das Situationen, die man auf jeden Fall vermeiden sollte. Wir passen die Flüge daher an das Wetter an, fliegen nicht bei starken Wolken oder nicht mit so vielen auf einmal und wenn dann so, dass man sich nicht aus den Augen verliert. Und es gibt Sicherheitsaspekte, die damit reinspielen. Denn es ist immer ein gewisses Risiko und auch gefährlich. Aber wenn du weißt, worauf du achten musst und was wichtig ist, kannst du dieses Risiko einfach minimieren.

Begleiten dich auch Ängste oder Sorgen vor oder während deiner Sprüngen?

L Am Anfang einer Saison bin ich immer ein bisschen aufgeregt. Manchmal wegen des Sprungs mit vielen Leuten. Zum Beispiel, wenn ich mich frage, ob ich gut genug bin oder ob alle anderen schneller, besser, schöner fliegen als ich. Auch bei Arbeitssprüngen mache ich mir viel mehr Gedanken um meine Schüler und Schülerinnen. Ich werde eher nervös wegen der hohen Verantwortung als vor dem hohen Risiko

Wie kamst du darauf, Wingsuit-Trainerin zu werden?

L Als ich mit dem Fallschirmspringen angefangen habe, habe ich erstmal überhaupt nicht daran gedacht, was ich damit weitermachen kann oder welche Disziplinen es gibt. Ich bin immer Fallschirmspringen gewesen und mehr nicht. Durch meinen damaligen Freund habe ich dann Wingsuiten kennengelernt. Er hat auch die Ausbildung zum Coach gemacht. Ich fand die Idee gut, sich zum Coach ausbilden zu lassen. Ich kannte bis dahin nur Männer, die diese Ausbildung gemacht haben und fragte mich, ob es überhaupt eine Frau gibt. Daraufhin habe ich angefangen zu recherchieren und habe keine Frauen gefunden, die diese Ausbildung haben oder Unterricht anbieten.

»Ich wollte diese Ausbildung machen und fand die Vorstellung auch schön, dass ich so eine Vorreiterin-Rolle einnehmen, Vorbild sein und Stereotypen aufbrechen kann.«

Lisa Buchner

Das Bild einer Frau im Wingsuit ist wirklich sehr, sehr selten. Ich glaub zum Beispiel in Österreich sind es die fehlenden Vorbilder und dass die Frauen gar nicht auf die Idee kommen, auch Wingsuiten zu gehen.

Gibt es europaweit weitere Anbieter?

L Bei uns in der Wiener Neustadt bin ich auf dem Sprungplatz die einzige, die Wingsuiten unterrichtet. Und in Österreich und auch in Deutschland gibt es generell kaum Leute, die das anbieten. Ich habe auch mit deutschen Springerinnen geredet und sie wollten mich buchen, damit ich zu ihnen komme und sie unterrichte, weil sie niemanden in ihrer Nähe gefunden haben. Weltweit gibt es nur wenige, die Wingsuiten unterrichten. Du musst theoretisch keinen Kurs machen, um es jemandem beibringen zu können. Theoretisch kannst du dir aber einen Wingsuit schnappen und einfach rausspringen und schauen was passiert, aber ob das schlau ist – wohl eher nicht. Aber es gibt genug, die das schon so gemacht haben. Normalerweise redet man vorher mit jemanden, der das schon einmal gemacht hat und dann macht man idealerweise einen Kurs.

Lisa ist eine der wenigen Frauen, die Wingsuiten unterrichtet

verdienst du als Lehrerin genügend geld, um damit dein Hobby zu Finanzieren?

L Ich verdiene als Lehrerin nicht so viel, weil die Menschen, die überhaupt die Qualifikation mitbringen, dass sie bei mir ein Kurs machen können, überschaubar sind. Es ist derzeit ein bisschen Taschengeld. Aber es deckt nicht die wirklichen Sprungkosten. Leider – noch nicht! Vielleicht gibt es irgendwann viele Leute, die mich oft als Trainerin und auch den First Flight Kurs buchen – der erste Kurs mit dem Wingsuit, den ich vor allem mache. Die Leute müssen diesen Sprung einmal machen und danach sind sie mehr oder weniger frei. Sie können auch noch ein Coaching bei mir machen, aber das sind relativ wenige. Es wäre sehr sinnvoll für das Learning der Springer:innen, aber viele von ihnen sind in Geldnot und können sich einen Coaching nicht leisten.

Zum wingsuiten ist sicherlich ein gutes körpergefühl wichtig. welche Voraussetzungen brauchen die Schüler:innen noch?

L Ja, das stimmt. Es hilft auf jeden Fall und die Leute, die bei diesen Kursen teilnehmen, haben 200 Fallschirmsprünge. Aber natürlich, je besser das Körpergefühl ist, desto besser wirst du auch wingsuiten können. Ich habe auch schon Leute abgelehnt, die hatten kein Körpergefühl und ich wusste, dass sie eine Gefahr für uns alle sein können. Manchmal kenne ich meine Schüler:in schon oder merke, wenn sie seltsame Fragen stellen, Ideen haben, die nicht funktionieren oder einfach keine Ahnung vom Fliegen oder von Naturgesetzen haben. Ich merke schon am Boden, wie sich die Personen verhalten, wie ernst sie die Aufgebe nehmen, was sie verstehen oder wie sehr jemand bei der Sache ist. Es ist oft so, dass die Leute dann die Beine nicht parallel haben, sondern dass das eine vielleicht mehr abgewinkelt ist oder sie den Kopf oder einen der Arme schief halten. Die Leute spüren es oft gar nicht und dann zeige ich Ihnen das. Durch die Videos sehen meine Schüler:innen, wie sie ihre Gliedmaßen halten etc. Du brachst auch ein gutes Gleichgewicht.

Du machst während des Flugs videos, so dass die Springer:innen dann ihren eigenen Sprung danach im Blick haben?

L Genau. Und es ist natürlich auch schön für sie als Erinnerung oder für Social Media, dass sie es posten können, weil sie so stolz und glücklich sind, dass sie sich das getraut haben. Und dass sie es geschafft haben, und das wollen sie dann auch oft teilen.

Wie genau läuft dein Kurs ab und wie bereitest du alle auf Wingsuiten vor?

L Ich gehe den Sprung und die ganzen Infos nicht nur einmal durch, sondern erkläre ihnen alles mehrfach, damit sie das intus haben. Ich kann da auch richtig lästig werden, aber so funktioniert der Kurs, so ist er aufgebaut. Zuerst haben die Schüler:innen einen Theorieteil über den Wingsuit – wie er aufgebaut ist und funktioniert, wie man ihn und Fallschirm verbindet und diesen anzieht. Danach kommt der Trockentraining-Teil am Boden, in dem ich erkläre, wie der Sprung gemacht wird: Wir springen raus, fliegen ein bisschen mit dem Flieger, machen zwei Kurven und dazwischen ein paar Übungen und dann ziehen wir am Fallschirm. Ich baue die Technik Schritt für Schritt auf, ich zerlege diesen Sprung wirklich in die kleinsten Einzelteile. Und nerve dann einfach mit den Details.

Was versuchst du, den Leuten während deines Coachings mitzugeben?

L Ich versuche ein gutes, sicheres Gefühl zu vermitteln und achte sehr darauf, dass alle meine Anweisungen verstehen und sich wohlfühlen. Ich gehe alle Übungen so oft wie möglich am Boden durch, damit sie sich dann beim Sprung sicherer fühlen. Und im Flieger frage ich die Gruppe dann noch einmal, was wir alles gelernt haben. Es gibt eine Art Ritual bei den Springer:innen – kurz vor dem Absprung klatschen sich alle noch einmal ab und sagen sich, dass es um die Freude geht und ein cooler Sprung wird. Das ist sehr wichtig für die Leute.

Wie kannst du deinen Schüler:innen die Nervosität abnehmen?

LDas ist eine individuelle Sache! Es gab zum Beispiel einen Schüler, der hatte ein Problem mit der Schüler-Lehrerin-Situation. Er hat gesagt, sobald er in dem Kurs ist oder etwas Kurs oder Schulung heißt, dann kriegt er eine totale innerliche Verkrampfung, ist gestresst und wird extrem nervös. Das hat er mir am Anfang gesagt und ich habe darauf geachtet, dass es weniger ein Schüler-Lehrerin-Verhältnis und nicht nur ein Kurs ist, sondern ein Miteinander, ein lustiger Tag. Manche Leute haben Angst vorm Abspringen, manche davor, den Fallschirm zu aktivieren und andere macht es nervös, an dem Schirm zu hängen oder sie machen sich Sorgen, ob sie da überhaupt wieder rauskommen oder wie man lenkt. Aber für all diese Ängste gibt es Lösungen.

Und nach deinem kurs können die leute dann ohne Jemanden, der sie begleitet, wingsuiten?

L Ja. Da wo ich springe, in der Wiener Neustadt, sind wir immer die Gleichen. Es ist wie eine große Familie. Schüler:innen, die dann selbstständig weiterspringen, kommen auch immer wieder zu mir und fragen: ”Hey Lisa, hast du eine Ahnung: Ich biege irgendwie die ganze Zeit nach links ab, was könnte das sein.“ Oder: „Ich komme vom Tempo nicht mit den anderen mit, die sind schneller als ich, wie kann ich meine Körperposition verändern?“ Solche Sachen lassen sich eigentlich auch am Boden, ohne dass man sie gesehen hat, beheben bzw. kann ich Tipps geben und versuchen zu helfen. Das ist auch die Erfahrung, die ich schon habe. Es einfach irrsinnig cool, wenn die Leute danach sagen, dass es jetzt besser geklappt hat, oder dass sie wirklich etwas mit meinen Tipps anfangen konnten und dass sie sich jetzt wohler fühlen.

gibt Es ein Starkes Ungleichgewicht von Frauen und Männern Beim Wingsuiten?

L Es gibt ein ungleiches Verhältnis zwischen Männern und Frauen, ja. Man braucht, um eine Ausbildung zu machen 200 Sprünge, die man in etwa zwei Jahren machen könnte, aber es kommen einfach nicht viele Frauen und auch in den Kursen waren von meinen Schüler:innen ca. 30–40 Männer und etwa drei Frauen. Viele Frauen haben Respekt, aber nicht unbedingt vor der Höhe, denn es gibt viele Frauen, die Fallschirmspringen. Eher vor dem Sport an sich, dabei ist es gar nicht so dramatisch.

DU sagst, Fallschirmspringerinnen gibt es bereits schon eine ganze Menge. Wie würdest du das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in diesem Sport allgemein beschreiben?

L Es verbessert sich. Jahr für Jahr werden es mehr Frauen, was total gut ist, aber es gibt immer noch ein schlechtes Verhältnis und dieser Sport ist leider von Männern dominiert. In einen Flieger passen 18 Leute hinein und ich bin immer mal wieder die einzige Frau. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen vorsichtiger sind, was in dem Sport super ist, weil er zum einen gar nicht so gefährlich ist, wie viele glauben, und es ist natürlich super, wenn du vorsichtig und kontrolliert bist. Durch Selbstüberschätzung können echt ganz blöde Situationen entstehen, die ich auch schon erlebt habe. Auch die Stereotype spielen eine Rolle. Wenn man sich eine fallschirmspringende Person vorstellt, dann wird diese Person höchstwahrscheinlich männlich sein, weil es das ist, was wir aus den Medien kennen. Stell dir jetzt eine fallschirmspringende Frau vor: Dann wirst du wahrscheinlich an jemanden denken, der eine eher maskuline Frau ist, oder wild, aber definitiv nicht zierlich oder feminin – das ist schade und spielt keine Rolle beim Wingsuiten.

Welche erfahrungen hast du selbst erlebt? 

L Ich habe ein Schlüsselerlebnis: Ich war mit ein paar Freunden auf einer Art Dorffest und wir haben eine Flugshow gemacht – ich war die einzige Frau. Nach der Show kam ein Paar zu uns und die Frau sah mich mit großen Augen an und fragte „Und du bist auch gesprungen?“ Vielleicht hat sie das bewundernd gemeint, aber mich hat es total geärgert. Ich habe mir gedacht, Frausein ist keine Behinderung, warum soll ich denn nicht tun? Aber allein dass sie so perplex war, dass ich gesprungen bin, fand ich auch so schade und traurig, weil sie sich das offensichtlich selbst nicht zutraut und ihre Angst auf alle Frauen überträgt und es somit keiner von uns zutraut. Dafür gibt überhaupt keinen Grund.

Bild 1: Lisa beim Absprung aus dem Flugzeug Bild 2: Und nach ihrer Landung mit dem Fallschirm

Wie machst du dich für mehr Frauen für Wingsuiten stark?

L Ich setze sehr viel auf Sichtbarkeit. Ich suche die Medien und versuche zu zeigen, dass auch Mädchen und Frauen Fallschirmspringen oder Wingsuiten können, dass sie alles machen können, was sie wollen – Frauen wie auch Männer. Ich wünsche mir, dass eine Frau genauso Wingsuiten kann, wie ein Mann Ballett tanzt und umgekehrt. Oder aussehen können, wie man möchte und den eigenen Weg gehen zu können und dass niemand Angst haben sollte, weil man sich als Frau und als Mann dafür stark machen sollte, das alle alles machen dürfen.

»Das Wichtige ist, sich zu trauen, dem Etikett zu entkommen und die Angst zu überwinden, um dadurch stärker zu werden!«

Einfach Fliegen – Lisa in ihrem Wingsuit

Ihr wollt mehr über Lisa Buchner erfahren oder euch mit ihr samt Wingsuit in die Tiefe stürzen? Weitere Informationen findet ihr auf ihrer lisabuchner.com oder auf ihrem Instagram-Kanal. Mehr inspirierende Interviews mit Frauen und ihre Erlebnissen aus Sport, Outdoor und Travel veröffentlichen wir regelmäßig unter der Kategorie Wild Women in unserem Online Magazin.

Welchen Extremsport habt ihr bereits ausprobiert? Schreibt es uns in die Kommentare?

Über die Autor:in

Steffka Bunge

Steffka ist freiberufliche Lektorin und arbeitet zur Zeit in einem Dresdner Verlag. In freien Momenten schreibt sie an einem Kinderbuch oder bereist die Welt, um sich am Zauber der Natur zu erquicken und im Wasser den Alltag zu vergessen.

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